Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Neuer Solarzellen-Typ bringt höheren Wirkungsgrad
Prototypen von n-Typ Silizium-Solarzellen erfolgreich getestet
Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Silizium- Solarzellen künftig deutlich höhere Wirkungsgrade erreichen könnten. Sie nutzen dafür eine andere Dotierung als normalerweise gebräuchlich. Damit werden Photovoltaikerträge auch für kommerzielle Solarzellen möglich. Der Prototyp erreichte über 23 Prozent Wirkungsgrad.

Solarzellen
Solarzellen
© DOE
Silizium-Solarzellen bestehen aus zwei unterschiedlich dicken Bereichen, die sich in der Leitfähigkeit unterscheiden: n steht für negativ, p für positiv. Der dickere Bereich, das Substratmaterial, wird als Basis bezeichnet und gibt der Zelle den Namen, zum Beispiel p-Typ bei herkömmlichen Solarzellen. Sie
haben eine p-leitende Basis und eine dünne n-leitende Schicht, den Ladungsträger sammelnden Emitter. Bei n-Typ Solarzellen ist der Emitter also p-dotiert, was entweder durch eine Bor-Diffusion oder eine Einlegierung von Aluminium erreicht werden kann.

Andere Dotierung als üblich
Schon seit geraumer Zeit wird mit n-Typ Silizium als Basismaterial experimentiert. Doch die Fertigungstechnik war bisher sehr aufwändig.Das Hauptproblem für die Umsetzung von n-Typ Solarzellen, bei denen sich der Emitter auf der lichtzugewandten Seite befindet, war bisher die
Passivierung dieses meist Bor-dotierten Emitters. Sie erzeugt eine nichtmetallische Schutzschicht über der Zelle. Mit konventionellen Schichten wie Siliziumoxid SiO2 oder Siliziumnitrid SiNx ist eine optimale Passivierung solcher Oberflächen nicht zu erreichen.

23,4 ProzentWirkungsgrad
Jan Benick von Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ist es nun gelungen, mit einem speziell für die n-Typ Zelle entwickelten Hocheffizienz-Zellprozess, der die Bor-Diffusion zur Emitterherstellung nutzt, 23,4 Prozent Wirkungsgrad auf 2x2 Quadratzentimeter zu erreichen. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Eindhoven erhielten diese Zelle Aluminiumoxid Al2O3 als Vorderseitenpassivierung. Das ist der höchste Wirkungsgrad, der bisher für diesen Zelltyp erreicht wurde. Mit deutlich einfacheren, industrienahen Prozessschritten und der Verwendung eines Siebdruck-Prozesses zur Erzeugung des einlegierten Aluminium-Emitters, erreichte sein Kollege Christian Schmiga immerhin bereits 18,2 Prozent Wirkungsgrad auf 12,5 x 12,5 Quadratzentimeter.

Bessere Toleranz gegenüber Verunreinigungen
„Die meisten kommerziellen Silizium-Solarzellen haben heutzutage eine p-Typ Basis", beschreibt Gruppenleiter Martin Hermle vom Fraunhofer ISE den Unterschied zum Stand der Technik. "Doch das für die am ISE entwickelten neuartigen Solarzellstrukturen verwendete n-Typ Silizium hat für die photovoltaische Stromgewinnung günstigere Eigenschaften wie eine hohe Toleranz gegenüber den meisten Verunreinigungen. Für die Praxis bedeutet das entweder eine höhere Effizienz oder geringere Herstellungskosten, da man mit preisgünstigem Silizium arbeiten kann". Hinzu kommt, dass vor allem p-Type Czochralski (Cz) Silizium unter der lichtinduzierten Degradation leidet, ein Effekt der bei der Verwendung von n-Typ Silizium nicht auftritt.

Am Fraunhofer ISE wird nun konsequent an der Weiterentwicklung der Prozesstechnologie für n-Typ Solarzellen gearbeitet, damit eine industriell umsetzbare Silizium-Solarzelle mit Wirkungsgraden über 20Prozent rasch realisiert werden kann.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Solarzelle, Wirkungsgrad, Silizium, Dotierung, Photovoltaik, Sonnenenergie, Technik, n-Typ, Siliziumsolarzelle, Energie, erneuerbare Energien
Weitere News zum Thema
Solarhelm liefert Strom beim Skifahren (24.01.2012)
Forschern gelingt Anpassung von dreidimensionalen Solarmodulen an die gekrümmte Fläche
Forscher bauen Smiley aus Nanodrähten (20.12.2011)
Neue Methode zur Herstellung von Silizium-Fädchen entwickelt
„Lebensdauer“ von Elektronen in Graphen bestimmt (02.12.2011)
Forscher legen neue Erkenntnisse zu den grundlegenden physikalischen Eigenschaften des Materials vor
Nanoröhrchen „stehlen“ Grünalgen Licht (07.11.2011)
Forscher untersuchen Auswirkungen von Nanopartikeln auf Ökosysteme in Gewässern
Forscher beobachten Elektronen im Molekül (18.10.2011)
Neue Erkenntnisse könnten Solarzellen effektiver machen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Desertec
Ökostrom
Solarenergie
Dossiers zum Thema
Operation Wüstenstrom
Der Streit um das Solarprojekt Desertec
Solarenergie
Das Öl der Zukunft
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
Wie grün ist der „grüne“ Strom?
Ein ökologisches Vorzeigeprodukt in der Diskussion
News des Tages
Das Quartär beginnt jetzt 800.00 Jahre früher
Saturnringe sind buckelig
Erstes Bose-Einstein-Kondensat aus Calciumatomen
Pilz verursacht weltweites Amphibiensterben
Neuer Solarzellen-Typ bringt höheren Wirkungsgrad
Molekül steuert Verzweigung von Nervenbahnen
Rechtwinklige Dreiecke billionenfach
Bücher zum Thema
Sonnige Aussichten
Wie Klimaschutz zum Gewinn für alle wird von Franz Alt
Erneuerbare Energie
von Thomas Bührke und Roland Wengenmayr
Öko
Al Gore, der neue Kühlschrank und ich von Peter Unfried
50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten...
von Andreas Schlumberger
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes