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Freitag, 10.02.2012
Erste Radarkarte des Titan enthüllt Nord-Südunterschiede
Daten zeigen Canyons am Äquator und reich verzweigte Flusstäler am Nordpol
Der Saturnmond Titan ist permanent von dichten Wolken verhüllt, nur Radar dringt hindurch. Jetzt hat ein deutsches Forscherteam erstmals eine Radarkarte aus den Daten der Cassini-Sonde erstellt, die erste Erkenntnisse zur Form, Häufigkeit und Herkunft von Tälern auf dem Saturnmond liefert. Sie enthüllt deutliche Unterschiede zwischen der Äquator und der Nordpolregion.

Titan
Titan
© NASA/JPL/Space Science Institute Titan
Der Titan ist neben der Erde der einzige Körper im Sonnensystem, auf dem Flüssigkeiten direkt nachgewiesen werden konnten. Wegen seiner ungewöhnlich dichten Atmosphäre und der bei nur -179 Grad Celsius darin ablaufenden chemischen Prozesse ist der zweitgrößte Mond des Sonnensystems für die Planetenforschung von besonderem Interesse. Bisher allerdings gab es nur wenige Daten über die Oberflächenbeschaffenheit des permanent von einer dichten Stickstoffatmosphäre eingehüllten Mondes. Erst jetzt füllt sich dieses „Datenpuzzle“ allmählich durch immer mehr Titan-Vorbeiflüge der NASA-Raumsonde Cassini.

Erste Radarkarte des Saturnmonds
Jetzt hat ein deutsches Wissenschaftlerteam um Mirjam Langhans vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine globale Titan-Karte erstellt, die alle Radarmessungen in einer exakten kartographischen Darstellung zusammenführt. Sie präsentieren sie am 16. September 2009 auf der European Planetary Science Conference in Potsdam.

Die Karte eröffnet erstmals eine globale Perspektive auf die Vorkommen flüssiger Kohlenwasserstoffe wie Methan oder Ethan und der von ihnen hervorgerufenen verschiedenen kanal- und talförmigen Erosionsformen. In der Radarkarte sind Details der Titanoberfläche von bis zu 300 Metern Größe erkennbar.

Canyons am Äquator
Ein breites Band um den Titan-Äquator wurde zudem mit Daten des nahen Infrarots erfasst, die mit dem Spektrometer VIMS (Visual and Infrared Mapping Spectrometer) an Bord von Cassini in einer Auflösung von mehreren 100 Metern pro Pixel aufgenommen wurden. Auf diesem „Äquatorband“ lassen sich große helle „Kontinent“-Flächen und weitläufige Dünenregionen unterscheiden.

Besonders interessant sind dabei auf den „Kontinent“-Flächen liegende dunkle Bereiche, von denen vermutet wird, dass es sich um Flüssigkeitsablagerungen handelt. Im Radar offenbart sich zudem ein präzises Bild der zugehörigen Kanäle. Am Äquator sind diese canyonförmig, „trocken“ und weit verteilt.

Flusstäler in der Nordpolregion des Titan
Flusstäler in der Nordpolregion des Titan
© Cassini Radar Team, ESA, NASA/JPL Flusstäler in der Nordpolregion des Titan
Verzweigte “Flusssysteme am Nordpol
Viel reichhaltiger ist dagegen das Bild am Nordpol. Hier gibt es ein dichtes Netz verzweigter, aktiver Flusssysteme ähnlich denen auf der Erde. Diese zeigen sich bis in feine Verästelungen auf den Radarbildern und münden in eine Vielzahl von Seen. Am Südpol finden sich dagegen kaum Kanäle.

„Die weit verbreiteten Flussstrukturen am Nordpol haben uns zu einer faszinierenden Schlussfolgerung geführt: Es muss dort reichhaltigen, regelmäßigen Regen flüssiger Kohlenwasserstoffe geben. Die vermessenen Kanäle liefern darüber hinaus erste Erkenntnisse über die Zusammensetzung und das relative Alter verschiedener Titan-Regionen“, sagt Langhans.
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