Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 21.03.2010
Indien: Gentech-Baumwolle verringert Armut
Forscher weisen finanziellen Nutzen von schädlingsresistenter Baumwolle nach
Der Nutzen von gentechnisch verändertem Saatgut wird in Deutschland und Europa kontrovers diskutiert. In Indien dagegen trägt gentechnisch veränderte und daher schädlingsresistente Baumwolle offenbar entscheidend zur Armutsminderung bei. Dies haben Göttinger Wissenschaftler in einer neuen Studie gezeigt, über die sie in der Fachzeitschrift „Nature Biotechnology“ berichten.

Baumwoll-Pflanzen
Baumwoll-Pflanzen
© David Nance / USDA Baumwoll-Pflanzen
Danach ist es möglich, mithilfe der so genannten Bt-Baumwolle das Einkommen vieler ländlicher Haushalte beträchtlich zu steigern. Bei der Bt-Baumwolle wurde ein Gen des Bakterium Bacillus thuringiensis eingefügt. Es produziert ein Gift gegen Fraßschädlinge, das jedoch als unschädlich für Menschen gilt.

Weniger Pestizide, größere Ernten
„In den vergangenen Jahren haben zahlreiche unabhängige Studien gezeigt, dass insektenresistente Pflanzen mit eingebauten Bt-Genen den chemischen Pestizid-Einsatz erheblich reduzieren und gleichzeitig die Erntemengen steigern, vor allem auch bei Kleinbauern in einigen Entwicklungsländern“, so Professor Matin Qaim von der Universität Göttingen.

Wissenschaftliche Publikationen hätten sich bisher vor allem auf die unmittelbaren Auswirkungen auf dem Feld konzentriert. Die nun von dem Forscherteam vorgelegte Studie berücksichtigt auch soziale und wirtschaftliche Aspekte. Bt-Baumwolle wurde 2002 in Indien kommerzialisiert und 2008 von mehr als fünf Millionen Kleinbauern angebaut.

Mehrere repräsentative Umfragen ergaben, dass Kleinbauern, die Bt-Baumwolle nutzen, im Schnitt 41 Prozent weniger Pestizide benötigen und 37 Prozent höhere Ernteerträge erzielen. Finanziell bedeutet das einen Mehrgewinn von 135 Dollar pro Hektar.

Eine Millliarde Dollar Gewinn
Für die 7,6 Millionen Hektar Bt-Baumwolle in Indien ergibt es insgesamt zusätzlich eine Millliarde Dollar direkten Gewinn für die Bauern. Der indirekte Gewinn berücksichtigt darüber hinaus das Mehreinkommen für die von der Baumwollproduktion abhängigen Landarbeiter sowie für die Beschäftigten in anderen Sektoren wie Transport und Handel.

Zudem fließt in die Berechnung der mit dem höheren Einkommen zusammenhängende Schub für andere lokale Branchen ein. Direkter und indirekter Gewinn zusammen belaufen sich in Indien auf 1,87 Milliarden Dollar pro Jahr, so die Forscher. 60 Prozent dieser Einkommenssteigerung entfällt auf Haushalte unterhalb der Armutsgrenze, für die sich die Lebenssituation entscheidend verbessert. Von den positiven Beschäftigungseffekten, insbesondere für Frauen, profitieren auch Haushalte von Landarbeitern.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Baumwolle, Pflanzen, Gentechnik, Natur, Landwirtschaft, Armut, Indien, Überbevölkerung, Hunger
Weitere News zum Thema
Weltwasserwoche 2009: Weltweite Wasserkrise verschärft sich (17.08.2009)
Klimawandel und Globalisierung: Wasservorkommen geraten zunehmend unter Druck
25 Badewannenfüllungen pro Tag und Kopf (04.08.2009)
Deutschlands „Wasser-Fußabdruck“ entspricht dreifachem Bodenseevolumen
Textilien als Therapeuten (04.06.2009)
Forscher entwickeln Stickoxid abgebende Materialien für medizinische Anwendungen
Peru: Bewässerung machte Flussoasen fruchtbar (15.10.2008)
Geographen erforschen Entwicklung der Kulturlandschaft im Palpa-Tal im Süden Perus
Eine Landkarte für Pflanzengifte (09.04.2008)
Forscher ermitteln Verteilung von natürlichen Giftstoffen innerhalb eines Blattes
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
DNS-Scanner
Genetik
Dossiers zum Thema
Alles öko, oder was?
Landwirtschaft im Wandel
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
DNS-Scanner
Gencheck mit Terahertz-Strahlung
Wegen Überfüllung geschlossen?
Indien zwischen Bevölkerungsexplosion und Wirtschaftswunder
Chemische Keule und betörender Duft
Verteidigungsstrategien von Pflanzen
Bevölkerungsexplosion
Wie viele Menschen kann die Erde noch tragen?
Genpatente
Wem gehört das Leben?
News des Tages
Geologisches Rätsel des Sichuan-Bebens gelöst
„Zeit-Teleskop” beschleunigt Datenübertragung um das 27-fache
850 neue Tierarten unter dem australischen Outback entdeckt
Indien: Gentech-Baumwolle verringert Armut
Unfälle bringen Wasser in Gefahr
Wendelstein 7-X: Fusionsfeuer rückt näher
Legasthenie-Gen identifiziert
Bücher zum Thema
Gentechnik bei Pflanzen
von Frank Kempken, Renate Kempken und Kerstin Stockmeyer
Ingenieure des Lebens
DNA-Moleküle und Gentechniker von Huub Schellekens und Marian C Horzinek (Übersetzer)
Die Genomfalle
Versprechungen der Gentechnik, ihre Nebenwirkungen und Folgen von Ursel Fuchs
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Nahrungsmittel- Allergien
Ratgeber von Claudia Thiel
Top-Clicks der Woche
1. Licht verbiegt Materie
2. Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
3. Super-Supernova: Weißer Zwerg sprengt Massegrenze
4. „Stein von Rosetta“ der Exoplaneten gefunden
5. Neuer langlebigerer Akku für mobile Geräte