• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 19.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Insektenabwehrstoff Deet wirkt neurotoxisch

Inhaltsstoff vieler Insektenrepellents blockiert wichtiges Enzym des Nervensystems

Der Wirkstoff Deet in "Autan Family" und anderen Insektenabwehrmitteln ist giftiger als bisher angenommen. In Versuchen blockierte er ein entscheidendes Enzym des zentralen Nervensystems bei Insekten und Säugetieren. Im Fachmagazin „BMC Biology“ mahnen amerikanische Forscher nun dringend zu weiteren Untersuchungen zur Giftigkeit für den Menschen.
Anopheles-Mücke

Anopheles-Mücke

1953 entdeckt, ist Deet, chemisch N,N-Diethyl-3-methylbenzamid, auch heute noch der häufigste Inhaltsstoff von Insketenabwehrmitteln, den so genannten Repellents. Die beispielsweise auch in „Autan Family“ verwendete Substanz wirkt abschreckend gegen ein breites Spektrum von Insekten, darunter auch Krankheitsüberträgern wie Zecken oder Moskitos. Doch trotz seiner weiten Verbreitung ist das Mittel nach wie vor umstritten, da weder die Ansatzstellen im Organismus noch sein Wirkmechanismus bisher eindeutig geklärt waren.

Wirkmechanismus bisher unklar


Lange Zeit vermutete man, dass Deet den Duftrezeptor von Insekten blockiert und damit verhindert, dass diese ihren Wirt anhand von dessen Blut- oder Schweißgeruch wahrnehmen und finden. Jetzt hat ein Forscherteam unter Leitung von Vincent Corbel vom Forschungsinstitut für Entwicklung im französischen Montpellier und Bruno Lapied von der Universität von Angers erneut den Wirkmechanismus und die Toxizität von Deet untersucht und kamen dabei zu einem ganz anderen Ergebnis.

Blockade von Acetylcholinesterase auch bei Säugetieren


Ihre Versuche ergaben, dass Deet nicht nur einen Duftrezeptor, sondern das Enzym Acetylcholinesterase blockiert. Dieses Enzym spielt im Nervensystem eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Signalen von einer Nervenzelle zur nächsten. Es baut den dort wirksamen Botenstoff Acetylcholin nach seinem Einsatz wieder ab und verhindert so eine Dauerregung, die beispielsweise zu Krämpfen führen kann.


„Wir haben festgestellt, dass Deet nicht einfach nur eine verhaltensmodifizierende Chemikalie ist, sondern dass es die Aktivität eines der Schlüsselenzyme des zentralen Nervensystems hemmt, und dies sowohl in Insekten als auch in Säugetieren“, so Corbel. Da auch bei uns Menschen dieses Enzym eine wichtige Rolle spielt, weckt dies nach Ansicht der Forscher ernste Sicherheitsbedenken gegenüber Deet-haltigen Präparaten.

Kombination von Insektenrepellents verstärkt Giftwirkung


Verschärfend kommt hinzu, dass auch Insektizide, die auf Organophosphaten oder Carbamaten beruhen, an diesem Enzym ansetzen. In Versuchen zeigte sich, dass sich die toxische Wirkung der Insektenbekämpfungsmittel gegenseitig verstärkte. Da diese oft in Kombination mit Deet eingesetzt werden, ist die Wirkung – und auch die Giftigkeit – entsprechend höher.

„Diese Ergebnisse stellen die Sicherheit von Deet in Frage, vor allem in Kombination mit anderen Chemikalien”, so Corbel. „Sie unterstreichen auch die Bedeutung eines multidisziplinären Ansatzes bei der Entwicklung von sichereren Insektenrepellents für den Einsatz in der öffentlichen Gesundheit.“
(BioMed Central, 05.08.2009 - NPO)
 
Printer IconShare Icon