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Dienstag, 28.03.2017
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Atomkraftwerke: Gefahr durch längere Laufzeiten

Störfallrisiko steigt mit dem Betriebsalter

Längere Laufzeiten für alte Atomkraftwerke (AKW) erhöhen nach einer neuen Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) das Störfallrisiko deutlich. Betroffen sind nach Angaben der Umweltorganisation besonders die Atomkraftwerke Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Krümmel, Neckarwestheim, Unterweser, Biblis A und Biblis B.
Atomkraftwerk Brunsbüttel

Atomkraftwerk Brunsbüttel

Diese Reaktoren erfüllen laut dem BUND nicht die modernen Sicherheitsstandards - auch dann nicht, wenn sie nachgerüstet würden. Alterungseffekte wie Materialverschleiß seien kaum zu kontrollieren und ein massives Sicherheitsproblem.

BUND fordert Stilllegung der acht ältesten Atomkraftwerke


„Es ist unverantwortlich, dass CDU, CSU und FDP gerade für die ältesten und unsichersten Reaktoren längere Laufzeiten fordern, die aus heutiger Sicht aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht mehr zugelassen würden. Mit ihrer Forderung nach einem Ausstieg aus dem Atomausstieg setzten die Unionsparteien und die FDP die Bevölkerung einem untragbaren Risiko aus“, so der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Der BUND forderte die sofortige Stilllegung der acht ältesten Atomkraftwerke ohne dafür neuere AKW länger laufen zu lassen.

Die Altreaktoren haben laut der BUND-Studie zum Teil nur ein Drittel der Wandstärke modernerer Reaktoren und wiesen eine unzureichende Notstromversorgung auf. Dadurch seien Reaktoren wie Biblis A oder Brunsbüttel deutlich schlechter gegen Außeneinwirkungen wie Flugzeugabstürze oder Terroranschläge oder gegen Kurzschlüsse geschützt. Auch sei bei den alten Atomkraftwerken die Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Rissen und Kühlmittelverlusten höher. Nachrüstungsmaßnahmen hätten die Sicherheit bisher nicht erhöhen können.


Nachrüstungen nicht ausreichend


„Die Sicherheitsstandards der alten AKW werden bereits bei der Bauplanung festgelegt und können nicht mehr verbessert werden. Zwar sprechen die AKW-Betreiber gerne davon, dass ihre Reaktoren auf den neusten Sicherheitsstandard nachgerüstet werden. Doch die Realität sieht anders aus. Und auch wenn Nachrüstungen im Einzelfall möglich sind, erreichen sie nicht den Stand von Wissenschaft und Technik“, so die Physikerin Oda Becker, die für die neue Studie verantwortlich ist. „In der Regel erfolgen die Nachrüstungen sehr schleppend und sind zum Teil fehlerhaft. Oft werden sie unterlassen, weil sie den Betreibern schlicht zu teuer sind.“

Noch weitgehend unerforscht und schwer beherrschbar seien die Risiken durch Alterungsprozesse. Zum Teil würden Mängel wie Risse, Materialermüdungen oder Veränderungen elektrischer und anderer physikalischer Eigenschaften schon seit längerem bestehen und nur rein zufällig entdeckt. Es müsse davon ausgegangen werden, dass auch zurzeit nicht alle bestehenden Fehler in deutschen Atomkraftwerken bekannt seien, sonders erst bei einem Störfall bemerkt würden.

Risiko steigt mit dem Betriebsalter


Thorben Becker, BUND-Atomexperte: „In deutschen Atomkraftwerken ist eine starke Häufung von altersbedingten Schäden zu beobachten. Deshalb steigt das Risiko mit dem Betriebsalter der Atomkraftwerke sprunghaft an. Wenn es zu Laufzeitverlängerungen kommt, wird es auch immer mehr Störfälle wie Leckagen, Risse oder Kurzschlüsse geben.“

Alte Atomkraftwerke erforderten daher eine besonders sorgfältige, an der Sicherheit des Kraftwerks ausgerichtete Betriebsführung. Aber nicht nur in den von Vattenfall betriebenen Anlagen Krümmel und Brunsbüttel seien Störfälle durch eine mangelhafte Sicherheitskultur verursacht worden, sondern auch in anderen Altanlagen, so der BUND. Gerade bei alten Atomkraftwerken sei es besonders gefährlich, wenn die Betreiber Profit vor Sicherheit stellten. Deshalb müssten die Betreiber gezwungen werden, ihre alten AKW schnell vom Netz zu nehmen.
(Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), 10.08.2009 - DLO)
 
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