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Samstag, 11.02.2012
Großkatzen: Tiger haben das größte Gehirn
Theorie der sozialen Lebensweise als „Anschub“ für größere Gehirne widerlegt
Tiger haben ein größeres Gehirn als Löwen, Leoparden und Jaguare. Das hat eine Studie britischer Forscher ergeben. Damit widerlegen sie die Theorie, nach der eine soziale Lebensweise wie beispielsweise der Löwen, das Gehirnwachstum fördert. Das größere Schädelvolumen der einzelgängerischen Tiger bleibt auch dann deutlich, wenn die unterschiedlichen Körpergrößen der Tiere berücksichtigt werden.

Sumatra-Tiger
Sumatra-Tiger
© Monika Betley/GFDL Sumatra-Tiger
Haben sozial lebende Tierarten generell ein größeres Gehirn als Einzelgänger? Einige Forscher vertreten diese Ansicht. Denn, so die Theorie, die komplexen Interaktionen innerhalb einer Gruppe oder eines Rudels stellt deutlich größere Anforderungen an die Gehirnleistungen als das Umherstreifen als Einzeltier. Tatsächlich existieren einige Studien, die einen solchen Zusammenhang zwischen Gruppenleben und größeren Gehirnen bei Säugetieren andeuten, Belege dafür gibt es allerdings nicht. Aber stimmt die Annahme überhaupt?

Schädel innen und außen vermessen
Genau das haben jetzt Wissenschaftler der Wildtierforschungseinheit der Oxford Universität jetzt an einem Beispiel, den Großkatzen, überprüft. Wenn die Theorie wahr wäre, müssten die in sozialen Gruppen lebenden Löwen, generell größere Gehirne haben als die einzelgängerisch lebenden Tiger. Um dies zu testen, untersuchten die Forscher das Verhältnis zwischen der Schädelgröße – ermittelt über die Strecke zwischen Vorder- und Rückseite des Schädels – und dem Volumen im Inneren der Schädel. Die Messungen führten sie an einer großen Stichprobe von in Museen konservierten Schädeln von Tigern, Löwen, Leoparden und Jaguaren durch.

Einzelgänger mit größtem Schädelvolumen
Das Ergebnis – veröffentlicht jetzt im „Biological Journal of the Linnean Society“ - war überraschend: „Was wir nicht erwartet hatten war, dass der Tiger eindeutig ein größeres Gehirn hat als die drei anderen Arten, die etwa gleichauf liegen“, erklärt Nobby Yamaguchi, Hauptautor der Studie. „Wenn wir die beiden größten Arten vergleichen, hat der Löwe im Durchschnitt den größeren Schädel – basierend auf der Schädellänge - als der Tiger. Doch der Tiger hat das größere Schädelvolumen. Es ist wirklich erstaunlich, dass die kleinen Schädel der balinesischen Tigerweibchen Volumen beinhalten, die so groß sind, wie die eines großen, ausgewachsenen südafrikanischen Löwenmännchens.“

„Diese Ergebnisse deuten sehr stark darauf hin, dass es keinen nachweisbaren positiven Zusammenhang zwischen der sozialen Lebensweise und der Gehirngröße bei diesen vier Großkatzenarten gibt, die vor rund 3,7 Millionen Jahren aus einem gemeinsamen Vorfahren hervorgingen.“

Körpergröße spielt keine Rolle
Die Wissenschaftler überprüften auch eine weitere populäre Annahme, nach der die Tiger ja größer seien als Löwen und damit das größere Gehirn nur den insgesamt größeren Körper reflektiere. Tatsächlich ergab eine neue Analyse von Original-Felddaten und dokumentierten Jagden keine Bestätigung dieser Theorie. Auch unter Einbeziehung möglicher Größenunterschiede besitzen die Tiger ein relativ größeres Gehirn als die Löwen – immerhin rund 16 Prozent, wie die Forscher ermittelten.

Als nächstes wollen die Forscher die Ursache dieser Unterschiede herausfinden. Die Frage dabei ist, ob hier der Zufall oder eine gezielte Selektion im Spiel waren. Wenn letzteres der Fall sein sollte, dann schließt sich gleich die nächste Frage nach dem Warum an. Die Wissenschaftler erhoffen sich Aufschlüsse darüber in einer genaueren anatomischen Untersuchung, die zeigt, welche Gehirnbereiche beim Tiger vergrößert sind. Auch Vergleiche mit ausgestorbenen Verwandten der heutigen Großkatzen sowie weiteren rezenten Vertretern sollen hier Aufschluss bringen.
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