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Dienstag, 23.05.2017
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Die Jagd nach den Nullen

Grad-Schnittpunktjäger unterwegs

{1l}Falls Sie demnächst jemanden sehen, der mit dem GPS in der Hand querfeldein stapft und plötzlich freudestrahlend an einem völlig nichts sagenden Punkt Fotos in alle Himmelsrichtungen macht, dann haben Sie einen Grad-Schnittpunktjäger gefunden. Grad-Schnittpunkte sind die Orte, wo sich geradzahlige Längen- und Breitengrade schneiden. Also zum Beispiel der Punkt etwa 15 Kilometer östlich von Alfeld in Niedersachsen an dem sich der 52. Breitengrad und der 10. Längengrad mitten auf einem Feld treffen. Hier, genauer 200 Meter entfernt davon am Waldrand steht sogar eine Tafel, die auf diesen Punkt hinweist. {b}Geschichten und Bilder {/b} {2r}Grad-Schnittpunktjäger sind Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, solche Punkte aufzusuchen und dieses zu dokumentieren. Auf einer eigenen Web-Seite stehen nicht nur die Bilder sondern zum Teil auch haarsträubende Geschichten, von der Suche nach dem Punkt an dem das Navigationsgerät möglichst viele Nullen anzeigt. Zum Beispiel als Mitte Mai diesen Jahres der Bräutigam auf der Hochzeitsreise mitten in Madagaskar für mehr als 23 Stunden verschwand und seine Braut ihn schon für tot hielt. Aber Ende gut alles gut, die Bilder vom Schnittpunkt 19° Süd und 49° Ost stehen online und inzwischen hat das Brautpaar auch den zweiten Schnittpunkt Madagaskars online gestellt. Dieser lag so dicht an der Straße, dass sie noch nicht einmal aus dem Auto aussteigen mussten. {b}Eine Idee greift um sich {/b} Die Idee hatte der Amerikaner Alex Jarret im Jahr 1996. Er hatte sich gerade einen GPS-Navigationsgerät gekauft, suchte mehrere Schnittpunkte auf und stellte die entstandenen Fotos ins Netz. Es dauerte nicht lange und die Idee Griff um sich. Das Degree Confluence Projekt war geboren. Ziel ist es alle als primär definierten Schnittpunkte aufzusuchen und zu fotografieren. Am Äquator ist der Abstand zwischen zwei Schnittpunkten mit etwa 111 Kilometern am größten. Aufgrund der Kugelgestalt der Erde nimmt er jedoch zu den Polen hin immer mehr ab. Daher erkennt das Projekt nicht alle der 64.442 möglichen Schnittpunkte als primäre Schnittpunkte an. {b}Nicht jeder Punkt zählt {/b} {3l}Polwärts der 49. Breitengrade rücken die Punkte auf weniger als zwei Drittel der Entfernung, also etwa 74 Kilometer zusammen, die sie noch am Äquator haben. Ab hier wird jeder dritte Punkt weggelassen. Jenseits des 64° Breitengrades beträgt die Entfernung nur noch zwei Drittel dieser 74 Kilometer. Ab hier wird wieder ein Punkt weggelassen. So geht es weiter, bis ab dem 89° Breitengrad nur noch jeder 36. Schnittpunkt als primär gilt. Schnittpunkte, die mehr als fünf Kilometer von Land entfernt auf dem Wasser liegen, stuft das Projekt ebenfalls als sekundär ein. Zurzeit erkennt das Projekt gut 16.000 Punkte als primär an, von denen etwa jeder vierte schon erfolgreich besucht wurde. Erfolgreich heißt, dass die Schnittpunktjäger näher als 100 Meter an ihr Ziel herankommen müssen. Das aufregende daran ist für viele Anhänger dieses Hobbys sich abseits von vorgegebenen Routen zu bewegen und die weißen Flecken auf der Weltkarte des Projektes zu füllen. So entsteht nach und nach ein Mosaik der Welt an dem Tausende Freiwillige mitarbeiten. Denn das gesamte Projekt ist ehrenamtlich. {b}Weiße Flecken auf der Karte {/b} Eine Reise durch die Einträge eines Tages führt um die ganze Welt: China, Brasilien, Mexiko, Schweden, Süd-Afrika, England, Malaysien. In Deutschland sind übrigens sowohl die 32 primären als auch alle 15 sekundären Schnittpunkte bereits besucht worden. Aber in Madagaskar warten ja noch 58 weitere Punkte auf ihre Eroberung. Abenteuer inklusive. Internetseiten: www.confluence.org
(GeoUnion, 14.06.2004 - Kirsten Achenbach / Forschungszentrum Ozeanränder)
 
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