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Sonntag, 14.03.2010
Afrikanische Flughunde tragen gefährliches Virus
Erreger der Gefahrenstufe vier über den Kot der Tiere verbreitet
Die bisher nur aus Asien und Australien bekannten Henipaviren gehören wie Ebola oder Lassavirus zur Gruppe der gefährlichsten Krankheitserreger beim Menschen. Jetzt haben Forscher auch in Afrika Viren diesen Typs entdeckt. Die in den Städten sehr verbreiteten Flughunde tragen sie in sich und scheiden die Erreger über den Kot aus. Wie groß die Gefahr für die Menschen ist, ist allerdings noch unklar.

Afrikanische Flughunde übertragen Viren, die möglicherweise auch dem Menschen 
gefährlich werden können.
Afrikanische Flughunde übertragen Viren, die möglicherweise auch dem Menschen gefährlich werden können.
© Universität Bonn Afrikanische Flughunde übertragen Viren, die möglicherweise auch dem Menschen 
gefährlich werden können.
Die asiatischen Hendra- und Nipahviren, zusammengefasst als Henipaviren bezeichnet, gelten als extrem gefährlich. Ähnlich wie Ebola-, Marburg- und Lassavirus gehören sie zur höchsten Risikogruppe 4. Beim Menschen verursachen diese Viren eine Gehirnentzündung, die in vielen Fällen zum Tode führt. „Diese Viren sind erst seit gut zehn Jahren bekannt", erklärt Professor Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. "Weil man davon ausging, dass sie nur in Australien und Asien vorkommen, wurden Menschen in Afrika bisher noch nicht darauf getestet."

Virus auch in Afrika verbreitet
Möglicherweise war das ein Fehler, wie die Entdeckung von Drostens Team im westafrikanischen Ghana nun zeigt. Denn Henipaviren haben einen viel größeren geografischen Verbreitungsraum als gedacht. Zwar kommen in Afrika keine Fledermäuse der Gattun Pteropus vor, die die Viren in Asien übertragen. Dafür ist aber der Palmenflughund (Eidolon helvum) auf dem afrikanischen Kontinent weit verbreitet.

Die vergleichsweise großen, fruchtfressenden Fledermäuse hängen tagsüber in riesigen Kolonien von tausenden bis zu einer Million Exemplaren an Bäumen. Nachts machen sie sich auf Futtersuche. Dem Regen folgend, legen Palmenflughunde im Jahresverlauf bis zu 2.000 Kilometer zurück, um geeignete Nahrungsgründe zu erschließen. Auf diesem Weg erfüllen die Tiere auch eine bedeutende ökologische Rolle bei der Verbreitung von Pflanzensamen.

Die Flughunde hängen tagsüber in riesigen Kolonien an den Bäumen
Die Flughunde hängen tagsüber in riesigen Kolonien an den Bäumen
© Universität Bonn Die Flughunde hängen tagsüber in riesigen Kolonien an den Bäumen
Frappierender Befund
Im Kot der Palmenflughunde haben die Bonner Forscher per Genanalyse Viren entdeckt, die den asiatischen Henipaviren verwandtschaftlich sehr nahe stehen. "Das ist ein frappierender Befund, wenn man bedenkt, wie weit verbreitet Eidolon helvum in Afrika ist", erklärt Drostens Mitarbeiter Jan Felix Drexler. Dazu komme, dass in afrikanischen Großstädten riesige Schwärme lebten und die Einwohner praktisch überall dem Kot ausgesetzt seien.

„In der zweitgrößten ghanaischen Stadt Kumasi gibt es nach unserer Studie mindestens 300.000 Flughunde", so Drexler. Doch noch ist überhaupt nicht klar, ob das afrikanische Virus auch auf den Menschen übertragen werden kann. "Angesichts der Gefährlichkeit der asiatischen Henipaviren müssen wir nun dringen eine Antwort auf diese Frage finden", betont Drosten.

Epidemiologische Untersuchung als nächster Schritt
Das Forscherteam, zu dem auch Ghanaische Kollegen gehören, plant deshalb eine systematische epidemiologische Untersuchung von Menschen in Ghana. Weil bei vielen Gehirn- und Hirnhautentzündungen bei Menschen in Afrika keine Ursache gefunden wird, lohne es sich jetzt, Kranke mit bestimmten Symptomen speziell auf Infektionen mit dem Henipavirus zu testen. Auch für Patienten nach einer Afrikareise ergäben sich neue Möglichkeiten der medizinischen Diagnostik.
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