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Dienstag, 28.03.2017
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Prostatakrebs: Protein verhindert Zelltod

Regulator für Zelltod beim Prostatakarzinom identifiziert

Jährlich sterben viele Menschen an Prostata-Krebs. Europaweit muss jeder Zehnte im Laufe seines Lebens mit dieser Erkrankung rechnen. Die genauen Ursachen für die Entstehung und Entwicklung des Prostatakarzinoms waren bisher unbekannt. Innsbrucker Wissenschaftler haben nun erstmals ein wichtiges Protein für das Wachstum von Prostata-Krebs entdeckt, über das sie in der Fachzeitschrift „Cancer Research“ berichten.
Krebszellen

Krebszellen

Der Molekular-Pathologe Professor Dr. Zoran Culig von der Innsbrucker Universitätsklinik für Urologie und sein Team erforschen als eine von wenigen Gruppen in Mitteleuropa die Signalwege, die beim Entstehen und Wachsen von Prostata-Krebs im Mikrokosmos der Zellen ablaufen.

Das Team hat nun in Zellen des Prostata-Karzinoms nachgewiesen, dass ein Schlüsselprotein den Zelltod reguliert. Dieses als „SOCS-3“ bezeichnete Protein zählt zur Klasse der „Suppressor of Cytokine Signaling“ genannten Eiweißstoffe. Wie die Forscher jetzt herausfanden, forciert dieses Schlüsselprotein das Wachstum von Prostata-Krebs dadurch, dass es den Zelltod verhindert.

„SOCS“ unterdrücken Wirkung von Zytokinen


Die kurz „SOCS“ genannten Eiweißstoffe – bisher sind sieben bekannt - unterdrücken im Körper die Wirkung von Zytokinen. Sie legen damit einen Sicherheitsmechanismus des Körpers bei der Regulierung des gesunden Gleichgewichtes von Zelltod und Zellteilung lahm. SOCS-Proteine haben in verschiedenen Tumorarten unterschiedliche Wirkungen.


„Beim Prostata-Karzinom blockiert das als ´SOCS-3` bezeichnete Protein bestimmte Botenstoffe, die Zytokine. Der Zelltod, die so genannte Apoptose, wird damit verhindert. Wird SOCS-3 jedoch durch spezifische Substanzen niederreguliert, sterben die Krebszellen ab“, erklärt Culig.

Das Innsbrucker Team hat in Zusammenarbeit mit Kollegen vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung in Wien und der Abteilung Urologie des Landeskrankenhaus Feldkirch bei seinem neuesten Experiment die Konzentration von SOCS-3 in Zellkulturen im Labor durch eine interferierende RNA - siRNA - unterdrückt, dabei kam es zu einem plötzlichen Absterben von Krebszellen.

Kommunikation des Karzinoms auf der Spur


Mit der Aufklärung der Rolle dieses Proteins haben Culig und sein Team einen neuen Signalweg entdeckt, der bei der Entstehung und dem Wachstum von Prostata-Krebs eine essenzielle Rolle spielen könnte. „Wir versuchen, die Entstehung von Krebs, damit die Kommunikation des Karzinoms von Anfang an, zu verstehen. Jene Signale, die zwischen den Zellen fehlgeleitet ablaufen, spüren wir auf. Vereinfacht erklärt, erforschen wir, was genau hinter der Entstehung und dem Voranschreiten von Prostata-Krebs auf molekularer Ebene abläuft, denn bei Krebs läuft die Fehlleitung von Signalen kaskadenartig, wie ein Wasserfall, ab“, sagt der Molekular-Pathologe.

Bald neue Therapie gegen Prostata-Krebs?


Zusätzlich zum nun erbrachten Nachweis, dass SOCS-3 das Wachstum von Prostata-Krebs forciert, hat Culigs Team bereits gezeigt, dass das als „SOCS-1“ bekannte Protein eine konträre Wirkung hat und die unkontrollierte Vermehrung kanzerogener Zellen der Vorsteherdrüse einschränken kann. Die Ergebnisse der Innsbrucker Grundlagenforschungen sind für weitere Krebsarten, wie zum Beispiel Tumore des Gehirnes und des Hodens, von Bedeutung.

Eine wichtige, übergeordnete Erkenntnis des Teams und weiterer renommierter Krebsforscher in diesem Spezialgebiet ist, dass Tumorzellen lernfähig und trickreich sind, weshalb die seit den 1960er Jahren eingesetzte Hormon-Therapie bei fortgeschrittenem Prostata-Krebs in vielen Fällen nicht mehr wirkt. Langfristiges Ziel der Innsbrucker Wissenschaftler ist daher, experimentelle Grundlagen für eine neue Therapie gegen Prostata-Krebs zu liefern.
(Medizinische Universität Innsbruck, 10.09.2009 - DLO)
 
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