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Samstag, 11.02.2012
Astronomen finden trockensten, kältesten und ruhigsten Ort der Erde
Ridge A auf dem antarktischen Plateau bietet optimalste Bedingungen für ein Teleskop
Sie ist die kälteste, trockenste und ruhigste Stelle der Erde: Ridge A auf dem antarktischen Plateau. Nicht gerade lebensfreundlich, aber dafür der beste Platz für ein robotisches astronomisches Observatorium. Das jedenfalls befanden Forscher auf der Suche nach einem Standort für ein Teleskop, das Aufnahmen fast so gut wie das Weltraumteleskop Hubble liefern könnte.

Dome A
Dome A
© Xu Zhou, Zhenxi Zhu / UNSW Dome A
Schon seit einigen Jahren hat sich das Interesse der Astronomen für die Antarktis als potenziellem Standort für hochauflösende Teleskope intensiviert. Denn die extrem trockene, kalte Luft über der polaren Eiskappe bietet gute Bedingungen für die Weltraumbeobachtung. Aber wo in der Antarktis sind die Bedingungen optimal? Genau das wollte ein amerikanisch-australisches Forscherteam jetzt herausfinden. Sie werteten dafür Daten von Satelliten, Bodenstationen und Klimamodellen aus, um wichtige Faktoren wie Wolkenbedeckung, Wasserdampfgehalt der Atmosphäre, Windgeschwindigkeiten und die atmosphärische Turbulenz zu erfassen.

Als Ergebnis stießen sie auf den wahrscheinlich kältesten, trockensten und ruhigsten Punkt der Erde: Ridge A, eine Stelle 4.053 Meter hoch auf dem antarktischen Plateau gelegen. Der flache Grat liegt 150 Kilometer vom höchsten Punkt des antarktischen Plateaus, dem Dome A, entfernt. Hier herrscht im Winter eine durchschnittliche Temperatur von minus 70°C, der Wasserdampfgehalt der gesamten Atmosphäre über dieser Stelle ist dabei so gering, dass alle Wassermoleküle übereinandergeschichtet nicht mal die Dicke eines menschlichen Haares erreichen würden.

Drei Mal schärfer als alles bisherige
Gleichzeitig ist die Luft hier extrem ruhig, eine Grundvoraussetzung für gute Teleskopaufnahmen, weil schon geringe Turbulenzen der Atmosphäre zu einem Flimmern und Verzerren des Bildes führen können. „Es ist hier so still, dass es fast keinen Wind oder irgendein Wetter gibt“, erklärt Astronom Will Saunders vom Anglo-Australian Observatory, der die Studie leitete. „Astronomische Aufnahmen, die auf Ridge A gemacht werden könnten mindestens drei Mal schärfer sein als diejenigen der besten zurzeit von Astronomen genutzten. Weil der Himmel so viel dunkler und trockener ist bedeutet das, dass schon ein mittelgroßes Teleskop hier genauso gut sein könnte wie das größte Teleskop anderswo.“

In der Antarktis gibt es bereits ein internationales robotisch betriebenes Observatorium am Dome A. Das „PLATO“ Observatorium enthält unter anderem vier 14,5 Zentimeter Teleskope zur Beobachtungen von Planetentransits und Supernovae, außerdem ein Terahertz-Teleskop, dass die Milchstraße im Visier hat. Weitere Instrumente registrieren Faktoren vor Ort wie die Himmelshelligkeit, Windgeschwindigkeit und atmosphärischen Turbulenzen.

Es existieren auch Pläne für weitere Teleskop-Vorhaben. So schloss das Anglo-Australische Observatorium letztes Jahr eine Studie ab, in der die Planung und Kosten für ein kombiniertes optisches und Infrarot-Teleskop in der Antarktis aufgestellt wurden. Ob ein solches Teleskop dann wirklich einmal am optimalsten Standort der Erde stehen wird, ist wegen der hohen Kosten allerdings noch fraglich.
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