• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 22.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Jäger und Sammler doch keine Vorfahren von Europas ersten Bauern

Mitteleuropa wurde vor 7.500 Jahren neu besiedelt

Die ersten Bauern Europas stammten nicht von den Jägern und Sammlern ab, die unseren Kontinent seit dem Untergang der Neandertaler besiedelt hatten. Stattdessen sind sie vermutlich vor 7.500 Jahren nach Mitteleuropa eingewandert. Zu diesen Ergebnissen ist ein Mainzer Forscherteam durch die Analyse alter, aus Skelettknochen stammender DNA.
Untersuchung alter DNA

Untersuchung alter DNA

„Wir nehmen an, dass die ersten Bauern aus dem Karpatenbecken nach Mitteleuropa eingewandert sind und die Haltung von Tieren und den Anbau von Nutzpflanzen mitgebracht haben", sagt Barbara Bramanti von der Universität Mainz, Erstautorin der Studie, die in der Onlineausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science“ erschienen ist.

Damit steht auch fest, dass die ursprünglich in Europa beheimateten Jäger-Sammler-Gesellschaften nicht die Vorfahren der heutigen modernen Europäer sind, die eingewanderten Bauern allerdings auch nicht. „Nach dem Faktor, der die Herkunft der jetzigen Bevölkerung Europas erklären würde, suchen wir noch“, teilt der Palaeogenetiker Joachim Burger mit.

Alte DNA – neue Erkenntnisse


Alte DNA aus archäologischen Skeletten sorgt immer wieder für ungeahnte Erkenntnisse über die Vorgeschichte des Menschen. Bereits im Jahr 2005 hatte Burger mit seinem Team nachgewiesen, dass die ersten Bauern Europas nicht die Vorfahren der heutigen Europäer sind.


Eine überraschende Entdeckung, hatten die Urfarmer doch die Sesshaftigkeit und die ganze Lebensweise etabliert, die fortan für den Kontinent prägend sein sollte. In ihrer neuen Studie vergleichen die Forscher nun die ersten Bauern Europas mit den letzten Jägern und Sammlern des Kontinents.

Jäger und Sammler


Vor 45.000 Jahren wurde Europa zum ersten Mal von so genannten modernen Menschen besiedelt, die ursprünglich aus Afrika stammten und in Europa eine andere Menschenform, den Neandertaler, verdrängten. Vor 25.000 Jahren musste der anatomisch moderne Mensch den nach Mitteleuropa vordringenden Eismassen weichen und konnte das Gebiet erst vor 20.000 Jahren wieder besiedeln. Die Lebensweise dieser Ureinwohner blieb indes selbst bis in die Nacheiszeit hinein stets gleich und war auf das Sammeln von Früchten, Wurzeln und Nüssen beziehungsweise auf die Jagd ausgerichtet.

Alte DNA gibt Geheimnisse preis

Alte DNA gibt Geheimnisse preis

Aus Knochen von 22 Menschen dieser Jäger-Sammler-Gesellschaften hat das Mainzer Team die mitochondriale DNA sequenziert und zusammen mit Kollegen aus Großbritannien und Estland analysiert. Dabei fanden sie heraus, dass die ansässigen Jäger und Sammler nicht die Vorfahren der ersten Bauern sein konnten, dass also die Bauern eingewandert sein mussten. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Einwanderung vor 7.500 Jahren ihren Anfang nahm“, so Bramanti. „Und da die Computersimulationen die Diskontinuität zwischen beiden Gruppen zweifelsfrei nachgewiesen haben, bleibt aus Sicht der Archäologie eigentlich nur das Karpatenbecken als Ursprungsgebiet der Bauern.“

Neolithische Keimzelle in Südosteuropa


Die Frage, ob Migranten die Sesshaftigkeit und das bäuerliche Leben nach Europa gebracht haben oder ob beheimatete Europäer lediglich die Idee dieses Lebensstils aus dem Nahen Osten, wo sie zum ersten Mal in Erscheinung trat, übernommen haben, beschäftigt die Wissenschaft bereits seit einem Jahrhundert. Gerade in den letzten Jahrzehnten setzte sich unter europäischen Altertumsforschern immer mehr die Ansicht durch, dass lokale Traditionen in Europa eine bedeutende Rolle spielen, die weitere Entwicklung also von den ursprünglichen Jäger-Sammler-Gesellschaften ausgegangen sei. Die neuen Ergebnisse revidieren diese Auffassung offenbar gründlich.

„Auch wenn es sicherlich kulturelle Kontakte zwischen Jäger-Sammlern und Bauern gegeben hat, so entsteht doch mehr und mehr das Bild einer neolithischen Keimzelle in Südosteuropa. Von hier aus sollte die Geschichte unseres Kontinents in der Folge maßgeblich bestimmt werden“, sagt Burger und fügt hinzu: „Doch möglicherweise ist dies nur ein Glied in einer Kette, die noch weiter zurückreicht, in das Ursprungsgebiet der bäuerlichen Sesshaftigkeit nach Anatolien und in den Nahen Osten.“
(idw - Universität Mainz, 04.09.2009 - DLO)
 
Printer IconShare Icon