Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 11.02.2012
Säulengitter als selektiver CO2-Filter
Flexibles dreidimensionales Gitter bindet Kohlendioxid selektiv und effizient
Nach wie vor blasen Fabrikschlote und Kraftwerke massenweise Kohlendioxid in die Atmosphäre. Wirklich effektive Methoden zur selektiven Filterung der Abluft sind rar. Jetzt haben Chemiker ein neues poröses Material entwickelt, dass CO2 effizient und hochselektiv binden und speichern kann. Das gitterartige Netzwerk enthält flexible "Säulen", die die Poren des dreidimensionalen Gitters für CO2 gezielt öffnen.

Treibhausgasemissionen
Treibhausgasemissionen
© IMSI MasterClips
Viele poröse Materialien sind in der Lage, CO2 und andere Gasmoleküle aufzunehmen. Doch das CO2 bei Raumtemperatur und Atmosphärendruck aus industriellen Abgasen herauszuholen, ist jedoch nach wie vor eine große technische Herausforderung. Vor allem dann, wenn die Abluft gleichzeitig andere Gase wie Stickstoff, Methan oder Wasser enthält und das CO2 selektiv herausgefiltert werden soll.

Flexible Säulenstruktur als Filter
Koreanische Forscher um Myunghyun Paik Suh und Hye-Sun Choi haben jetzt einen Ansatz entwickelt, der dieses Problem lösen könnte. Basis dafür sind poröse dreidimensionale Netzwerke aus so genannten Koordinationspolymeren. Als Bausteine dienen verschiedene Nickelkomplexe und organische Moleküle. Diese lagern sich zu zweidimensionalen gitterartigen Flächen zusammen, die gestapelt vorliegen und über "Säulen" verbunden sind. Der besondere Trick dabei: Die Säulen sind nicht starr, sondern sehr flexibel. Dadurch sind die entstehenden Hohlräume der Struktur von variabler Größe und können sich eingelagerten Gastmolekülen anpassen.

Aufbau des porösen Materials
Aufbau des porösen Materials
© Angewandte Chemie
Ladungsquadrat als Toröffner
Das symmetrische Molekül Kohlendioxid hat eine besondere Eigenschaft: Es bildet ein so genanntes
permanentes elektrisches Quadrupol – eine Formation, die zwei Rücken an Rücken liegenden elektrischen Dipolen mit entgegengesetzter Richtung gleicht. Dadurch bilden vier Ladungen – zwei negative und zwei positive - die Ecken eines Quadrates. Dieser Quadrupol tritt mit dem dreidimensionalen Gitter in Wechselwirkung und bringt die Säulen dazu, die "Tore" zu öffnen, so dass das Gas in die Hohlräume eintreten kann.

Selektiv und sehr stabil
Im Gegensatz dazu zeigen Stickstoff, Wasserstoff und Methan ein wesentlich kleineres Quadrupolmoment. Für sie bleiben die Poren verschlossen. Dass der in Luft reichlich vorhandene Stickstoff draußen bleiben muss, ist für einen potenziellen CO2-Fänger essenziell. Zudem sind die neuen nickelhaltigen Materialien auch noch bei Temperaturen von 300 °C stabil und gegenüber Luft und Wasser beständig - auch dies sind wichtige Voraussetzungen für einen eventuellen industriellen Einsatz.

Wird der Umgebungsdruck reduziert, wird das gespeicherte CO2 wieder freigesetzt. Ein solches Material wäre daher für Prozesse geeignet, in denen Kohlendioxid durch einen Druckwechsel zyklisch gespeichert und wieder freigesetzt werden soll.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
CO2, Filter, poröse Materialien, Umweltschutz, Chemie, Kohelndioxid, Treibhausgas, Abluft, Gas, Bindung, Klima
Weitere News zum Thema
Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler? (10.02.2012)
Können Kaltwasserkorallen der Versauerung des Meerwassers standhalten?
Golfstrom wärmt sich schneller auf als Restatlantik (30.01.2012)
Meeresströmungen reagieren stärker als bisher angenommen
Amazonas-Regenwald: Treibhausgas-Schleuder statt grüner Lunge? (20.01.2012)
Erste Anzeichen für veränderte Kohlendioxid-Balance idurch Klimawandel und Rodungen
Treibhausgase: Deutschland liegt auf Kurs (17.01.2012)
Nationaler Inventarbericht bestätigt Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll
Algen in den Tank (13.01.2012)
Neues Verfahren zur Herstellung von Biodiesel aus Mikroalgen-Ölen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
Verlierer Mensch?
Folgen des Klimawandels für die menschliche Gesellschaft
Aerosole
Würzstoffe in der Klimaküche
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
News des Tages
Ameise hat alle Männer abgeschafft
Metamaterial lässt Licht tanzen
Teufel gegen Beelzebub: Salmonellen töten Tumore
Irisierende Federn schon vor 40 Millionen Jahren
Trinkwasser: Hilft Sonnenentkeimung doch nicht gegen Durchfall?
Ablesen der Gene im 60 Minuten-Takt
Säulengitter als selektiver CO2-Filter
Bücher zum Thema
Wetter, Klima und Klimawandel
Wissen für eine Welt im Umbruch von Nadja Podbregar, Harald Frater und Karsten Schwanke
Welt der Elemente
von Hans-Jürgen Quadbeck- Seeger
50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten...
von Andreas Schlumberger
Wir Wettermacher
von Tim Flannery
Der Klimawandel
von Stefan Rahmstorf und Hans J. Schellnhuber
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Jeder Vierte stirbt an Krebs
3. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
4. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes