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Samstag, 11.02.2012
Vögel: Frauenpower statt Macho-Gehabe
Afrikanische Grillkuckuck-Weibchen vertreiben Eindringlinge mit ihrem Gesang
Beim afrikanischen Grillkuckuck ist alles anders: Hier verteidigen die Weibchen das Revier und haben gerne auch mal mehrere Partner, die Männchen dagegen halten sich im Hintergrund. Welche Rolle der Gesang bei der Revierverteidigung spielt, haben Forscher jetzt herausgefunden. Die Weibchen vermitteln damit Eindringlingen nicht nur eine Kampfansage, die Tonlage verrät auch, wie groß das verteidigende Weibchen ist.

Grillkuckuck-Weibchen während der Äußerung von Lauten
Grillkuckuck-Weibchen während der Äußerung von Lauten
© Wolfgang Goymann Grillkuckuck-Weibchen während der Äußerung von Lauten
Vertauschte Rollen
Grillkuckucke gehören zu einer der wenigen Vogelarten mit vertauschten Geschlechterrollen, bei denen in erster Linie die Weibchen singen. Im Gegensatz zu anderen Arten sind es hier auch die Damen, die mit einem prächtigen Brutgefieder um Partner werben. Sie verteidigen große Reviere, aus denen sie Konkurrentinnen rigoros vertreiben. Männchen sind dagegen willkommen - je mehr desto besser: Jedes Weibchen verpaart sich mit bis zu vier Männchen.

Bereits vor zwei Jahren hatten Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen entdeckt, dass das Sexualhormon Testosteron bei diesem Rollentausch eine wichtige Rolle spielen könnte. Grillkuckuck-Weibchen bilden in bestimmten Gehirnbereichen mehr Testosteron-bindende Rezeptormoleküle aus als die Männchen. Dadurch reichen schon geringere Testosteron-Mengen aus, um bei den Weibchen männertypische Verhaltensweisen wie Aggression und Revierverhalten zu steuern.

Reviergesang ist Frauensache
Nicole Geberzahn, Wolfgang Goymann und Christina Muck vom Max-Planck-Institut für Ornithologie, haben nun mit Carel ten Cate von der Universität Leiden den Gesang der Grillkuckuck-Weibchen im Südwesten Tansanias untersucht. Der Gesang der Grillkuckuck-Weibchen setzt sich aus Lautäußerungen zusammen, die lautmalerisch "whoot" und "k’tuc" genannt werden.

In ihren Experimenten platzierten die Forscher Lautsprecher in die Mitte der Reviere und spielten den Vögeln Lautäußerungen eines fremden Weibchens vor, das vermeintlich in ihr Revier eingedrungen war. Die Revierinhaberinnen näherten sich daraufhin dem Lautsprecher und antworteten selbst mit Gesängen, während sich die Männchen im Hintergrund aufhielten und nicht in das Geschehen eingriffen.

Je größer das Weibchen desto tiefer ihr Gesang
Als die Forscher nun die Antwortlaute auswerteten, zeigte sich ein interessantes Ergebnis: Die Tonlage der Antwortgesänge war tiefer als bei spontan geäußerten Gesängen. Außerdem waren die "whoot"-Laute, die sie am häufigsten als Antwortlaute benutzten, länger, wenn die Weibchen durch die imaginäre Konkurrentin provoziert wurden. Je größer die Revierinhaberin war, desto tiefer klang ihr Gesang. Der Konkurrenz-Gesang der Grillkuckuck-Weibchen vermittelt Eindringlingen also möglicherweise wichtige Informationen. So werden diese abgeschreckt, ohne dass es zum Kampf kommt.

„Ehrliche“ Signale als Orientierungshilfe
„Fremde Weibchen können anhand dieses Gesangs zuverlässig erkennen, ob sich eine Konfrontation lohnt. Denn nur große Weibchen können auch tief singen", vermutet Geberzahn. Letztendlich haben nur solche "ehrlichen Signale" im Tierreich eine Chance fortzubestehen - sollten kleinere oder schwächere Artgenossen die Signale der Starken kopieren, würden sie schließlich doch auffliegen, und die entsprechenden Signale wären wirkungslos. "Bei den Grillkuckucken könnte die Ehrlichkeit des Signals dadurch garantiert werden, dass die Weibchen mit ihrem Gesang an die Grenzen der physikalischen Lautproduktion gehen", so Geberzahn.

Die Ergebnisse der Untersuchungen sind jetzt in der Fachzeitschrift „Behavioral Ecology and Sociobiology“ erschienen.
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