Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Neue Klasse von reinen Gammastrahlen-Pulsaren entdeckt
Kosmische Leuchttürme senden breit gestreute Gammastrahlen statt eng fokussierter Radiopulse
Mithilfe des Gammastrahlen-Observatoriums Fermi haben Astronomen mehr als ein Dutzend Pulsare neuen Typs entdeckt. Die schnell rotierenden Neutronensterne senden statt eng fokussierten Radiopulsen Schübe von energiereichen, breiter gestreuten Gammastrahlen aus, wie ein internationales Forscherteam in „Science Express“ berichtet. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Erforschung dieser kosmischen Phänomene. Schon jetzt konnten einige alte Theorien widerlegt werden.

Neue Klasse von Gammastrahlen-Pulsaren
Neue Klasse von Gammastrahlen-Pulsaren
© NASA / Fermi / Cruz deWilde
Pulsare sind schnell rotierende stark magnetisierte Neutronensterne, die Strahlung quer durch das elektromagnetische Spektrum aussenden. Bisher wurden sie vor allem mithilfe von Radioteleskopen entdeckt. Der Nachteil dabei: Der Radiostrahl dieser Pulsare ist scharf gebündelt. Wie ein Leuchtturm durchstreicht er das All und kann nur dann detektiert werden, wenn er bei seinem Umlauf zufällig genau die Erde trifft. Jetzt hat das Gammastrahlenobservatorium Fermi erstmals Pulsare auch anhand ihrer Gammastrahlung geortet und damit neue Möglichkeiten der Erforschung dieser Phänomene eröffnet.

Fermi entdeckt neue Gammastrahlenquellen
Das in der Erdumlaufbahn kreisende Gammastrahlen-Observatorium Fermi mit seinem Large Area Telecope (LAT) registriert hochenergetische Photonen von Energien zwischen 20 Megaelektronenvolt und 300 Gigaelektronenvolt. Diese Teilchen sind damit millionen- bis milliardenfach energiereicher als die Komponenten des für uns sichtbaren Lichts. In den Beobachtungsdaten aus fünf Monaten über diese Frequenzbereiche suchten die Astronomen mit Hilfe neuer Auswertungssoftware gezielt nach periodisch sich wiederholenden Gammastrahlenschüben – und wurden fündig.

Sie entdeckten zwölf neue pulsierende Gammaquellen, die sich als Pulsare mit Rotationsperioden von 48 bis 444 Millisekunden entpuppten. „Wir kennen 1.800 Pulsare, aber bis Fermi konnten wir nur winzige Energieblitze von einigen von ihnen auffangen, erklärt Roger Romani von der Stanford Universität. „Jetzt sehen wir für Dutzende von Pulsaren die tatsächliche Kraft dieser kosmischen Maschinen.“

Zwölf neue Pulsare
Zwölf neue Pulsare
© NASA / Fermi / LAT Collaboration Zwölf neue Pulsare
Breites Emissionsfeld statt enger Strahl
Im Gegensatz zu den Radiopulsaren ist die Gammastrahlung der neuen Pulsare weniger stark gebündelt. Die Wahrscheinlichkeit, einen solchen Strahl von der Erde aus einzufangen, ist somit weitaus größer. Die neuen Pulsare tragen daher dazu bei, die Geometrie der Emissionen von Pulsaren besser erforschen zu können und liefern auch wertvolle Informationen über die Verteilung und den Aufbau dieser kosmischen Leuchtfeuer. Zudem konnte eine ganze Reihe von bisher unidentifizierten Gammastrahlenquellen in unserer Galaxie nun als Pulsar bestimmt werden.

Strahlenpulse nicht an den Polen sondern im Magnetfeld produziert
„Wir dachten immer, dass die Gammastrahlen nahe der Polkappen eines Neutronensterns austreten, dort, wo sich auch die Radiostrahlen bilden“, erklärt Alice Harding vom Goddard Space Flight Center der NASA. „Die neuen reinen Gammastrahlenpulsare widerlegen diese Theorie.“

Die Astronomen gehen nun davon aus, dass die pulsierenden Gammastrahlen hoch über der Oberfläche des Neutronensterns entstehen. Dort werden Teilchen entlang der offenen Bögen des Sternenmagnetfelds beschleunigt und erzeugen so die Strahlung. Für den Vela-Pulsar, die hellste bisher bekannte Gammastrahlenquelle, liegt diese Emissionsregion rund 480 Kilometer außerhalb des nur gut 30 Kilometer großen Neutronensterns.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Gammastrahlen, Pulsare, Teleskope, All, Weltraum, Kosmos, Universum, Neutronensterne, Galxien, Licht
Weitere News zum Thema
Urzeit-Galaxien mit moderner Element- zusammensetzung entdeckt (04.11.2011)
Unerwartet viele schwere Elemente in zwölf Milliarden Jahre alten Sternansammlungen
Krebsnebel überrascht Forscher (07.10.2011)
Messwerte sind mit gängiger Theorie nicht erklärbar
Merkur: Frische Löcher und alten Vulkanismus entdeckt (30.09.2011)
Messenger-Sonde liefert neue Erkenntnisse über den sonnennächsten Planeten
Erste 3D-Bilder von Asteroid Vesta (19.07.2011)
Raumsonde Dawn hat erstes Ziel erreicht
Rätselhafte Gammastrahlung aus Kugelsternhaufen (24.06.2011)
Erster Nachweis der energiereichen Strahlung, genaue Quelle aber noch unklar
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Gamma Ray Bursts
Sterne
Sonnenforschung
Dossiers zum Thema
Nur der Urknall war stärker
Gamma Ray Bursts – das Rätsel der kosmischen Megaexplosionen
Auf der Jagd nach uraltem Licht
Gammastrahlen geben neue Einblicke ins Universum
All-Chemie mit dem Radioteleskop
Astrophysiker auf der Suche nach nach extraterrestrischen Molekülen
Big Eyes
Riesenteleskope und die letzten Rätsel im Kosmos
Superteleskope im Weltraum
Der Beginn einer neuen Ära
Von Riesen und Zwergen
Die Welt der Sterne
Die Milchstraße
Unsere chaotische Heimat
Im Kreißsaal der Sterne
Der Entstehung von Sternen auf der Spur
Magnet Erde
Kommt die große Umpolung?
News des Tages
Nanoröhrchen als Solarzelle
Neue Klasse von reinen Gammastrahlen-Pulsaren entdeckt
Tunnelbohrung in ein Salzsäure-Molekül
Kreide-Ozean drohte Erstickungstod
EU verspricht Entwicklungsländern 15 Milliarden Euro Klimahilfen
microRNAs: Protein reguliert Regulatoren
Nur keine Hemmungen?
Bücher zum Thema
Das Universum
"Die Schöpfung" und "Die Sterne"
Was zu entdecken bleibt
Über die Geheimnisse des Universums, den Ursprung des Lebens und die Zukunft der Menschheit von John R. Maddox
Der Weltraum
Planeten, Sterne, Galaxien von Heather Couper & Nigel Henbest
Das Universum in der Nußschale
von Stephen W. Hawking
Der Stoff, aus dem der Kosmos ist
von Brian Greene
Aktive Sterne
Laboratorien der solaren Astrophysik von Klaus G. Strassmeier
Das Wunder des Lichts
DVD der BBC
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes