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Freitag, 10.02.2012
Wattenmeer ist Welterbe
Einzigartiger Naturraum steht ab jetzt auf einer Stufe mit den Galapagos-Inseln und dem Grand-Canyon
Das Wattenmeer ist Welterbe. Dies hat am Freitag das Welterbe-Komitee der UNESCO bei der jährlichen Sitzung im spanischen Sevilla beschlossen. Damit steht der einmalige Naturraum zukünftig auf einer Stufe mit den Galapagos-Inseln, dem Grand-Canyon-Nationalpark oder dem australischen Great Barrier Reef.

Wattenmeerküste
Wattenmeerküste
© Andreas Heitkamp Wattenmeerküste
Mit dieser vom WWF unterstützten Anerkennung ist auch eine Verantwortung zur dauerhaften Erhaltung verbunden. „Der WWF erwartet von Politik und Industrie, allen voran der Ölindustrie, dass sie die Anerkennung als Weltnaturerbe respektiert und auf jeden Bergbau im Wattenmeer verzichtet“, sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerprojekts. „Niemand braucht ausgerechnet Öl aus dem geschützten Watt.“

Die Industrie müsse aufhören, sich immer neue Ausnahmen für missbräuchliche Nutzungen im Nationalpark zu erstreiten und auf jede Ausweitung der Ölförderung verzichten.

Großer Tag für den Naturschutz
„Heute ist ein großer Tag für den Naturschutz in Deutschland“, kommentierte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die UNESCO-Entscheidung. „Das Wattenmeer ist eines der größten Feuchtgebiete der Welt, in dem jährlich zehn bis zwölf Millionen Zugvögeln Station machen – und zugleich ein außergewöhnlich dynamischer Naturraum. Nirgendwo auf der Welt hat sich unter dem Einfluss der Gezeiten eine vielfältigere Landschaft entwickelt, die sich noch heute immer wieder verändert. Rund 10.000 Arten haben hier ihren Lebensraum“, betonte Gabriel.

„Die Aufnahme in die Welterbeliste ist auch eine Anerkennung für das hohe Schutzniveau, dass Deutschland, die Niederlande und Dänemark seit Jahren gemeinsam gewährleisten“, so Gabriel weiter.

Klimawandel bedroht Wattenmeer
Eine große Gefahr für das Weltnaturerbe Wattenmeer stellt nach WWF-Angaben jedoch der durch den Klimawandel verursachte Anstieg des Meeresspiegels dar. Dieser könne in der flachen Landschaft der Nordseeküste besonders schwere Auswirkungen für Mensch und Natur haben. Wattflächen und Salzwiesen drohen dauerhaft überflutet zu werden, auch Inseln könnten dann in Gefahr geraten. In begrenztem Umfang ist nach WWF-Einschätzung eine Anpassung jedoch noch möglich. So könne etwa durch Ablagerung von Schlick und Sand das Watt mit dem Meeresspiegel mitwachsen.

„Die immer höher werdenden Investitionen für den Küstenschutz müssen auch so eingesetzt werden, dass die natürliche Anpassung an den Meeresspiegelanstieg gefördert wird. Das ist unsere einzige Möglichkeit die einmalige Küstenlandschaft an der Nordsee auch langfristig zu erhalten“, sagt Rösner.

WWF: Dänemark und Hamburg müssen sich anschließen
Für die Umweltschützer ist es außerdem ein besonderer Wermutstropfen, dass nur der größte Teil des deutschen sowie das niederländische Wattenmeer den Titel Weltnaturerbe erhalten haben. Der WWF hofft, dass Dänemark und das Bundesland Hamburg nun so bald wie möglich einen entsprechenden Antrag bei der UNESCO stellen und sich mit ihren Wattgebieten anschließen.

Ziel sollte sein, dass der gesamte Watt-Raum zu einem gemeinsamen Weltnaturerbe wird. Dies helfe nicht nur bei der Bewahrung des einmaligen Ökosystems, sondern nütze auch den Anwohnern, so der WWF. Schließlich profitiert vor allem der Tourismus von einer intakten Natur und von der Auszeichnung als Weltnaturerbe.
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