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Samstag, 11.02.2012
Krähen beherrschen multiple Werkzeugnutzung
Erster Beleg im Tierreich für den untrainierten Einsatz von mehreren Werkzeugen hintereinander
Die auf Neukaledonien beheimateten Geradschnabelkrähen können mehrere verschiedene Werkzeuge nacheinander in der richtigen Reihenfolge einsetzen, langen. Und dies auf Anhieb, ohne vorher geübt zu haben. Das ergab ein jetzt in der Fachzeitschrift „PLoS One“ veröffentlichtes Experiment britischer Forscher. Es belegt damit erstmals die so genannte sequenzielle Werkzeugnutzung bei einer Tierart außer dem Menschen.

Krähe im Experiment mit Röhrchen und Werkzeugen
Krähe im Experiment mit Röhrchen und Werkzeugen
© University of Oxford Krähe im Experiment mit Röhrchen und Werkzeugen
Die auf Neukaledonien beheimateten Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) gelten als besonders geschickte Vertreter ihrer Gattung: Sie setzen eine Reihe von Werkzeugen ein, um ihre Nahrung, Insekten und Larven aus Löchern oder Spalten herauszupulen. Dabei beobachteten Forscher, dass die Tiere auch gezielt geeignete Werkzeuge suchen oder sogar herstellen. Auch Experimente in Gefangenschaft bestätigten diese Fähigkeiten.

Doch in allen Fällen setzten die Vögel das Werkzeug ein, um an Nahrung zu kommen. Die Werkzeugnutzung außerhalb des direkten Nahrungserwerbs wurde bisher noch nicht dokumentiert. Sie gilt jedoch häufig als Merkmal höherer Intelligenz und könnte nach Ansicht einiger Forscher auch bei den Primaten ein entscheidender Schritt in der Evolution zum Menschen gewesen sein.

Stöckchen und Röhren in Serie
Wissenschaftler der Universität von Oxford haben nun Experimente mit sieben Geradschnabelkrähen durchgeführt um herauszufinden, ob und wie die Vögel Werkzeuge einsetzen, wenn es nicht direkt um den Erwerb von Nahrung geht. Der Versuchsaufbau bestand aus verschiedenen Röhrchen, aus denen die Tiere mithilfe von Stöckchen unterschiedlicher Länge sukzessive zunächst weitere Werkzeuge herausholen mussten, um dann letztlich an Futter zu kommen. Insgesamt erforderte die Aufgabe die Nutzung von drei unterschiedlichen Werkzeugen nacheinander.

Das Ergebnis überraschte auch die Forscher: Von den sieben Krähen lösten vier die Aufgabe auf Anhieb schon im ersten Versuch, eine weitere schaffte es nach mehreren Anläufen. Die genaue Auswertung der Videoaufnahmen enthüllte zudem, dass die Vögel dabei keineswegs zufällig nach den Werkzeugen griffen. Wenn ein Vogel beispielsweise ein Stöckchen ablegte, um stattdessen ein anderes zu greifen, dann war dieses meist ein längeres und damit besser geeigneteres.

Beleg für höhere Intelligenz?
Aber bedeutete dieses Verhalten auch tatsächlich, dass die Krähen ihr Vorgehen planten und damit höhere Intelligenz bewiesen? Nach Ansicht der Forscher lassen sich dafür keine echten Belege finden. Sie warnen eher davor, aufgrund von scheinbar intelligentem Verhalten gleich auf weitreichende kognitive Fähigkeiten zu schließen. Zwar hätten die Krähen in ihrem Versuch mit dem Gebrauch von drei Werkzeugen hintereinander eindeutig Fähigkeiten bewiesen, die die anderer nicht-menschlicher Tierarten überlegen ist. Trotzdem seien noch detaillierte Analysen nötig, bevor hier von komplexen kognitiven Fähigkeiten die Rede sein könne.
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