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Freitag, 24.11.2017
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Medientipp - Unterhaltsames Wissen

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Teenager

Naturgeschichte einer seltsamen Spezies
von David Bainbridge

Taschenbuch, 366 Seiten
Spektrum Akademischer Verlag, 2010
Preis: € 19,95

Teenager. Die Naturgeschichte einer seltsamen Spezies wird Ihre Ansichten über Jugendliche in der Pubertät ändern. Entgegen dem landläufigen Bild in den Medien sind Teenager keineswegs eine Plage für Eltern und Gesellschaft - sondern vielmehr die Krone der menschlichen Evolution.

Im zweiten Lebensjahrzehnt jedes Menschen durchlaufen sein Körper und sein Gehirn einen tiefgreifenden und weitreichenden Wandel. Gefühl und Verstand verändern sich so rasch und unvorhersehbar wie Gewicht und Größe. Diese Veränderungen können zutiefst verwirrend sein - für die Jugendlichen wie für ihr Umfeld -, aber diese Phase der Adoleszenz, in der sich herausbildet, wer wir als Erwachsene sein werden, spielt in der Evolution eine wichtige Rolle. Zu den Pickeln, Gerüchen und sexuellen Experimenten, den existenziellen Ängsten, den Wutanfällen und der unwiderstehlichen Anziehungskraft von allem, was angeblich schlecht für uns ist, wissen Biologie, Medizin und Psychologie heute eine Menge zu sagen. Dieses ebenso anregende wie amüsante Buch erklärt die seltsame und wunderbare Wissenschaft der Teenagerjahre.

David Bainbridge, Tiermediziner und Anatom an der Universität Cambridge, ist wohl der erste Autor, der eine "zoologische" Perspektive einnimmt, um zu erkunden, wo die besondere Spezies der Teenager herkommt und wozu sie eigentlich gut sind. Wie jüngste Forschungsergebnisse zeigen, stellen Teenager eine einzigartige menschliche Innovation dar und dürften geradezu ein Schlüssel für den unvergleichlichen Erfolg der Gattung Mensch sein. In lebhafter und verständlicher Sprache zeigt Bainbridge, wie und warum die zweiten Dekade des menschlichen Lebens von einer solch berauschenden Mischung körperlicher, geistiger, emotionaler und sexueller Veränderungen durchdrungen ist. Die Biologie und das Verhalten von Teenagern, die uns so oft als unberechenbares, eigenwilliges, verstörendes Durcheinander erscheinen, erweisen sich plötzlich als wunderbare Choreographie aufeinanderfolgender, eng verwobener Schritte auf dem Weg zum komplexesten Wesen dieser Welt.

Ein solcher "zoologischer Ansatz" ist tatsächlich erst heute möglich geworden. Indem das Buch Teenager als Produkt einer langen Evolution betrachtet, erklärt es erstmals, warum das Teenagerdasein für den Einzelnen wie für die Art eine positive, gewinnbringende Angelegenheit ist, warum Teenager als einzigartige menschliche Innovation gelten dürfen, die sich entwickelt hat, damit wir viele der Dinge tun können, die uns Menschen so besonders machen, warum zahlreiche Befunde zur Frage, warum Teenager sind, wie sie sind, erst in den letzten zehn Jahren gewonnen worden sind und die Öffentlichkeit oft noch gar nicht erreicht haben, warum die körperlichen, geistigen, emotionalen und sexuellen Besonderheiten der Teenagerjahre einen guten Grund haben und nicht etwa zufällige Irrungen noch nicht fertig entwickelter Gehirne und Körper sind.

Immer wieder hinterfragt Bainbridge, was diese Reise für die, die sie antreten, bedeutet. Aufgrund der zentralen Rolle der Adoleszenz für unser Menschsein bringt sie die intensivsten körperlichen, emotionalen und erotischen Erfahrungen unseres Lebens mit sich. Doch während dieses evolutionäre Vermächtnis für manche Menschen eine freudvolle Erfahrung bewirkt, die sie als Schatz in die Zukunft mitnehmen, markiert es für andere den Beginn eines Niedergangs, der in Versagen, Unsicherheit, psychischen Störungen und Selbstmord enden kann.

Die Teenagerjahre - so viel wissen wir heute - sind nicht etwa eine lästige Übergangsphase zwischen unschuldiger Kindheit und reifem Erwachsendaseinen. Vielmehr hat sich die Teenagerzeit, wie Bainbridge erklärt, in der Evolution aus gutem Grund entwickelt - als ein zentraler Moment, wo alle Stränge unseres Lebens kollidieren. Sie ist die Erfahrung, die uns wirklich zum Menschen macht.