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Donnerstag, 19.01.2017
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Waldböden geht es etwas besser

Einfluss des Sauren Regens auf Waldökosysteme untersucht

Der Einsatz von Anlagen zur Rauchgasentschwefelung und von Katalysatoren zur Bekämpfung des Sauren Regens hat offenbar Wirkung gezeigt. Göttinger Wissenschaftler haben jetzt in einer neuen Studie belegt, dass seit den 1990er Jahren die Schwefelbelastung der Böden von drei Buchenwäldern in Göttingen, im Solling und bei Kassel um 80 Prozent zurückgegangen ist.
Herbstlicher Buchenwald

Herbstlicher Buchenwald

Während das Kalkgestein im Göttinger Wald heute insgesamt wenig beeinträchtigt ist, hat jedoch die Säure, die im Buntsandstein des Solling gespeichert wurde, diesen Waldboden nachhaltig gestört. Die Auswertung weiterer Daten von Wäldern in ganz Deutschland ergab zudem, dass die Stickstoffeinträge den Bedarf der Wälder übersteigen, so die Forscher in der Fachzeitschrift „Ecological Studies“ des wissenschaftlichen Springer-Verlags. Dies kann zu Belastungen von Trinkwasser und der Atmosphäre führen.

Schwefel und Stickstoffdepositionen

Schwefel und Stickstoffdepositionen

Belastung des Waldökosystems niedriger als früher


Zusätzlich zu den langjährigen Messreihen werteten die Forscher der Universität Göttingen und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in ihrer sich über einen Zeitraum von 40 Jahren erstreckenden Studie das „Intensive Forest monitoring programm, Level II“ aus - eine bundesweite Erhebung über 53 Waldstandorte, an denen die Forstlichen Versuchsanstalten der Länder seit 1996 Stoffbilanzen erheben. Ein zentrales Ergebnis ihrer Analyse: Die Belastung des Waldökosystems mit Stickstoffemissionen ist zwar in den vergangenen Jahren zurückgegangen, liegt aber immer noch auf hohem Niveau.

Viele Böden mit Stickstoff gesättigt


Insbesondere die Landwirtschaft trägt nach Angaben der Wissenschaftler mit der Viehhaltung neben dem Verkehr wesentlich zur Luftverunreinigung bei. Die Speicherung des Stickstoffs im Boden hat zur Folge, dass auch Kohlenstoff vermehrt im Humus des Bodens und in den Pflanzen gebunden wird. Die Forscher nehmen deshalb an, dass viele Waldböden derzeit zur Verringerung von Kohlendioxid in der Atmosphäre beitragen.


Auf der anderen Seite zeigt die Studie aber auch, dass die Böden in knapp 30 Prozent der untersuchten Waldstandorte bereits mit Stickstoff gesättigt sind. „In diesen Wäldern wird der eingetragene Stickstoff als Nitrat ausgewaschen und belastet damit Trinkwasser und Gewässer. Oder er wird als Lachgas freigesetzt, das ein Treibhausgas mit der 320-fachen Wirkung des Kohlendioxids ist“, erläutert Rainer Brumme von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie die Folgen.

Gegen die durch Überdüngung und Säurebildung verursachten Nährstoffungleichgewichte in Pflanzen haben die Forstlichen Versuchsanstalten bereits Maßnahmen ergriffen: Die betroffenen Wälder werden seit Mitte der 80er Jahre regelmäßig gekalkt. Dies verhindert die weitere Versauerung der Böden und liefert gleichzeitig wichtige Nährstoffe wie Kalzium und Magnesium.

Stoffwechselkreisläufe im Waldökosystem

Stoffwechselkreisläufe im Waldökosystem

Waldökosystem reagiert langsam auf Veränderungen


Mit regelmäßigen Messungen konnten die Wissenschaftler bereits in den 1980er Jahren auf die steigende Belastung durch Luftschadstoffe wie Schwefel und Stickstoffoxide hinweisen und später deren Rückgang aufzeichnen. Zudem beobachteten sie, wie unterschiedlich die Böden der drei Versuchsflächen - Kalkgestein, Buntsandstein und Basaltgestein - die Schadstoffe speichern, umwandeln und abbauen.

„Beobachtungen über einen solch langen Zeitraum sind sinnvoll, weil das Waldökosystem langsam auf Veränderungen reagiert. Sie liefern uns wichtige Erkenntnisse über die komplexen Zusammenhänge zwischen Schadstoffeinträgen, dem Klimawandel und den vielfältigen Funktionen der Wälder“, erläutert Bodenkundler Brumme.
(idw - Universität Göttingen, 09.09.2009 - DLO)
 
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