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Samstag, 11.02.2012
Grillen: Rotes Fleisch fördert Dickdarmkrebs
Eisenhaltige Verbindungen werden im Körper zu krebserregenden Substanzen umgebaut
Wer Rind- und Schweinefleisch grillt, spielt mit dem Feuer – nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch gesundheitlich gesehen. Denn rotes, eisenhaltiges Fleisch kann zur Bildung von krebserregenden Verbindungen im Darm führen. Eine amerikanische Langzeitstudie belegt ein erhöhtes Sterberisiko für Esser von rotem Fleisch. Gefügel und Fisch dagegen gelten als unbedenklich.

Fleisch auf dem Grill
Fleisch auf dem Grill
© SXC Fleisch auf dem Grill
Schwein, Rind und Lamm stehen beim Grillen besonders hoch im Kurs. Allerdings vermuten Wissenschaftler aufgrund epidemiologischer Studien schon seit längerem einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem, eisenhaltigen Fleisch und Dickdarmkrebs. Diese zweihäufigste Tumorerkrankung in Deutschland, an der jedes Jahr etwa 70.000 Menschen erkranken, ist nur zu zehn Prozent genetisch bedingt. Die restlichen 90 Prozent der Fälle werden durch Umweltfaktoren induziert. Vor allem die Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Einen deutlichen Beleg für die erhöhte Mortalität durch den Verzehr von rotem Fleisch liefert eine Langzeitstudie des National Institute of Health (NIH) der USA. In dieser Studie werden eine halbe Million Amerikaner im Alter zwischen 50 und 71 Jahren über lange Zeit auf ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten hin beobachtet. Eine Zwischenbilanz zehn Jahre nach Studienbeginn ergab für Menschen, die häufig unverarbeitetes rotes Fleisch aßen, ein signifikant erhöhtes Sterberisiko. Dasselbe galt auch für verarbeitetes rotes Fleisch, etwa in Form von Wurstwaren.

Die amerikanischen Forscher führen die erhöhte Sterberate zum Beispiel auf ein erhöhtes Risiko einer Krebserkrankung und auf eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos zurück. Der Verzehr von weißem Fleisch wie Geflügel oder Fisch war dagegen mit einem geringeren Risiko für Karzinome assoziiert. Einen möglichen Mechanismus erklärt Professor Pablo Steinberg von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Er stellte jüngst neue Ergebnisse zur Entstehung von Dickdarmkrebs vor. Demnach werden als Krebsauslöser neben polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und mit der Nahrung aufgenommenen speziellen Stickstoffverbindungen inzwischen auch im Körper selbst gebildete Stickstoffverbindungen wie Nitrosyl-Häm und S -Nitroso-Thiole diskutiert.

Diese Substanzen entstehen bereits im Dünndarm und später auch im Dickdarm in Abhängigkeit vom Eisen-Gehalt im verzehrten Fleisch. Durch Reaktion der N-Nitrosoverbindungen mit Aminosäuren kommt es zur Bildung diverser Zwischenprodukte, wie zum Beispiel Diazoacetat. Aus dieser Substanz entstehen wiederum kurzlebige Verbindungen, die sich in den Darmzellen an die Basen der DNA anlagern und so genannte DNA-Addukte bilden können.

Die derart modifizierten Basen können nur schlecht von den DNA-Reparaturenzymen wiederhergestellt werden. Entsprechende DNA- Addukte konnten in Stuhlproben von Probanden nach Verzehr großer Mengen roten Fleisches bereits nachgewiesen werden. Ob diese Verbindungen zur Bildung von Dickdarmkrebs beitragen, muss noch im Detail gezeigt werden.
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