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Sonntag, 23.07.2017
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Dresdener Elbtal kein Welterbe mehr

Bau der Waldschlößchenbrücke führt zu UNESCO-Entscheidung

Das Dresdener Elbtal ist wegen des Baus der so genannten Waldschlößchenbrücke von der Welterbeliste gestrichen worden. Dies teilte gestern die UNESCO-Welterbekommission mit. Während die Sächsische Landesregierung die Aberkennung des Titels bedauerte, zeigten viele Umweltschutzorganisationen Verständnis für die Entscheidung.
Das Elbtal und Dresden

Das Elbtal und Dresden

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete die Entscheidung beispielsweise als „schallende Ohrfeige für jene, die ohne Rücksicht auf den Schutz von seltenen Naturrefugien, Landschaften und Kulturdenkmälern inakzeptable Bauprojekte durchziehen“ wollten. Der bereits begonnene Bau der Waldschlößchenbrücke sei ein klarer Verstoß gegen das UNESCO-Welterbe-Abkommen, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Zerstörung der einmaligen Elblandschaft


Da helfe es auch nichts, wenn sich die Sächsische Landesregierung und die Bundesregierung hinter einem wie auch immer gearteten „öffentlichen Interesse“ versteckten. Mache das Beispiel Dresden Schule, würden auch andere natur- und landschaftszerstörende Projekte Auftrieb erhalten. Dies gelte für die Elbvertiefung im Bereich des Welterbes Dessau-Wörlitzer Gartenreich, am Rhein im Falle der dort bei der Loreley geplanten Brücke, beim Ausbau der Havel nahe des Weltkulturerbes Potsdamer Schlösserlandschaft sowie beim Schutz des Nationalparks Hamburgisches Wattenmeer.

Kurz und knapp erklärte dagegen Sachsens Staatsminister Thomas Jurk zur Entscheidung UNESCO-Welterbekommission: „Das ist sehr bedauerlich. Dresden ist es nicht zuletzt dank dem Wiederaufbau der Frauenkirche gelungen, sich als Kulturhauptstadt Deutschlands zu etablieren. Durch die starre Haltung von CDU und FDP ist es dieser Stadt nicht gelungen, einen Kompromiss zu finden, bei dem die einmalig schöne Landschaft und der Titel erhalten bleiben.“


BUND: Naturschutz unter die Räder gekommen


Der Bund und zwei weitere Naturschutzverbände hatten gegen das Projekt Waldschlößchenbrücke geklagt, weil es aus ihrer Sicht gegen europäisches Naturschutzrecht verstößt. Die Brücke und ihre Zufahrten gefährdeten geschützte Tierarten und verringerten außerdem die Fläche geschützter Auenwiesen an der Elbe. Neben der Zerstörung der einmaligen Elblandschaft führe die Brücke auch zur Verlärmung des Tals und einer Zunahme der Autoabgase. Die Waldschlößchenbrücke werde in den Stadtteilen Johannstadt, Blasewitz, Striesen sowie im Preußischen Viertel zusätzliche Verkehrsbelastungen verursachen, so die Umweltschützer.

Weiger: „Bei der Waldschlößchenbrücke ist der Naturschutz wieder einmal unter die Räder eines falsch verstandenen Wirtschafts- und Verkehrswachstums geraten. Die sächsische Landesregierung, die Verkehrsplaner und der ADAC haben der Stadt einen Bärendienst erwiesen. Für Städte wie Dresden ist die mit der deutschen Einheit errungene hohe Qualität im Umwelt- und Naturschutz ist ein herausragender Standortfaktor. Dies haben die politisch Verantwortlichen und die beteiligten Unternehmen aufs Spiel gesetzt. Dresden ohne Welterbe Elbtal ist wie Dresdner Christstollen ohne Rosinen.“

Gewaltiger Eingriff in eine einmalige Flusslandschaft


Auch aus Sicht des NABU hat Dresden den Welterbe-Status wegen der Brückenpläne zu Recht verloren. „Mit dem Bau der Waldschlösschen-Brücke findet ein gewaltiger Eingriff in eine einmalige Flusslandschaft statt. Dresden hat den Welterbe-Status leichtfertig verspielt, weil der Stadt offenbar keine andere Antwort als Stahl und Beton auf den starken Straßenverkehr in der Stadt eingefallen ist“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Während andere Städte sich mit einer konsequent auf den öffentlichen Nah- und Radverkehr ausgerichteten Politik auf die Herausforderungen der Zukunft mit Klimaschutzvorgaben und steigenden Energiepreisen einstellen würden, gehe Dresden nun den rückständigen Weg und verliere damit eine seiner wichtigsten Werbe-Etiketten, so der NABU.

Überkommene Verkehrskonzepte


Tschimpke: „Dresden und sein Brückenbau stehen symbolisch für viele überkommene Verkehrskonzepte in Deutschland. Statt mit einem besseren Angebot an Bahnen und Bussen die Stadt für Fußgänger und Radfahrer lebenswerter zu gestalten, wird dem Auto in zu vielen Städten immer noch weiterer Raum zugebilligt.“
(BUND/NABU/Landesregierung Sachsen, 26.06.2009 - DLO)
 
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