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Sonntag, 22.10.2017
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Blutvergiftung wird unterschätzt

Botenstoff Interleukin-18 spielt entscheidende Rolle

Die schwere Blutvergiftung ist eine der häufigsten Todesursachen überhaupt. Jährlich sterben in Deutschland etwa 80.000 Menschen an einer Sepsis. Die Erforschung neuer Therapiekonzepte wird daher immer dringender. Sie sind daher auch Thema auf dem Deutschen Anästhesiecongress (DAC) in Nürnberg. Einen Therapieansatz hat der Wissenschaftler Dr. Andreas Oberholzer von der Berliner Charité verfolgt.
Ärzte bei einer Operation

Ärzte bei einer Operation

"Obwohl die Sepsis die aggressivste Form einer Infektion ist, unterschätzen sowohl Patienten, Angehörige als auch Ärzte und Kostenträger die von ihr ausgehende akute Gefahr", betont im Vorfeld des vom 19. – 21. Juni stattfindenden Kongresses Professor Dr. Konrad Reinhart, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Jena. Patienten mit Sepsis müssen in Deutschland durchschnittlich 16 Tage auf Intensivstationen und 32 Tage im Krankenhaus behandelt werden. Die Behandlungskosten für Sepsispatienten betragen jährlich etwa 1,1 bis 2,45 Milliarden Euro.

Von Blutergüssen übersät und aufgequollen: Wer diesen Anblick einmal erleben musste, vergisst ihn nie wieder. Und doch ist er Alltag auf der Intensivstation, wenn es zur schweren akuten Blutvergiftung, der Sepsis, kommt. In Europa kann man die Anzahl der Toten nur schätzen: fast 400 Patienten täglich - Tendenz steigend. Trotz jüngster Therapiefortschritte sind dringend neue Behandlungskonzepte gefragt. Eines davon erforscht Dr. Andreas Oberholzer vom Berliner Universitätsklinikum Charité.

Auslöser der Sepsis ist eine zunächst begrenzte Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen - beispielsweise eine Lungen- oder Nierenbeckenentzündung. Allerdings verbreitet sich die Infektion über das Blut binnen Stunden wie ein Lauffeuer im gesamten Körper. Der in den Körper eingedrungene Feind stößt eine katastrophale Kettenreaktion an, wobei eine Flut unterschiedlicher Botenstoffe freigesetzt wird, die große Mengen Abwehrzellen anlocken und auch gesundem Gewebe die Selbstzerstörung befehlen. Dann läuft die Immunabwehr Amok, die Blutgerinnung spielt verrückt, Flüssigkeit tritt aus lecken Gefäßwänden ins Gewebe. Immer mehr Blutgerinnsel verstopfen feinste Äderchen. Der Kreislauf bricht zusammen, der Blutdruck fällt so stark, dass Nieren, Leber und Gehirn den Dienst versagen - selbst wenn Antibiotika möglicherweise die ursprüngliche Infektion längst in Schach halten.


Einer der entscheidenden Botenstoffe in diesem biochemischen und zellulären Chaos heißt Interleukin-18 (IL-18), wie Oberholzer und seine Kollegen von der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Charité in mehreren Studien festgestellt haben. Mehr noch: Je höher die Blutkonzentrationen von IL-18, desto schwerer die Sepsis.Zudem sind die Blutlevel des Botenstoffes nach Infektionen mit "Gram positiven" Bakterien höher als nach Infektionen mit "Gram negativen" Bakterien.

Die Freisetzung von IL-18 ins Blut wird von bestimmten Enzymsystemen reguliert. Dazu gehören auch die so genannten Kaspasen, deren Aktivität das Team um Oberholzer nun bremsen will. Doch Tests der Berliner Forscher mit Substanzen, die die Funktion von Kaspasen hemmen, brachten keine eindeutigen Ergebnisse. Deshalb verfolgt der Preisträger jetzt einen neuen therapeutischen Ansatz über eine spezifische Gentherapie. Dabei bauen die Wissenschaftler das Gen für einen "Kaspase-1-Inhibitor" in ein entschärftes Virus ein, das genau jene Immunzellen befallen soll, die IL-18bei der Sepsis produzieren. Dieses System soll nun im Tierversuch getestet werden.
(DGAI, Novartis Stiftung, 18.06.2004 - NPO)
 
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