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Samstag, 11.02.2012
Künstliche Süßstoffe trotzen Kläranlagen
Neues Analyseverfahren identifiziert Substanzen im Abwasser und Oberflächenwasser
Synthetische Süßstoffe werden in den Kläranlagen nicht rückstandslos entfernt. Schlimmer noch: unser Wasser wird durch diese Schadstoffe verunreinigt und Rückstände können noch im Trinkwasser enthalten sein. Dies haben jetzt Karlsruher Forscher in einer neuen Studie gezeigt, über die sie in der Springer-Fachzeitschrift „Analytical and Bioanalytical Chemistry“ berichten.

Kläranlage
Kläranlage
© BMU/Oed
Die Wissenschaftler konnten aber nicht nur verschiedene synthetische Süßstoffe im Abwasser nachweisen, sondern sie haben auch ein neues robustes Analyseverfahren entwickelt, mit dem sieben allgemein verwendete synthetische Süßstoffe analysiert werden können.

Synthetische Süßstoffe oft im Einsatz
Eine Reihe synthetischer Süßstoffe wird häufig in Nahrungsmitteln und Getränken sowie in Arzneimitteln und Hygieneartikeln verwendet. Die möglichen Gesundheitsrisiken von synthetischen Süßstoffen sind seit geraumer Zeit Gegenstand der Diskussion. Bislang konnte lediglich Sucralose in Wasser identifiziert werden.

Durch die Verwendung eines neuen Analyseverfahrens konnten die Wissenschaftler vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe nach sieben unterschiedlichen synthetischen Süßstoffen gleichzeitig suchen (Cyclamat, Acesulfam, Saccharin, Aspartam, Neotam, Neohesperidin-Dihydrochalkon und Sucralose). Marco Scheurer, Heinz-Jürgen Brauch und Frank Thomas Lange wiesen mithilfe der neuen Methode zum ersten Mal nach, dass eine Vielzahl von häufig verwendeten synthetischen Süßstoffen im deutschen Abwasser und Oberflächenwasser enthalten ist.

Scheurer und seine Kollegen nahmen Wasserproben aus zwei Kläranlagen in Deutschland – Eggenstein-Leopoldshafen und Karlsruhe – sowie aus einer Aufbereitungsanlage für gereinigtes Abwasser eines Mittelmeerlandes.

Abwasserbehandlung unzureichend
Sie untersuchten anschließend die Wasserproben mit Hilfe ihres neuen Analyseverfahrens und konnten vier (Acesulfam, Saccharin, Cyclamat und Sucralose) der sieben synthetischen Süßstoffe im Wasser der beiden deutschen Kläranlagen nachweisen. Dadurch wird belegt, dass die Schadstoffe während der Abwasserbehandlung nur unzureichend eliminiert werden. Durch ihre Analysen lässt sich auch nachweisen, dass Bäche und Flüsse, in die Wasser aus den Kläranlagen fließt, mit diesen Schadstoffen verunreinigt werden.

Die Wissenschaftler verglichen dann die herkömmliche Abwasserbehandlung mit einer weitergehenden Abwasseraufbereitung zum Zwecke der Abwasserwiederverwendung. Spuren synthetischer Süßstoffe waren in beiden Fällen vorhanden, was eine unzureichende Wasserreinigung belegt.

Scheurer kommt zu dem Schluss: „Die Verwendung von synthetischen Süßstoffen in Nahrungsmitteln und ihr Vorkommen im Wasser können zu einem zentralen Thema für die Verbraucher werden.“
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