Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Evolution ist eine Einbahnstraße
Es gibt auch bei Biomolekülen keine Rückkehr zu alten Formen
Kann die Evolution einmal gemachte Veränderungen zurücknehmen, ihren Lauf quasi umkehren, wenn die Umweltverhältnisse es erfordern? Offenbar nicht, wie eine neue „Nature“-Studie jetzt zeigt. Demnach ist die Evolution selbst im Reich der Biomoleküle eine Einbahnstraße, die keine Rückschritte erlaubt.

Evolution ihren Lauf nicht umkehren
Evolution ihren Lauf nicht umkehren
© gemeinfrei Evolution ihren Lauf nicht umkehren
Die Evolution, angetrieben durch Selektion und Mutationen, steht nie still. Ähnlich einem Hamster im Laufrad sorgen Umwelteinflüsse ständig dafür, dass sich Spezies verändern. Aber in welche Richtung gehen diese Veränderungen? Kann es auch eine Rückentwicklung zu alten, bereits „überholten“ Strukturen geben? Nach Ansicht der meisten Evolutionsforscher lautet die Antwort auf diese Frage nein. Selbst scheinbar rückentwickelte Lebensformen wie im Darm lebende Parasiten sind spezielle, vorwärts gewandte Anpassungen, kein Rückgriff auf primitive Typen. Aber gibt es nicht vielleicht doch Ausnahmen?

Kann ein Rezeptor noch „zurück?“
Joe Thornton und seine Kollegen vom Howard Hughes Medical Institute der Universität von Oregon haben untersucht, ob ein solcher Rückschritt vielleicht im kleinsten Maßstab, im Bereich der Biomoleküle möglich ist. Sie rekonstruierten alte Formen eines regulatorischen Proteins, des Glucocorticoid-Rezeptors, und kartierten die evolutionären Veränderungen, die zur heutigen Form des Proteins geführt haben. Die Forscher analysierten dann, wie sich die Funktion des Rezeptors im Laufe der Zeit verändert hatte, welche Hormone er damals und heute bindet und ob dies reversibel wäre.

Aminosäuren als „Widerhaken“
Die Auswertung ergab, dass ein „Rückbau” zur alten Funktion durch einfaches Wiedereinbauen der alten Aminosäuren nicht möglich wäre. Denn auch diese haben im Laufe der Zeit Veränderungen angesammelt, die nun wie eine Art Widerhaken wirken: Sie blockieren den evolutionären Weg zurück und verhindern eine Rückkehr zum historischen Zustand.

Nach Ansicht der Autoren deutet dies darauf hin, dass auch die molekulare Evolution nicht reversibel ist. Sie zwingt die natürliche Selektion auch in diesem Bereich vorwärts, selbst wenn der Druck durch die Umweltbedingungen eher einen Rückschritt zu favorisieren scheint.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Evolution, Biomoleküle, Selektion, Mutationen, Parasiten, DNA, Erbgut, Hormone, Umwelt
Weitere News zum Thema
Auch Zwerggalaxien sind Kannibalen (09.02.2012)
Astronomen beobachten, wie sich ein kleines Milchstraßensystem ein noch kleineres einverleibt
Spinnen: Mehr Nachwuchs durch Selbst-Kastration (01.02.2012)
Abgebrochenes Paarungsorgan überträgt mehr Spermien
In 24 Millionen Generationen von der Maus zum Elefanten (31.01.2012)
Forscher ermitteln maximale Wachstumsrate der Evolution bei Säugetieren
Älteste Dino-Kinderstube entdeckt (25.01.2012)
190 Millionen Jahre alte Eier und Jungtiere geben einzigartigen Einblick in das Fortpflanzungsverhalten
Frösche erkennen sich am Geruch (25.01.2012)
Makrolide als flüchtige Pheromone der Tiere
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Darwins Vermächtnis
DNS-Scanner
Genetik
Dossiers zum Thema
Eine Erde voller Arten
Darwins Vermächtnis in der heutigen Evolutionsbiologie
Gott oder Darwin?
Der Kreationismus auf dem Vormarsch
Charles Darwin
Leben ist Veränderung
Gene auf Wanderschaft
Was verrät unser Erbgut über die Migration des Menschen?
Unfälle der Evolution
...oder doch geniale Anpassungsstrategien?
Landbrücken
Evolution auf Wanderschaft
Die Grammatik des Lebens
Wie fügt die Natur einzelne Teile zum Großen Ganzen?
Sprungbrett der Evolution
Was Hohltiere vom Werden der Menschen verraten
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
News des Tages
Klimawandel fördert neuen El Niño-Typ
Evolution ist eine Einbahnstraße
Steinzeit: Mensch nicht schuld an CO2-Anstieg
La-Ola-Welle in Nanomagneten entdeckt
Forscher realisieren atomaren Schalter
Eiweißhülle als Tarnkappe für Schimmelpilze
Die kleinsten Stadtmusikanten der Welt in 3D
Bücher zum Thema
Die Macht der Gene
Schön wie Monroe, schlau wie Einstein von Markus Hengstschläger
Die neue Welt der Gene
Visionen - Rätsel - Grenzen von Joachim Bublath
Abenteuer Evolution
Die Ursprünge des Lebens von Walter Kleesattel
Das ist Evolution
von Ernst Mayr
Gipfel des Unwahrscheinlichen
Wunder der Evolution von Richard Dawkins
Tierisch!
Expedition an den Rand der Schöpfung von Dirk Steffens
Was treibt das Leben an?
Eine Reise in den Mikrokosmus der Zelle von Stephan Berry
Lehrbuch der Molekularen Zellbiologie
von Lutz Nover und Pascal von Koskull-Döring
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes