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Sonntag, 17.12.2017
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Urzeitspinnen in drei Dimensionen

3D-Modell enthüllt Merkmale und Lebensweise von zwei Spinnenvorfahren

Als vor rund 300 Millionen Jahren die ersten Amphibien das Land eroberten, mussten sich die dort lebenden Gliedertiere an die neue Gefahr anpassen. Einen Hinweis auf deren Strategien geben jetzt zwei
dreidimensionale Modelle von frühen Spinnenvorfahren. Sie zeigen die Merkmale der Tiere in nie zuvor sichtbarem Detail.

Eophrynus prestivicii: Lange Beine und Rückenstacheln

Eophrynus prestivicii: Lange Beine und Rückenstacheln

Vor rund 359 bis 299 Millionen Jahren hatte das Leben gerade begonnen, sich auf dem Land auszubreiten. Die ersten Regenwälder waren auf den Landmassen nahe des Äquator entstanden. In ihnen lebten auch zwei Arten von Gliederfüßlern, entfernte Vorfahren der heutigen Spinnen. Ungefähr so groß wie eine Ein-Cent-Münze waren Cryptomartus hindi und Eophrynus prestivicii, das zeigen erhalten gebliebene Fossilien. Leider aber konnten Wissenschaftler aus den Relikten bisher kaum mehr ablesen, als dass die Tiere vier Beinpaare besaßen und den heutigen Spinnen ähneln.

3D-Modell gibt Einblick auch in Lebensweise


Jetzt aber haben Wissenschaftler des Imperial College London mithilfe des Computertomographen neue Einblicke in die Anatomie dieser urzeitlichen Spinnenvorfahren gewonnen. Aus rund 3.000 Einzelaufnahmen des CT konstruierte eine von ihnen entwickelte Software ein genaues 3D-Modell jedes fossilen Tieres. Die Modelle enthüllten einige der physischen Merkmale, die es den beiden Arten damals ermöglichten erfolgreich nach Beute zu jagen und Fressfeinden zu entgehen.

Lauerjäger Cryptomartus hindi

Lauerjäger Cryptomartus hindi

Cryptomartus: Lauerjäger mit Halteklauen


So zeigen die Aufnahmen dass das vorderste Beinpaar von Cryptomartus hindi nach vorne gedreht war –eine Anpassung an die Jagd, die es ihr erleichterte, ihre Beute zu ergreifen. Nach Ansicht der Forscher deutet dies darauf hin, dass das Tier ein Lauerjäger gewesen sein könnte. Es lebte möglicherweise in Holzstücken oder Streu und wartete dort verborgen auf vorüberkommende Insekten. Ein ähnliches Verhalten ist heute noch bei ihren modernen Nachkommen, den Krabbenspinnen zu beobachten, die, durch ihre Farbe gut getarnt, auf Blüten sitzen und Nektar sammelnde Insekten jagen.


Auch die Mundwerkzeuge des Spinnenvorfahren waren an seine jägerische Lebensweise angepasst: Seine Pedipalpen hatten winzige Fußklauen an ihrem Ende, die dabei halfen, die Beute nach dem Ergreifen zu manipulieren. Kapuzenspinnen (Ricinulei) besitzen heute noch ähnliche Klauen. Eher primitive Merkmale waren dagegen die Ball-artigen Aufwölbungen an der Basis der Extremitäten, die so genannte Coxalendite. Sie sind Relikte, die wahrscheinlich noch von den letzten gemeinsamen Vorfahren von Krebsen und Spinnentieren stammen. Einige Krebsarten heute nutzen solche Verdickungen um ihre Nahrung zu zermalmen, bevor sie sie in ihre Mundöffnung schieben.

Eophrynus: Flinke Beine und Rückenstacheln


Die zweite urzeitliche Art, Eophrynus prestivicii, war kein Lauerjäger, wie das 3D-Modell zeigt. Stattdessen deuten seine langen Beine eher darauf hin, dass die Spinne ihre Beute rennend auf dem offenem Waldboden jagte. Zum ersten Mal konnten die Paläontologen auch feststellen, dass diese Art Abwehrstacheln auf ihrem Rückenpanzer trug. Möglicherweise sollten sie Eophrynus davor schützen, eine Beute von Amphibien zu werden, die zu dieser Zeit gerade das Land erobert hatten.

„Unsere Modell erwecken diese urzeitlichen Kreaturen wieder zum Leben und es ist wirklich aufregend, sie in diese Detailreichtum betrachten zu können“, erklärt Russell Garwood, Hauptautor der Studie. „Unsere Arbeit trägt dazu bei sich ein Bild zu machen, was in dieser Periode der frühen Geschichte des Lebens auf dem Land geschah. Wir vermuten, dass eine der beiden Arten auf die verstärkte Gefahr durch die Amphibien reagierte, indem ihre Rückenstacheln wuchsen. Die andere dagegen wurde zu einem Lauerjäger und lebte versteckt.”

Nach Ansicht des Wissenschaftlers könnte ihre neue Methode auch eingesetzt werden, um andere Fossilien erneut zu untersuchen und so ein klareres Bild über vergangene Lebenswelten zu gewinnen.
(Imperial College London, 05.08.2009 - NPO)
 
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