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Dienstag, 17.01.2017
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Schweinegrippe-Erreger ist Nachkomme des Pandemie-Virus von 1918

Erster Stammbaum der Influenza A/H1N1 enthüllt Entwicklung bis heute

Das Virus der Schweinegrippe neuen Typs, Influenza A/H1N1, ist ein Nachkomme des Pandemie-Virus von 1918. Das zeigt ein Stammbaum des Pandemie-Erregers, den amerikanische Forscher jetzt erstmals aufgestellt haben. Er zeigt deutlich, dass verschiedene Stämme des Virus parallel im Menschen, im Schwein und in Vögeln überdauerten und bis heute zirkulieren.
Virus der Schweinegrippe neuen Typs: Influenza A H1N1

Virus der Schweinegrippe neuen Typs: Influenza A H1N1

Noch ist der Siegeszug der Schweinegrippe neuen Typs ungebrochen und viele Mediziner fürchten, dass uns das Schlimmste, eine zweite Welle, noch bevor steht. Dann könnte die Influenza durch Mutationen und Genaustausch deutlich aggressiver wirken als bisher noch. Ähnlich war es schon einmal vor rund 90 Jahren: Auch damals raste ein Influenza Virus Typ A/H1N1 in mehreren Wellen um die Welt und forderte Millionen von Todesopfern.

Gründer einer Dynastie


Was aber hat das neue Virus neben den Kürzeln seines Namens noch mit dem alten Pandemie-Erreger gemeinsam? Mehr als viele zunächst glaubten. Denn jetzt haben Wissenschaftler des amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) erstmals den genauen Stammbaum des H1N1 Virus aufgestellt. Sie stellten dabei fest, dass das Virus von 1918 der „Gründervater“ einer ganzen Dynastie von Influenzaviren ist, die bis heute auf der Erde zirkulieren.

„Die Influenza-Pandemie von 1918/19 war ein prägendes Ereignis in der Geschichte der öffentlichen Gesundheit“, erklärt Anthony S. Fauci, Direktor am NIAID. „Das Erbe dieser Pandemie lebt auf vielen Wegen weiter, darunter auch durch die Tatsache, dass die Nachkommen des Virus von 1918 seit neun Jahrzehnten zirkulieren.“


Stammbaum des Pandemie-Virus

Stammbaum des Pandemie-Virus

Gene: Rekombination und Austausch als Erfolgsrezept


Influenza-Viren besitzen acht Gene, von denen zwei die Oberflächenproteine Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) kodieren. Diese sorgen dafür, dass das Virus in die Wirtszelle eindringen kann und sich dann später von Zelle zu Zelle ausbreiten. „Die acht Influenza-Gene sind wie die Spieler in einem Team“, so David M. Morens vom NIAID. Und dieses Team verändert sich und seine Leistungen kontinuierlich. „Bestimmte Spielerkombinationen entstehen dabei durch Zufall und verleihen dem Virus neue Fähigkeiten, wie beispielsweise die Fähigkeit, einen neuen Wirt zu infizieren.“

1918 sorgte eine solche Genveränderung im Gründervirus dafür, dass dieses nicht mehr wie bisher nur für Vögel infektiös war, sondern auch auf Menschen überspringen und sich in dieser neuen Wirtspopulation verbreiten konnte.

Pandemie-Ära läuft seit 1918


„Alle heute an den Menschen angepassten Influenza A Viren – sowohl die saisonalen Varianten als auch diejenigen, die dramatischere Pandemien auslösten – sind Nachkommen, direkt oder indirekt, dieses Gründervirus“, so Jeffery K. Taubenberger, Leitender Forscher am Labor für infektiöse Krankheiten des NIAID. „Daher könnte man sagen, dass wir in einer Pandemie-Ära leben, die bereits 1918 begann.“

Doch der Virus von 1918 schaffte es nicht nur, auf den Menschen überzuspringen und innerhalb von knapp zwei Jahren Millionen von Menschen zu töten – während der Pandemie wurde H1N1 auch auf Schweine übertragen. In diesen überlebte und entwickelte sich das Virus ebenso wie seine Verwandten im Menschen bis zum heutigen Tag.

Aggressivität sank im Laufe der Zeit


„Seit 1918 hat dieses zähe Virus einen ganzen Sack von evolutionären Tricks eingesetzt, um in der einen oder anderen Form zu überleben“, so die NIAID-Forscher. „Unter anderem setzen sie eine Brut von neuen Nachkommen-Viren mit neuen Genkombinationen in die Welt, indem sie periodisch virale Gene austauschten.“

Die 1918 gegründete Dynastie macht bisher keine Anstalten, abgelöst zu werden, aber eine gute Nachricht haben die Wissenschaftler dann doch: Alles deutet darauf hin, dass die sukzessiven Pandemien und Ausbrüche im Laufe der Jahrzehnte immer schwächer geworden sind. Teilweise liege das an medizinischen Fortschritten, aber es könnte auch Ausdruck eines evolutionären Mechanismus sein. Dabei hat der Erreger zugunsten einer besseren Übertragung seine Pathogenität reduziert.

Reichlich offene Fragen


„Obwohl wir darauf vorbereitet sein müssen, einer neuen und schweren Influenza-Pandemie, ausgelöst durch ein vollkommen neues Virus, ausgesetzt zu sein, müssen wir auch weiterhin die Faktoren und Dynamik der gegenwärtigen Pandemie-Ära erforschen“, so die Wissenschaftler. Denn noch sind zahlreiche Fragen zu H1N1 und seiner langen Entwicklung offen:

Wie schaffen es neue Genkombinationen der Influenza, von Wasservögeln auf einen neuen Wirt wie beispielsweise Menschen oder andere Säugetiere überzuspringen? Und welche Faktoren bestimmen, ob eine Infektion im neuen Wirt eine Sackgasse wird oder aber weiter von Wirt-zu-Wirt übertragen wird? Antworten auf diese Fragen werden dringend gebraucht – unter anderem auch, um gegen eine erneute Angriffswelle der Influenza gewappnet zu sein.
(NIAID, 01.07.2009 - NPO)
 
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