Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 15.03.2010
Gehirntraining schaltet Schutzgene ein
Durch Aktivität ausgelöstes Genprogramm lässt Gehirnzellen länger überleben
Vermutet wurde es schon länger, jetzt ist es sozusagen amtlich: Gehirnzellen leben länger, wenn das Gehirn ständig gefordert ist. Neurobiologen haben festgestellt, dass die Hirnaktivität ein spezielles genetisches Programm in Gang setzt. Dieses aktiviert wiederum Schutzgene, die das Überleben der Zellen deutlich verstärken. Die in der Fachzeitschrift „PLoS Genetics“ veröffentlichten Forschungsergebnisse eröffnen neue Perspektiven für therapeutische Ansätze zur Behandlung degenerativer Erkrankungen des Nervensystems.

Gehirn
Gehirn
© IMSI MasterClips
Das Absterben von Nervenzellen zum Beispiel als Folge von Alterungsprozessen oder der Alzheimer-Krankheit kann zu erheblichen Einschränkungen der Gedächtnisleistung führen - mit oft dramatischen Auswirkungen auf den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen. Ein Wissenschaftlerteam der Universität Heidelberg unter der Leitung von Professor Hilmar Bading hat jetzt ein neuroprotektives Genprogramm entdeckt, das die Überlebensfähigkeit von Nervenzellen deutlich verstärkt.

Stimulation aktiviert Schutzgene
Das Programm wird von Nervenzellen selbst gesteuert und immer dann aktiviert, wenn Zellen von ihren Nachbarn im Nervenzellnetzwerk stimuliert werden. Eine solche Stimulation der Gehirnzellen findet beispielsweise dann statt, wenn äußere Reize verarbeitet werden müssen oder Gedächtnis- und Lernleistungen gefordert sind. Auf molekularer Ebene wird der Schutzmechanismus durch Kalzium angeschaltet, das nach Aktivierung der Nervenzellen in diese einströmt, bis in den Zellkern vordringt und dort das Ablesen der Überlebensgene hochreguliert.

Im Alter und auch bei neurodegenerativen Erkrankungen ist dieser Kalzium-Schalter im Zellkern aufgrund eingeschränkter Gehirnaktivität nicht mehr voll funktionsfähig, so vermutet Bading. Das vermindert die Expression der aktivitäts-gesteuerten Überlebensgene und führt letzlich zum Absterben von Nervenzellen.

Ansatz für Therapien
„Unsere Forschungsergebnisse eröffnen einerseits neue Perspektiven für therapeutische Ansätze zur Behandlung degenerativer Erkrankungen des Nervensystems. Anderseits liefern sie die wissenschaftliche Grundlage für etwas, was wir eigentlich schon immer wussten: ein aktives Gehirn lebt länger", betont der Heidelberger Wissenschaftler, der Geschäftsführender Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Neurowissenschaften ist.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Gehirn, Gen, Nervenzelle, Zellschutz, Hirntraining, Gehirnaktivität, Schutzgen, Genetik, Stimulation, Gedächtnis, Alzheimer, Neurobiologie
Weitere News zum Thema
Gehirn liebt keine Überraschungen (12.03.2010)
"Denkorgan" versucht mögliche Sinneseindrücke vorherzusagen
Eiweiß kontrolliert Fettspeicherung (09.03.2010)
Protein fördert Bildung von Fetttröpfchen und wirkt Fettabbau entgegen
Pupillen verraten Entscheidungen (08.03.2010)
Gedankenlesen leicht gemacht?
Schiefliegen offenbart Demenz (26.02.2010)
Studie: Wie man sich bettet, so denkt man
Blutdruck-Pusher hilft auch beim Wiedererkennen (26.02.2010)
Vasopressin unterstützt soziale Kommunikation
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Savant-Syndrom
Gliazellen
Apoptose
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
Altern mit Köpfchen
Wie der Geist lange fit bleibt
Rätsel Hirnschwund
Auf der Suche nach den Ursachen von Alzheimer und Parkinson
Epigenetik – Mehr als nur die Gene
Hatte Lamarck doch recht?
Der Kitt denkt mit
Geheimnisvolle Gliazellen im Gehirn
News des Tages
Riesen-Störung vor Japan als Erdbebenleiter
Radio-Teleskope lösen „Rätsel der fehlenden Nebel”
Anti-Oxidans schützt gegen Malaria
Gefangene Elektronen leben länger
Besserer Schutz durch neuartiges Unwetter-Warnsystem
Biologische Nanomaschinen sind Effizienzkünstler
Gehirntraining schaltet Schutzgene ein
Bücher zum Thema
Alzheimer
Spurensuche im Niemandsland von Michael Jürgs
Lernen zu lernen
Lernstrategien - sofort anwendbar von Werner Metzig und Martin Schuster
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Unser Gedächtnis
Erinnern und Vergessen von Bernard Croisile
Top-Clicks der Woche
1. Neue Belege für “Schneeball Erde”
2. Erdrotation beeinflusst Unterwasserwellen
3. Galaxien-Explosion stoppte junges Universum
4. Einsteins Relativitätstheorie auf kosmologischen Distanzen bestätigt
5. Oktopus tarnt sich als Flunder