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Sonntag, 26.03.2017
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Monarchfalter mit schwerem Reisegepäck

Radio-Transmitter macht Beobachtung der Tierwanderung möglich

Monarchfalter legen jedes Jahr tausende von Kilometern auf ihrer Wanderung zurück. Jetzt ist es Wissenschaftlern zum ersten Mal gelungen, die Tiere auf ihrer Reise aus dem Winterquartier in Mexiko mit Spezialgerät - einem Radio-Transmitter - zu versehen und sie auf ihrem Weiterflug zu den Großen Seen in Kanada über eine längere Distanz mit dem Flugzeug zu verfolgen.
Monarchfalter

Monarchfalter

Lawrence, ein kleiner Ort in Kansas, 20. Mai 2009. Auf dem örtlichen Flugplatz stehen Wissenschaftler und ein Kamerateam beieinander, die Konzentration ist förmlich spürbar: Ein kleiner sechsbeiniger Besucher wird sachkundig zwischen drei Fingern gehalten und vorsichtig bekommt er mittels Pinzette und Klebstoff ein kleines Paket mit auf den Weg.

Radio-Transmitter am Unterleib


Ein winziger Radio-Transmitter an seinem Unterleib, der immerhin die Hälfte seines Gewichts ausmacht, soll den Monarchfalter nach seinem Zwischenstopp auf seiner Weiterreise begleiten.

Die Wissenschaftler Chip Taylor, Direktor der Organisation „Monarch Watch“ an der Kansas University und Professor Martin Wikelski, Professor für Ornithologie an der Universität Konstanz und Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, hoffen, auf diese Weise erstmals die Falter, die mit einem Sender versehen sind, zum Fliegen zu bewegen und ihnen mit einem Kleinflugzeug zu folgen.


Erster Schritt: Kraft sammeln


Zunächst wurden die flatterhaften Gäste ausreichend gefüttert, um genügend Kraft zu haben die Transmitter zu tragen. Nachdem ein Schmetterling freigelassen wurde, folgten Wikelski und Taylor seinen Signalen. „Genau wie wir erwarteten flog er in Richtung Nord-Nordost“, sagte Taylor nach dem Flug, „und er legte eine Strecke von 11,4 Meilen zurück.“

Der Monarchfalter wurde anschließend zuerst vom Flugzeug und dann vom Auto aus geortet, in der Vegetation gesucht und von seiner Last befreit. In den nächsten Tagen hoffen die Forscher auf etwas windstillere Bedingungen, um eine größere Anzahl besenderter Exemplare freizulassen. Anschließend werden die ermittelten Daten in die von Wikelski initiierte „Movebank“, eine Datenbank für globale Tierbewegungen, eingegeben und können dort abgerufen werden, zum Beispiel von staatlichen Umweltschutzämtern oder von Schulen.

Der Monarchfalter ist das bekannteste Beispiel für wandernde Schmetterlingsarten. Millionen von Individuen fliegen in einem großen Schwarm im März von den Bergen Mexikos nach Norden. Im April sind sie am Rio Grande an der Grenze zu den USA. Dort legen die Weibchen die ersten ihrer 400 Eier ab. Die Raupen leben von giftigen Wolfsmilchgewächsen, die sie für ihre natürlichen Fressfeinde, die Vögel, ungenießbar machen. Die auffällige Färbung ihrer Flügel ist ein Warnsignal für andere Tiere.

Tod in Texas


Anfang Mai sind die Falter dann in Texas, wo die gefahrvolle und anstrengende Reise dieser Generation mit dem Tod endet. Doch die folgende Generation führt die Wanderung fort. Die verpuppten und geschlüpften Nachkommen paaren sich und fliegen weiter nach Norden. Diese zweite Generation erreicht dann etwa den Breitengrad der Stadt Washington. Doch schon schlüpft die Enkelgeneration der mexikanischen Überwinterer und legt ihre Eier in Pennsylvania und dann in Kanada bei den großen Seen ab.

Die Imagines, das heißt die adulten Tiere, dieser Generation, leisten Großartiges: Sie überqueren mithilfe kräftiger Aufwinde den Eriesee und bewältigen daraufhin die 7.000 Kilometer gen Süden, um im Spätherbst wiederum Mexiko zu erreichen.

Noch niemals zuvor konnte jedoch ein Individuum auf seiner Reise genau beobachtet werden, was aber nun durch die erfolgreiche Arbeit der Biologen möglich sein wird. „Jetzt können wir endlich Wanderungen von Walen, Vögeln, Fledermäusen und Insekten vergleichen und Gesetzmäßigkeiten beschreiben, die uns erlauben, Zugphänomene wie das der Wanderheuschrecken voraus zu sagen“, so Wikelski.

Schmetterlinge erhalten Sender

Schmetterlinge erhalten Sender

Techniktest auf Mainau


Trotz seiner langjährigen Erfahrung mit der Beobachtung von wandernden Tierarten mithilfe kleiner Sender wollte Wikelski zuvor in kleinem Rahmen testen, ob die Klebermischung den Metallsender auf dem Bauch des Schmetterlings zuverlässig befestigt, der Schmetterling mit seiner nicht unbeträchtlichen Last noch fliegen kann und ob man das Signal mit Richtantennen einfangen kann. Dies geht kaum in einem Labor.

Das Schmetterlingshaus der Insel Mainau bot hierfür die besten Voraussetzungen. In der tropischen Landschaft findet der Besucher mehr als 40 Arten farbenprächtiger Falter. Die umgebende Gartenanlage dient als Eiablageplatz und Futterpflanze für heimische Schmetterlingsarten.

Klebstoff am Bauch


Hier besorgten die Mainau-Gärtner Puppen von Monarchfaltern für den Testlauf. Kaum waren diese geschlüpft, fing Wikelski einen in der Morgenkühle noch etwas benommenen Schmetterling. Vorsichtig wurde ein Klebstoffpunkt auf den Bauch gesetzt, der Transmitter aufgesetzt, der Trocknungsprozess abgewartet und der Schmetterling zum Erholen und Kräfte sammeln auf ein Wandelröschen gesetzt.

Sehr erschöpft von der Prozedur, wollte sich der Monarch zunächst nicht in die Luft erheben - doch dann taumelte er noch etwas unsicher davon, und immer sicherer, je länger er sich an das ungewohnte Gewicht gewöhnen konnte.

Auch Zugwege anderer Schmetterlinge im Visier


Wer in den vergangenen Maitagen den millionenfachen Zug der Distelfalter in Süddeutschland beobachten durfte, die alljährlich im Frühjahr aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum nach Deutschland einwandern, kann sich der Faszination des Gegensatzes zwischen den zarten Wesen und ihrer Fähigkeit, enorme Strecken und Höhen zu überwinden, nicht entziehen.

Auch die Zugwege dieser und anderer Schmetterlingsarten, die jährlich die Alpen überwinden, können jetzt endlich im Detail erforscht werden, so die Forscher.

Ein Film zum Projekt


Das aktuelle Projekt begleitet ein Team von „National Geographic“, um das Besendern im Rahmen ihres für 2010 geplanten Films „The Science of Migration“ (Die wissenschaftliche Erforschung der Tierwanderungen) zu dokumentieren.
(idw - MPG, 29.06.2009 - DLO)
 
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