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Montag, 11.12.2017
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Gorillas im Kochtopf

WWF: Urbanisierung heizt Nachfrage nach Buschfleisch weiter an

Viele Bestände von Wildtieren wie Gorillas geraten in Afrika durch die steigende Nachfrage nach Buschfleisch zunehmend unter Druck. Dies hat eine aktuelle Studie von WWF und TRAFFIC, dem gemeinsamen Artenschutzprogramm mit der Weltnaturschutzunion, ergeben. Danach heizt vor allem die Urbanisierung die Nachfrage nach „bushmeat“ immer weiter an.
Gorilla

Gorilla

Wie dramatisch die Situation ist, zeigt laut WWF ein Schlag, der den Behörden in Kamerun gegen illegale Wilderei und den verbotenen Handel mit Buschfleisch gelungen ist. Nach monatelangen Vorbereitungen nahmen Beamte in der Stadt Yaoundé bei einer großangelegten Razzia drei Händler fest, die Buschfleisch von bedrohten Tierarten, darunter Gorilla-Produkte, verkauft hatten.

West- und Zentralafrika besonders betroffen


„Wir beobachten mit Sorge die Kommerzialisierung des Buschfleischhandels in West- und Zentralafrika“, sagt WWF-Artenschutzreferent und Autor der Studie, Stefan Ziegler. Nach WWF-Informationen dienen Wildtiere längst nicht mehr nur der lokalen Bevölkerung als Nahrungsgrundlage. Durch verbesserte Transportwege und der Erschließung weiter Teile des Regenwaldes gelange erschwingliches Buschfleisch in immer größerer Menge in die Städte.

Gerade in den wachsenden Ballungszentren steige die Nachfrage unaufhörlich, da die Urbanisierung meist mit einer Kaufkraftzunahme der Bevölkerung einhergehe, so der WWF.


„Die Jagd auf Wildtiere wird durch die Kommerzialisierung erheblich verschärft. Vor allem die Bestände seltener Tierarten drohen aufgrund der intensiven Bejagung zusammenzubrechen“, warnt Ziegler. So seien zwei Arten von Stummelaffen in Folge des professionalisierten Buschfleischhandels schon ausgestorben.

6.000 seltene Menschenaffen landen im Kochtopf


Auch die Bestände der Gorillas sind nach WWF-Angaben in Gefahr. Schätzungen der Umweltschutzorganisationen zufolge werden pro Jahr 6.000 der seltenen Menschenaffen für den Buschfleischhandel getötet. Inzwischen würden auch Elefanten nicht nur wegen des Elfenbeins geschossen. Die Wilderer seien auch hinter dem Fleisch der Dickhäuter her.

„Gelingt es uns nicht den Jagddruck zu reduzieren, werden wir in weiten Teilen Afrikas bald mit Wäldern zu tun haben, deren Fauna größtenteils verschwunden ist“, warnt Ziegler. Mit den Tieren gingen dem Tropenwald wichtige ökologische Funktionen verloren, denn viele Arten seien Samenverbreiter oder hielten Baumschädlinge in Schach. Hinzu komme, dass die lokale Bevölkerung auf Buschfleisch als Nahrungsgrundlage und Proteinlieferant angewiesen sei.

WWF fordert effektives Managementsystem


„Wir brauchen dringend ein effektives Managementsystem um die nachhaltige Nutzung von Wildtierarten zu gewährleisten“, sagt der WWF-Experte. Ziel des WWF ist ein übergreifendes Monitoring-System. Außerdem arbeitet die Umweltschutzorganisation in ihren Projektgebieten an der Ausweisung von Jagdzonen, die von der einheimischen Bevölkerung - Local Communities - eigenständig verwaltet werden sollen.

Wilderei und Handel mit geschützten Arten wie Menschaffen und Elefanten müssten, so die Forderung des WWF, auf breiter Front bekämpft und Verstöße mit empfindlichen Strafen geahndet werden.
(WWF Deutschland, 23.10.2009 - DLO)
 
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