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Montag, 22.05.2017
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5.700 Pannen in Atomanlagen

Greenpeace veröffentlicht Chronik der meldepflichtigen Ereignisse

Rund 5.700 als „meldepflichtige Ereignisse“ bezeichnete Unregelmäßigkeiten in Atomkraftwerken hat es nach Greenpeace-Recherchen in den letzten 50 Jahren in Deutschland gegeben. Auslöser der Störungen im AKW-Betrieb waren unter anderem Kühlwasserleckagen und Löcher im Druckwasserbehälter, beschädigte Rohrleitungen und Ventile, totaler Stromausfall und Feuer sowie eine Wasserstoffexplosion nahe des Reaktordruckbehälters.
Atomkraftwerk Brunsbüttel

Atomkraftwerk Brunsbüttel

Greenpeace veröffentlichte die Panneliste gestern anlässlich der Veranstaltung zum 50. Jahrestag des Deutschen Atomforums, bei der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel als Festrednerin auftrat. Greenpeace forderte erneut die sofortige Abschaltung der sieben ältesten AKW und den vollständigen Atomausstieg bis 2015.

„Jede dieser 5.700 Pannen hätte zu einer Atom-Katastrophe führen können. Die Risiken der Atomkraft haben sich durch alternde Reaktoren und neue Gefahren wie terroristische Anschläge deutlich erhöht“, erläutert Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer.

Erneute Panne in Krümmel


Erst vorgestern war bekannt geworden, dass es im gerade wieder angefahrenen AKW Krümmel eine erneute Panne gegeben hatte. „Der Pannenreaktor Krümmel muss ebenso wie die sieben ältesten deutschen Meiler sofort vom Netz“, so Münchmeyer.


Mit einer sechs Meter langen Attrappe eines Castor-Transportbehälters für Atommüll und einem Banner mit der Aufschrift „Die Menschen wollen keine Atomkraft, Frau Merkel“ protestierte Greenpeace am Abend vor dem E-Werk in Berlin gegen den Schulterschluss von Merkel mit der Atomindustrie. Die CDU fordert in ihrem Wahlprogramm eine Laufzeitverlängerung für alte Atomkraftwerke.

Ein halbes Jahrhundert Lug und Trug?


Ungewöhnlich heftig hat sich unterdessen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel zum Jubiläum des Atomforums geäußert: „50 Jahre Atomforum – das bedeutet ein halbes Jahrhundert Lug und Trug. Die Propagandazentrale der Atomkonzerne steht wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind.“

Der vor mehr als zehn Jahren eingeleitete Paradigmenwechsel in der Energiepolitik, der Ausstieg aus der risikoreichen Atomenergienutzung, der Aufbruch in eine zukunftsfähige Energieversorgung ohne Öl und Atom – all das sei an den Propagandisten des Atomforums nahezu spurlos vorbeigegangen.

Gabriel: Dinosauriertechnologie Atomkraft


„Lebewesen, die längst vergangene Epochen und Zeitenwenden überdauert haben, werden in der Biologie als ‚lebende Fossile‘ bezeichnet. Das Deutsche Atomforum ist das lebende Fossil aus der Atomsteinzeit. Die Dinosauriertechnologie Atomkraft steht nicht vor einer Wiedergeburt, wie manche glauben machen wollen, sondern vor ihrem Ende. Und mit dem absehbaren Abschalten des letzten Atomkraftwerks in Deutschland wird auch das Deutsche Atomforum dort landen, wo es hingehört: auf den Misthaufen der Geschichte.“

Neubewertung der Kernenergie nötig?


Anders sieht das naturgemäß das Deutsche Atomforum: „Die schrille und hysterische Reaktion Sigmar Gabriels spricht für sich selbst. Auch Deutschland wird um eine Neubewertung der Kernenergie nicht herumkommen. Das weiß auch Herr Gabriel“, so Walter Hohlefelder, Präsident des Deutschen Atomforums (DAtF).

Zugleich erneuerte er die Forderung nach einer Neubewertung der Kernenergie in Deutschland, einschließlich der Lösung der Entsorgungsfrage: „Wenn es beim Ausstieg bliebe, würden schon in der nächsten Legislaturperiode sieben der 17 Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Das sind zehn Prozent der Stromproduktion und 20 Prozent der Grundlast. Dies würde nicht ohne negative Folgen für den Industrie- und Wirtschaftsstandort bleiben.“

Einer Studie des Bundesumweltministeriums vom vergangenen Freitag zufolge ist allerdings entgegen den Behauptungen des Deutschen Atomforums nicht davon auszugehen, dass Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken zu einer Senkung der Strompreise führen. Im Gegenteil, so hieß es, es sei sogar die Möglichkeit gegeben, dass bei einer Laufzeitverlängerung das Strompreisniveau steigt.
(Greenpeace/BMU/Deutsches Atomforum, 02.07.2009 - DLO)
 
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