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Samstag, 11.02.2012
Bauchspeck bei Männern und Frauen anders
Genetischen Hinweis für geschlechtsspezifische Unterschiede bei zentraler Fettleibigkeit gefunden
Wissenschaftler haben erstmals einen genetischen Hinweis auf die typischen Unterschiede in der Bauchform von Männern und Frauen gefunden. Sie entdeckten drei neue Genorte für die zentrale Fettleibigkeit, von denen einer nur bei Frauen auftritt. Auf lange Sicht könnten die jetzt in der Fachzeitschrift „PloS Genteics“ veröffentlichten Forschungsergebnisse auch dazu beitragen, die Rolle der zentralen Adipositas für chronische Krankheitsbilder wie Diabetes oder Herzerkrankungen zu verstehen und so möglicherweise auch Therapieansätze zu entwickeln.

Männer mit Bauchspeck
Männer mit Bauchspeck
© SXC Männer mit Bauchspeck
Die Menschen werden immer dicker – und immmer kränker. Denn Adipositas, die extreme Fettleibigkeit, ist einer der Hauptrisikofaktoren für Herzerkrankungen und Diabetes. Ein entscheidender Risikofaktor für diese chronischen Erkrankungen ist insbesondere die erhöhte Fettsammlung am Bauch. Bei hohem Taillenumfang oder einem Taillen-Hüft-Verhältnis von über 1 spricht man umgangssprachlich von einem "Apfeltyp" oder Bauchspeck. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen typisch männlichen und typisch weiblichen Bauchformen. Die genauen Gründe dafür waren bislang nicht vollständig entschlüsselt.

Im Rahmen des internationalen GIANT-Konsortiums zur genetischen Untersuchung von anthropometrischen Parametern haben nun Professor Iris Heid und Kollegen aus Oxford und Innsbruck drei neue Genorte für die zentrale Adipositas gefunden. Dafür werteten die Wissenschaftler genomweiten Genvarianten-Daten von 16 Studien mit 40.000 Personen für Taillenumfang und das Taillen-Hüftumfang-Verhältnis in einer Meta-Analyse aus. Nach Bestätigung der Ergebnisse bei weiteren 70.000 Personen ist es ihnen gelungen, drei neue Gene zu identifizieren, die zuvor noch nicht im Fokus der Adipositasforschung standen.

Einer der drei Genorte, das TFAP2B Gen, ist hauptsächlich in den Fettzellen exprimiert und deshalb ein sehr plausibler Kandidat für Adipositas. Der biologische Mechanismus für die anderen beiden genetischen Varianten, eine in der Nähe des LYPLAL1 Gens und die andere im MSRA-Gen, ist noch unbekannt.

Gendefekt nur bei Frauen
"Einer der Geneffekte, die wir gefunden haben, tritt nur bei Frauen auf", erläutert Iris Heid, die vor kurzem vom Helmholtz Zentrum München an das Universitätsklinikum Regensburg gewechselt ist. "Damit haben wir erstmals einen genetischen Hinweis auf den verbreiteten Unterschied im Verhältnis zwischen Taille und Hüftumfang zwischen Männern und Frauen gefunden."

Unterschiede zwischen Mann und Frau finden sich auch in der Verbreitung von Krankheitsbildern, die als Folge von Adipositas entstehen können. Zum Beispiel treten Herzerkrankungen bei Frauen weniger häufig auf als bei Männern. Die genauen Gründe für diese Unterschiede sind jedoch noch nicht vollständig entschlüsselt. Ohne Zweifel spielen genetische Effekte für die Entstehung von Adipositas im Vergleich zu Ernährung und Bewegung eine nachgeordnete Rolle.

„Aber gerade für die Aufklärung möglicher geschlechtsspezifischer Ursachen bei der Entstehung von Adipositas und chronischen Folgekrankheiten wie Diabetes oder Herzerkrankungen bieten uns die gefundenen Genorte einen neuen und vielversprechenden Ansatz", so Iris Heid.
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