Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Fehlendes Pheromon macht Fruchtfliegen unwiderstehlich
Ein einzelner Botenstoff reguliert Barriere der sexuellen Identität und Art bei Fruchtfliegen
Um Fruchtfliegen beider Geschlechter unwiderstehlich für männliche Artgenossen zu machen, reicht es aus, nur ein einziges Pheromon auszuschalten. Der fehlende Botenstoff lässt zudem auch die Artschranken fallen und macht die so behandelten Tiere hyperattraktiv auch für artfremde Männchen. Die jetzt in „Nature“ veröffentlichte Studie gibt damit neue Einblicke in die Rolle der chemischen Botenstoffe für die Geschlechts- und Arterkennung.

Fruchtfliege Drosophila
Fruchtfliege Drosophila
© USDA
Eigentlich gelten Pheromone als die Lockstoffe schlechthin: Diese chemischen Botenstoffe sorgen für die Kommunikation zwischen Arten oder aber zwischen den Geschlechtern. Als Sexualpheromone verraten sie beispielsweise nahenden Männchen, wo ein Weibchen ist und ob es gerade empfängnisbereit ist. Aber es geht offenbar auch ganz ohne, wie ein französisch-kanadisches Forscherteam entdeckte.

Pheromon-Zellen zerstört
Joel Levine von der Universität von Toronto und Nicolas Gompel vom Entwicklungsbiologischen Institut im französischen Marseille führten in Versuche an der Fruchtfliege Drosophila melanogaster durch, bei denen sie gentechnisch Pheromon-produzierende Zellen in der Kutikula der Tiere zerstörten. Diese so genannte Oenozyten sind für die normale chemische Kommunikation der Fruchtfliegen entscheidend.

Fehlende Pheromone lassen alle Barrieren fallen
Zum großen Erstaunen der Forscher wurden die solchermaßen ihrer Pheromone beraubten Tiere jedoch keineswegs von ihren Artgenossen ignoriert – ganz im Gegenteil: Sowohl die Männchen als auch die Weibchen ohne den normalen Duft übten stattdessen eine offenbar geradezu unwiderstehliche Anziehungskraft auf männliche Fliegen aus. Sogar Männchen anderer Fruchtfliegenarten wurden von den hyperattraktiven Versuchsfliegen beider Geschlechter angelockt.

Ein Pheromon ausschlaggebend für sexuelle Identität
Nach Ansicht der Wissenschaftler belegt dies, dass schon ein einzelnes Pheromon bei den Fruchtfliegen offenbar ausreicht, um die sexuelle Identität der Tiere an Artgenossen zu kommunizieren. Fehlt es, dann fallen auch alle Barrieren, die sonst die Paarung zwischen verschiedenen Arten verhindern. In weiteren Versuchen gelang Levine und Co. auch der umgekehrte Fall: Wenn sie die Oenozyten-losen Fliegen mit einem synthetischen Pheromon versahen, dann sank deren Attraktivität wieder auf das normale Maß ab. Auch die artfremden Fliegenmännchen zeigten dann kein Interesse mehr.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Pheromone, Artschranke, Paarung, Fruchtfliegen, Geschlecht, sexuelle Identität, Duftstoff, Barriere, Biologie, Drosophila, Partnerwahl, Attraktivität
Weitere News zum Thema
Frösche erkennen sich am Geruch (25.01.2012)
Makrolide als flüchtige Pheromone der Tiere
Wespen: Lockstoffe reichen für „One-Night-Stand“ (21.10.2010)
Forscher klären Sexualverhalten von Nasonia vitripennis auf
Maiszünsler: mutiertes Enzym leitet Artbildung ein (01.07.2010)
Veränderungen eines Enzyms verändern Sexuallockstoffe und blockieren Kreuzungen zwischen Rassen
Spinnen-„Parfum“ entschlüsselt (16.02.2010)
Sexualpheromon der Wespenspinne identifziert und nachgebaut
Wie Düfte Partner anlocken (24.11.2009)
Forscher legen neue Erkenntnisse zur Pheromonkommunikation bei Säugetieren vor
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Partnerwahl
Zwischen Intuition und Kalkül
Schönheit
Symmetrie, Kindchenschema und Proportionen
Die Macht der Hormone
Alleskönner, Jungbrunnen und Liebestrank?
Duft
Von der Nase ins Gehirn
Tausendfache Geruchsfänger
Wie das Riechsystem Informationen verarbeitet
Symmetrie
Geheimnisvolle Formensprache der Natur
News des Tages
Fehlendes Pheromon macht Fruchtfliegen unwiderstehlich
Monopole als magnetisches Äquivalent zu Elektronen belegt
Verschränkte Elektronen im Festkörper getrennt
Frauen und Männer weinen anders - aber warum?
Wie aggressive Zellen in das Gehirn eindringen
Resistenzbildung bei Malaria aufgeklärt
Aus flüssig mach‘ Graphen
Bücher zum Thema
Das Maiglöckchen-Phänomen
Alles über das Riechen und wie es unser Leben bestimmt von Hanns Hatt und Regine Dee
Verborgene Welten
Das geheime Leben der Insekten von David Attenborough
Blutsauger, Staatsgründer, Seiden- fabrikanten
von May R. Berenbaum
Brainsex - Warum wir uns verlieben
DVD
Top-Clicks der Woche
1. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
2. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes