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Samstag, 11.02.2012
Infrarotlicht zeigt Rheumaherde „live“
Neues Diagnoseverfahren offenbart Entzündungsherde frühzeitig und schonender als bisher
Rheuma ist schmerzhaft und langwierig. Je früher die mit chronischen Entzündungen einhergehende Krankheit diagnostiziert wird, desto besser die Behandlungsaussichten. Jetzt haben Wissenschaftler ein neues schonenderes und effektiveres Früherkennungsverfahren entwickelt. Nah-Infrarotlicht und ein fluoreszierender Farbstoff statt harter Röntgenstrahlen weisen dabei Entzündungsherde in den Gelenken nach.

Proband mit gesunden Händen (oben) und Rheuma-Parientin (unten) im 2-Hand-Imager der PTB
Proband mit gesunden Händen (oben) und Rheuma-Parientin (unten) im 2-Hand-Imager der PTB
© PTB Proband mit gesunden Händen (oben) und Rheuma-Parientin (unten) im 2-Hand-Imager der PTB
Es kann jeden treffen: Rheuma ist genauso häufig wie Diabetes, Arteriosklerose und Krebs zusammen – rund ein Prozent der Bevölkerung erfasst die Krankheit, die medizinisch exakt „rheumatoide Arthritis“ heißt. Meist beginnt sie mit ersten Entzündungen an den Fingergelenken. Werden sie rechtzeitig entdeckt und eine Therapie begonnen, stehen die Chancen gut, dass es nicht zu den gefürchteten Gelenkschäden kommt. Jetzt haben Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Institut Berlin, in einem Kooperationsprojekt mit mehreren Partnern eine solche Früherkennungsmethode entwickelt.

Im Nah-Infrarotlicht leuchtender Farbstoff als Marker
Ihr optisches Rheuma-Bildgebungsverfahren arbeitet mit einem Fluoreszenz-Farbstoff, der von nah-infrarotem Licht angeregt wird, und absolut unschädlich ist. Mit dem Verfahren können Rheumaherde früher und schonender als mit einem Röntgengerät und preiswerter als mit einem Kernspintomographen entdeckt werden:

Zuerst leuchten die Fingerspitzen, dann wandert das Kontrastmittel in Richtung des Handgelenkes weiter, live unter den Augen von Patient und Arzt. Sammelt sich der Farbstoff an bestimmten Gelenken, dann ist das für den Arzt ein Hinweis auf einen Rheumaherd. Wenige Minuten dauert die Untersuchung; sie ist schmerz- und nebenwirkungsfrei. Denn was den Farbstoff zum Leuchten anregt, das Nahinfrarotlicht (NIR-Licht), ist gerade eben nicht mehr sichtbar, sondern schon nah an der Infrarot- oder Wärmestrahlung und dringt daher deutlich weiter in den Körper ein als sichtbares Licht. Trifft es im Körper auf ein Farbstoffmolekül, dann beginnt dieses zu leuchten und verrät so den Ort, an dem es sich gerade aufhält.

Aktiver Farbstoff könnte Nachweis noch weiter verbessern
Da der zurzeit noch verwendete Farbstoff passiv mit dem Blut mitschwimmt, liefert eine hochempfindliche, bildhafte Detektion des Fluoreszenzlichtes Aufschluss über die Stärke der Durchblutung am jeweiligen Ort; in einem Rheumaherd ist die Durchblutung höher als in gesundem Gewebe. Noch besser ist es, wenn man einen Farbstoff einsetzt, der nicht passiv im Blut mitschwimmt, sondern eine spezifische Wechselwirkung mit entzündlichen Prozessen eingeht.

Einen solchen Farbstoff, eine fluoreszierendes Antikörperverbindung namens AP39-TSC, entwickelt vom Pharmakonzernr Bayer Schering, haben Forscher der PTB und Charité bereits gemeinsam mit dem neuen Gerät getestet. Und tatsächlich ließen sich damit bei Ratten Rheumaherde in den Sprunggelenken noch besser darstellen. Allerdings ist es sehr aufwendig, bis ein neues Kontrastmittel für den Einsatz beim Menschen zugelassen ist. In den klinischen Studien wird daher bislang noch mit dem bewährten Farbstoff Indocyaningrün gearbeitet.

Tests in Kliniken laufen
Weil die aktuelle Studie vielversprechende Ergebnisse liefert, soll bald eine multizentrische klinische Studie folgen, an der bundesweit mehrere Kliniken beteiligt sein werden. Zu deren Vorbereitung, insbesondere zur Herstellung weiterer Geräte zur Fluoreszenz-Rheumabildgebung, hat nun die Berliner Medizintechnikfirma mivenion die Lizenzrechte von der PTB erworben. Inzwischen sind die ersten Geräte bereits an rheumatologische Kliniken geliefert worden.

Für Rheumapatienten könnte eine bessere Diagnostik zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Darüber hinaus sollten sich massive finanzielle Vorteile für das Gesundheitssystem ergeben. Denn die Behandlung von Rheuma, ob mit Arzneimitteln, in der Praxis oder in der Klinik, kostet viel Geld. Auf chronische Krankheiten wie Rheuma sind immerhin 75 Prozent aller Gesundheitskosten zurückzuführen. Und Vertreter der gesetzlichen Krankenkasse haben auch bereits Interesse an dem neuen Verfahren gezeigt.
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