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Dienstag, 23.05.2017
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Flüssiges Erdgas soll Öl ersetzen

Tiefkühlung auf minus 162 Grad Celsius sorgt für Verflüssigung

Weil Öl immer teurer und irgendwann auch knapp wird, wachsen die Bemühungen um einen weltweiten Gasmarkt. Unabhängigkeit von der Pipeline und eine Flexibilisierung des Handels verspricht ein Comeback der Technologie "Liquefied Natural Gas".
Die Ruhrgas, Tochter des Energieversorgers E.On, plant den Bau des ersten deutschen Terminals für Flüssigerdgas in Wilhelmshaven. "Wir stehen in Kontakt mit potenziellen Lieferanten", sagte der Leiter der Terminal-Projektgesellschaft, Eberhard Lange, dem Magazin. Sobald ein Liefervertrag unterzeichnet sei, werde mit dem Bau begonnen. Die nötige Genehmigung dafür liegt bereits seit den 80er Jahren vor. Damals wurde das Projekt wegen gescheiterter Verhandlungen mit Algerien und Nigeria nicht weiter verfolgt.

Zur Gewinnung von Liquefied Natural Gas (LNG) wird Erdgas in Kühlanlagen an den Küsten der Gasexporteure durch Tiefkühlung auf minus 162 Grad Celsius verflüssigt. Das Volumen schrumpft dabei ohne erhöhten Druck auf ein Sechshundertstel. Das LNG wird in doppelwandigen Tankern an die Küsten der Industrieländer verschifft, wo es wieder verdampft und in Pipelines gespeist wird. Derzeit wird Erdgas meist durch Pipelines geleitet, was nur über vergleichsweise kurze Distanzen möglich ist und für einen zersplitterten Markt gesorgt hat.

Mit dem Bau der Anlage in Wilhemshaven läge Ruhrgas im weltweiten Trend: Ein Konsortium um Shell baut für die Rekordsumme von zehn Milliarden Dollar eine Ölförderungs- und LNG-Anlage in Sachalin, einer Insel vor der Ostküste Russlands. ExxonMobil ist am Bau von zwei Terminals in Katar beteiligt, die zusammen 15 Millionen Tonnen LNG pro Jahr umschlagen sollen, und plant außerdem einen weiteren LNG-Hafen am Golf von Mexiko. Schon heute sind 155 LNG-Tanker auf den Weltmeeren unterwegs, 55 weitere im Bau.


Vor allem in den USA steht die Bevölkerung dem Bau neuer Häfen skeptisch gegenüber. Das flüssige Gas ist geruchlos, farblos, ungiftig und in flüssigem Zustand nicht explosiv. Bei einem Tankerunglück würde LNG auf dem Wasser schwimmen und verdampfen, dann allerdings als aggressives Treibhausgas wirken. Gefährlich sind vor allem kleine Lecks: Ein Gas-Luft-Gemisch explodiert beim kleinsten Funken.

Kritiker warnen zudem vor Terroranschlägen oder Unfällen mit verheerenden Auswirkungen und mahnen, dass die Erdgasreserven zwar länger reichen als die Ölbestände, aber letztlich auch begrenzt sind. Denn bei Erdöl versiegen die Quellen allmählich, bei Erdgas ist mit der Förderung unvermittelt Schluss - nicht selten schneller als vorhergesagt.

Das Technologiemagazin Technology Review berichtet in seiner neuen Ausgabe über das Thema.
(ots, Technology Review, 23.06.2004 - DLO)
 
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