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Freitag, 10.02.2012
Rodderberg-Vulkan bei Bonn wird angebohrt
Vulkanismus und Klimageschichte des Rheinlandes im Visier der Forscher
Der Rodderberg-Vulkan am Stadtrand von Bonn ist der Schauplatz eines spektakulären Geoprojekts, bei dem Wissenschaftler eine 150 Meter tiefe Bohrung im Krater durchführen wollen. Die Arbeiten werden voraussichtlich 2011 beginnen und sollen einen entscheidenden Beitrag zur Erforschung des Vulkanismus und der Klimageschichte des Rheinlands liefern.

Luftbild des Rodderbergs
Luftbild des Rodderbergs
© Universität Bonn / Geographisches Institut Luftbild des Rodderbergs
Der Rodderberg hat es in sich: Er besteht aus vulkanischem Gestein und erhebt sich über ein kreisrundes Tal. Für Geologen ist dieses Tal, es hat 800 Meter Durchmesser, ein wieder zugeschütteter Vulkankrater, vieldiskutiert seit den frühen Tagen der Geowissenschaften. Der Krater wurde schon 1834 von Charles Lyell in seinem berühmten Werk „Principles of Geology“ in einem Atemzug mit dem Vesuv erwähnt. Dennoch, bis heute blieb Vieles rätselhaft.

Viele offene Fragen
Wann, wie und wieso brach der Vulkan aus? Wie tief ist der Krater, was sagt uns seine mächtige Lössfüllung? Einige Messungen deuten auf ein Vulkan-Alter um 300.000 Jahre hin, mehrere Ausbruchsphasen sind bewiesen.

Früheren Bohrungen ist es nicht gelungen, den Boden der Kraterfüllung zu erreichen, der möglicherweise erst bei über 100 Meter Tiefe liegt. Also ein wirklich tiefes Loch, das mit der Zeit von Sedimenten aufgefüllt wurde, die heute ein wertvolles Archiv der Klima- und Umweltbedingungen bilden.

Löss, Klimageschichte und Vulkanismus des Rheinlandes, so heißen stark vereinfacht die Hauptziele der Geowissenschaftler. Ein wenig detaillierter klingt dies so:

Löss- und Klimaforschung
Löss ist ein weltweit verbreitetes, oberflächennah und patchwork-artig auftretendes Sediment. Der Kenntnisstand seiner petrographischen, geochemischen, geophysikalischen und hydraulischen Eigenschaften soll durch die neue Bohrung erweitert werden. Die Wissenschaftler wollen aber auch neue geeignete Untersuchungsmethoden entwickeln und erproben. Vertiefte Kenntnisse über Löss sind besonders für Bewertungen zur Grundwasserneubildung und -qualität wertvoll. Weite Teile Europas tragen eine Lössbedeckung. Auch allgemeine Baugrund-Fragestellungen werden nach Angaben der Forscher von neuen Messverfahren und den erwarteten Ergebnissen profitieren.

Darüberhinaus geht es um die Erschließung und Datierung eines umfangreichen Klima- und Stratigraphie-Archivs zur weiteren Komplettierung der in Mitteleuropa immer noch problematischen Nord-Süd-Korrelation quartärer terrestrischer Sedimentarchive. Dies ist aus Sicht der Geowissenschaftler notwendig, um die jüngere Klimageschichte angemessen zu interpretieren. Die erwartenden Daten sind auch als Bausteine für die Einschätzung von Klimaprognosen wichtig.

Rätsel um Vulkankomplex lösen
Doch damit nicht genug: Die Forscher wollen auch mehr über den Vulkankomplex Rodderberg, seine geologische Position, seine Ausbruchs- und Verfüllungsgeschichte, seinen Bezug zum Eifelvulkanismus und seine Bedeutung zur Rekonstruktion der jungen Hebungsgeschichte des Rheinischen Schiefergebirges erfahren.

Die Bohrung soll 2011 starten, die Arbeiten werden von einem fahrbaren Bohrgerät (LKW) aus durchgeführt und dauern circa drei bis fünf Wochen. Es wird eine PVC-Verrohrung ins Bohrloch eingebaut, damit über eine längere Zeitspanne wissenschaftliche Experimente, Messungen und Langzeitbeobachtungen durchgeführt werden können.

Nach etwa fünf Jahren soll die Bohrung anschließend wieder vollständig zurückgebaut und das Bohrloch verfüllt werden. Alle Maßnahmen im Zusammenhang mit dieser Forschungsbohrung erfolgen nach Angaben der Forscher rücksichtsvoll und in frühzeitiger und enger Absprache mit Naturschutzbehörden und Interessenträgern.

Planungstreffen in Bonn
Das Steinmann-Institut der Universität Bonn hat mittlerweile zusammen mit dem Geologischen Dienst NRW, Krefeld, und dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, Hannover, Forschungsmittel für die Bohrung für das Jahr 2011 zugesprochen bekommen. Wissenschaftler der drei Institutionen hatten gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Bayreuth, Braunschweig, Bremen und Köln einen Förderantrag für dieses Forschungsvorhaben gestellt und sich gegen mehrere Konkurrenzvorschläge durchgesetzt.

Am 23. und 24. Oktober 2009 treffen sich die beteiligten Wissenschaftler zu einem Workshop im Bonner Steinmann-Institut, um die Arbeitsabläufe für dieses Forschungsprojekt genauer abzustimmen.
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