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Montag, 27.06.2016
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Rätsel um geheimnisvolle Leuchterscheinung

Forscher suchen nach Erklärung für roten Blitz über Indischem Ozean

Ein geheimnisvoller Lichtblitz, den die Besatzung der Raumfähre Columbia Anfang 2003 über dem Indischen Ozean entdeckte, könnte sich als ein völlig neuer Typ der atmosphärischen Leuchterscheinung entpuppen. Eine eindeutige Erklärung haben die Forscher jedoch bis heute nicht. Das einem roten Blitz ähnliche Phänomen wurde von der Bordkamera der nur zwei Wochen später verunglückten Raumfähre über Madagaskar aufgenommen.
Jetzt hat ein internationales Forscherteam das Video des Astronauten Ilan Ramon analysiert und beschreibt die geheimnisvolle Entladung in einer Veröffentlichung in den Geophysical Research Letters als ein „TIGER“-Ereignis, eine so genannte „Transient Ionospheric Glow Emission in Red“, die sich aber keinem der bisher bekannten und klassifizierten Leuchterscheinungen zuordnen lässt.

Kein normaler Blitz


Atmosphäre

Atmosphäre

Die Forscher analysierten Boden und Satellitenmessungen von Blitzen in der Region und stellten fest, dass dieser besondere Blitz nicht von den Geräten registriert worden waren, die den Himmel nach elektromagnetischer Strahlung in den niedrigen und sehr niedrigen Frequenzbereichen absuchen – den Bereichen, in denen normale Blitze typischerweise ihre Spuren hinterlassen. Tatsächlich war in der Zeitspanne von zwei Sekunden um das Ereignis herum in der fraglichen Gegend überhaupt keine Entladung von Wolken zum Boden beobachtet worden.

Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass das TIGER Ereignis auch von jedem weiter entfernten Blitz einen zu großen Abstand hatte, um als so genannte „Sprites“ oder „Elves“ bezeichnete nachträgliche Entladung gelten zu können. Auch fehlte ihm die typische quallen- oder doughnutartige Form dieser beiden Leuchterscheinungen. Die meisten Sprites ereignen sich rund zehn Millisekunden nach einer starken, positiven Wolke-zu-Boden-Entladung, das beobachtete Ereignis jedoch war um nahezu eine Viertelsekunde verzögert und rund 1.000 Kilometer von der nahegelegendsten Entladung entfernt.


Suche nach Erklärungen


Aus diesem Grund schließen die Wissenschaftler, dass es sich bei diesem „TIGER“ um eine neue, bisher noch nicht klassifizierte Leuchterscheinung handeln muss. „Das Hauptziel unserer Forschungen, meiner Ansicht nach, ist es, zu zeigen, dass es noch einige Prozesse in der oberen Atmosphäre gibt, über die noch kaum etwas wissen“, erklärt Yair. „Die beste Art sie zu beobachten und zu erforschen ist aus dem All.“

Das Foschungsteam – auf der Suche nach Ursachen oder Beobachtungsfehlern – entdeckte keinerlei Fehler in den technischen Geräten und auch der Himmel war zum Zeitpunkt der Erscheinung absolut klar. Für die Wissenschaftler ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Verdacht, es könne sich auch um eine Reflektion eines anderen Blitztyps gehandelt haben, nicht zutrifft.

Ein Meteorit – auch eine der zunächst geäußerten Hypothesen - hätte dagegen einen anhaltenden Schweif von Emissionen produzieren müssen, die in der kurzen Zeit, während der die Astronauten den Lichtblitz aufnahmen und beobachteten, hätte sichtbar sein müssen. Eine dritte vorgeschlagene Erklärung geht davon aus, dass es sich um einen Elektronenstrahl gehandelt haben könnte, der von Blitzen eines Gewitters nahe Zypern ausgesendet worden war. Vom Erdmagnetfeld in die obere Atmosphäre transportiert hätte er dort über Madagaskar den purpurroten Schein auslösen können, den die Astronauten beobachteten.

Die Autoren der jetzigen Veröffentlichung halten dies jedoch für unwahrscheinlich, da das Gewitter keine ausreichend starken Blitze produzierte, um ein solches TIGER-Ereignis auszulösen. Die Forscher weisen stattdessen daraufhin, dass weitere Weltraum gestützte Beobachtungen möglicherweise in Zukunft ähnliche Ereignisse registrieren werden und damit dazu beitragen, das noch immer ungelöste Rätsel der Madagaskar-Leuchterscheinung zu klären.
(American Geophysical Union, 18.01.2005 - NPO)