Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 09.02.2012
Nano-Violinsaite schwingt im Elektronentakt
Einfluss einzelner Elektronen auf frei schwingendes Nanoröhrchen gemessen
Schon ein einzelnes Elektron genügt, um die Schwingungen eines frei schwingend aufgehängten Nanoröhrchens zu beeinflussen. Wie und in welchem Maße haben nun erstmals niederländische Forscher mithilfe einer Nano-Violinsaite ermittelt. Ihre jetzt in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichtes Experiment liefert wichtige Informationen auch für Nanobauteile der Zukunft.

Kohlenstoff-Nanoröhrchen gelten als Bausteine der Zukunft, denn sie sind klein, flexibel und können in fast maßgeschneiderten Eigenschaften produziert werden. Besonders spannend ist es, wenn die Nanoröhren nicht auf einem Material aufliegen, sondern frei schwingend aufgehängt werden. Dann können sie in extrem hohen Frequenzen vibrieren und dabei neue Quanteneffekte hervorrufen.

Das hier frei schwingend aufgehängte Nanoröhrchen ist 800 Nanometer lang.
Das hier frei schwingend aufgehängte Nanoröhrchen ist 800 Nanometer lang.
© TU Delft Das hier frei schwingend aufgehängte Nanoröhrchen ist 800 Nanometer lang.
Schwingend wie eine Violinsaite
Nanoforscher der technischen Universität Delft in den Niederlanden haben nun ein Nanoröhrchen von nur 800 Nanometern Länge so zwischen zwei Blöcken aufgehängt, dass es ungestört vibrieren kann. Dann legten sie ein alternierendes elektrisches Feld an das Röhrchen an und brachten es so zum Schwingen –ähnlich einer Nano-Violinsaite. Das gesamte Experiment fand im ultrakalten Milieu statt – bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt.

Den Wissenschaftlern um Gary Steele gelang es dabei, die Anzahl der Elektronen, die sich auf dem Röhrchen befanden gezielt zu variieren. Je nach Elektronenanzahl veränderte sich dabei das Vibrationsverhalten und damit auch die Frequenz der Schwingungen leicht. Durch Ausmessen dieser winzigen Änderungen konnten die Forscher sogar feststellen, welchen Einfluss nur ein einziges Elektron auf das Röhrchen hatte.

Erkenntnisse für zukünftige NEMS
Versuche wie dieser bilden wichtige Grundlagen nicht nur für das theoretische Wissen um das Verhalten von Nanoröhrchen, sondern auch für die Entwicklung von Nanoelektromechanischen Systemen, den so genannte NEMS. Diese umfassen winzige Motoren, Schalter oder Instrumente, die als Nanobauteile eingesetzt werden könnten.

Sie gelten als die logischen Nachfolger der etwas größeren Mikroelektromechanischen Systeme (MEMS), die heute bereits in vielen Anwendungen genutzt werden, wie beispielweise den Bewegungssensoren von Airbags in Autos. Im Zuge der immer weiter gehenden Miniaturisierung ist es auch hier das Ziel, eines Tages solche Bauteile auf den Nanomaßstab zu schrumpfen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Nanoröhrchen, Schwingung, Elektron, Vibration, Frequenz, Nanotechnologie, Nanobauteile, Nanoelektronik, Quanteneffekte, Quantencomputer
Weitere News zum Thema
Nano-Endoskop ermöglicht Blick in die lebende Zelle (28.12.2011)
Neues Verfahren kann Wirkstoffe gezielt ins Zellinnere einschleusen
Leichtestes Metall der Welt besteht zu 99,99 Prozent aus Luft (21.11.2011)
Gitter aus hohlen Metallröhrchen macht Material leicht und stabil zugleich
Nanoröhrchen „stehlen“ Grünalgen Licht (07.11.2011)
Forscher untersuchen Auswirkungen von Nanopartikeln auf Ökosysteme in Gewässern
Nanoröhrchen täuschen Zellen (19.09.2011)
Ursache für gesundheitsschädliche Wirkung von Asbest und Nanofasern auf Gewebe aufgeklärt
Nanoröhrchen als Gas-Sensoren (17.08.2011)
Wissenschaftler des TRM Leipzig entdecken neue Eigenschaft von Nanoröhrchen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Quantencomputer
Nanotechnologie
Neurocomputer
Dossiers zum Thema
Nanoröhrchen
Kohlenstoffwinzlinge als Bausteine für Computer der Zukunft
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Das Geheimnis des richtigen Spins
Auf der Suche nach ferromagnetischen Halbleitern für elektronische Bauteile
News des Tages
Nano-Violinsaite schwingt im Elektronentakt
Ameisen rationaler als Menschen?
Hitzeschockproteine schützen vor grauem Star
„Schicksals“-Protein macht Zellen zu Tumor-Stammzellen
Zellen bekämpfen Viren mit Mathematiker-Strategie
Insekten-Taxi per Duft-Manipulation
Grillen: Rotes Fleisch fördert Dickdarmkrebs
Bücher zum Thema
Nanotechnologie für Dummies
Spannende Entdeckungen aus dem Reich der Zwerge von Richard D. Booker und Earl Boysen
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Die Wunder maschine
Die unendliche Geschichte der Daten- verarbeitung von Herbert Matis
Top-Clicks der Woche
1. Wie der Maulwurf zu zwölf Fingern kommt
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
4. Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn
5. Tempolimit auf dem Quanten-Highway