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Montag, 27.03.2017
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Schwangerschaft: Wie Stresshormone auf den Nachwuchs wirken

Natürliche Hormonproduktion des Kindes wird verändert

Wenn eine Frühgeburt droht, erhalten Schwangere oft synthetische Stresshormone, um die Lungenreifung des Ungeborenen zu beschleunigen. Schweizer Wissenschaftler sind nun zum Ergebnis gekommen, dass diese Glukokortikoide auch die Hormonproduktion des Kindes verändern. Sie berichten über ihre Ergebnisse online in der Fachzeitschrift „Endocrine Reviews“.
Schwangerschaft

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Wenn Komplikationen in der Schwangerschaft auf eine Frühgeburt hinweisen, setzen Ärzte seit den 1970er-Jahren Glukokortikoide ein. Diese synthetischen Stresshormone helfen unter anderem, die Lungenreifung des Ungeborenen zu beschleunigen, damit es bei einer vorzeitigen Geburt auch außerhalb des Mutterleibs überleben kann.

Die Glukokortikoide können aber die Entwicklung des Fötus nachhaltig beeinflussen. Vor allem das körpereigene Stresssystem, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse (HHNA), reagiert besonders empfindlich auf vorgeburtliche Einflüsse durch synthetische Glukokortikoide.

49 Studien ausgewertet


Ein Team um Gunther Meinlschmidt an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel untersucht seit längerem wie der Nachwuchs auf Belastungen in der Schwangerschaft reagiert. Aus dieser Arbeitsgruppe hat nun die Wissenschaftlerin Marion Tegethoff gemeinsam mit Meinlschmidt und Christopher Pryce von der Universität Zürich systematisch 49 Studien aus den letzten rund 40 Jahren ausgewertet.


Diese untersuchten den Einfluss von vor der Geburt verabreichten synthetischen Glukokortikoiden auf die HHNA-Aktivität des Kindes bereits im Mutterleib, aber auch kurz nach der Geburt und in der frühen Kindheit.

HHNA-Aktivität reduziert


Die Forscher stellten dabei fest, dass der vor der Geburt behandelte Nachwuchs eine reduzierte HHNA-Aktivität aufweist und somit zum Beispiel eine geringere Menge des Stresshormons Cortisol produziert, sowohl unter Ruhebedingungen als auch etwa in Reaktion auf Impfungen in den ersten Lebensmonaten.

Während sich die Unterschiede unter Ruhebedingungen in den ersten zwei Lebenswochen aufheben, scheinen Unterschiede in Reaktion auf Schmerzen durch einen Nadelstich auch noch im Alter von vier Monaten zu bestehen. Die Forscher berichten weiter, dass die Aktivität des Stresssystems zum Beispiel von der Medikamentendosis abhängt.

Veränderte Aktivität des Stresssystems als Gefahr?


Noch ist unklar, ob die veränderte Aktivität des körpereigenen Stresssystems kurz- und langfristig die Gesundheit der betroffenen Kinder beeinträchtigt. Doch helfen die Befunde, so die Wissenschaftler, das Verständnis der häufig lebenswichtigen Glukokortikoidgabe zu vertiefen und geben Anhaltspunkte für notwendige weitere Forschung.
(idw - Universität Basel, 22.10.2009 - DLO)
 
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