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Mittwoch, 23.05.2012
Schmerzpatienten sind unterversorgt
Experten fordern bessere Ausbildung der Mediziner
Die Zahl der chronisch Schmerzkranken in Deutschland nimmt zu – doch ihre Versorgung ist noch immer eher mangelhaft. Strategien gegen die kostspielige Unterversorgung von Schmerzpatienten in Deutschland haben Spezialisten der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes gestern in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin vorgestellt. Die Experten forderten vor allem eine bessere Ausbildung von Medizinstudenten in der Schmerztherapie.

Kopfschmerzen
Kopfschmerzen
© MMCD
"Jeder vierte Patient kommt wegen Schmerzen zum Arzt. Dennoch gehört Schmerztherapie nicht zur Pflichtausbildung angehender Ärzte", bemängelte Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der DGSS. Zudem müsse es eine Weiterbildung zum Facharzt "Schmerztherapie und Palliativmedizin" geben. Angesichts der großen regionalen Unterschiede in der Versorgung Schmerzkranker forderten die Spezialisten außerdem ein flächendeckendes Angebot sowohl an stationären, als auch teilstationären und ambulanten Therapiemöglichkeiten. "Zurzeit gibt es angebotsorientierte Nachfrage", stellte Dr. Gabriele Lindena (Institut für Klinische Analyse, Forschung und Anwendung) fest.

Wege gegen den Schmerz
Mindestens zehn Millionen Schmerzkranke, Kosten von rund 17 Milliarden Euro jährlich allein für chronischen Rückenschmerz: "Keine andere Erkrankung betrifft so viele Patienten, keine andere Krankheit verursacht so hohe Kosten", bringt Prof. Zenz das Dilemma auf den Punkt. Dabei müssen Schmerzen nicht chronisch werden, wenn man sie von vornherein richtig behandelt. Unverzichtbar sei es dafür, sämtlich Aspekte des Schmerzes bei der Therapie zu berücksichtigen. Den bio-psycho-sozialen Charakter des Schmerzes zu erfassen, hilft der einheitliche "Deutsche Schmerzfragebogen", den die DGSS gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften entwickelt hat. Neben der Schmerzintensität gibt er auch Aufschluss über Persönlichkeits-merkmale und das soziale Umfeld der Patienten. "So haben wir die Möglichkeit, Risikofaktoren, die z. B. im Krankheitsverständnis des Patienten liegen, früh zu erkennen und zu berücksichtigen", so Dr. Michael Pfingsten von den Universitätskliniken Göttingen.

Therapieangebote rar gesät
Auch wenn der Schmerz schon chronisch ist, sind mit der richtigen Behandlung durchaus Verbesserungen zu erzielen. Die dazu notwendigen Therapieangebote sind jedoch rar gesät: Nur drei Universitätskliniken in Deutschland bieten sowohl stationäre Schmerztherapie als auch eine Tagesklinik und ambulante Sprechstunden an. "Die Therapieangebote für die vielen chronischen Schmerzpatienten sind derzeit gemessen am geschätzten Bedarf unzureichend", schließt Dr. Lindena, "Qualitätssicherung und Versorgungskonzepte müssen greifen." Die Spezialisten der DGSS fordern daher die Verankerung von Schmerzbetten in Krankenhauspläne.

Nicht zuletzt bedürfe es ausreichender Mittel für die Forschung: "Zurzeit stehen nur ca. ein Prozent der Kosten, die der chronische Schmerz verursacht, für die Schmerzforschung zur Verfügung - das steht in keinem Verhältnis", so Prof. Zenz.
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