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Dienstag, 09.02.2010
Ameisen als Gärtner
Pilzkulturen unter der Erde

Blattschneiderameisen 
Blattschneiderameisen
© Dr. Rainer Wirth
Schwer trägt die Blattschneiderameise an dem Stück Blatt, das sie eben mithilfe ihrer scharfen Mundwerkzeuge von einem fast einen Kilometer entfernten Baum geschnitten hat. Über einen der Eingänge des sich über mehr als 100 Meter erstreckenden Nestes transportiert sie es in eine der zahlreichen Kammern. Aber wozu?

Blattschneiderameisen kultivieren Pilze. Die gesammelten Blätter werden von den Arbeiterinnen zerkaut, der dabei entstehende Brei wird in speziellen Pilzkammern ausgelegt. Darauf wachsen dann die Pilzfäden, die unserem Brotschimmel ähneln. Nach einiger Zeit bilden sich nährstoffreiche Verdickungen (Ambrosia-Körperchen), die sogenannten "Kohlrabiköpfchen", die von den Ameisen abgeerntet werden.

Mit der Pflege der Kulturen verbringen die Arbeiterinnen viel Zeit: Die Pilzhyphen werden ständig mit den Mundwerkzeugen bearbeitet - diese "Beschneidung" der Ernte führt zu einer Ertragssteigerung. Die Ameisen verhindern auch ein Ausbreiten fremder Pilze, deren Sporen unweigerlich mit den abgeschnittenen Blattstücken in das Nest eingetragen werden. Zu diesem Zweck sind die Tiere noch eine weitere Symbiose zu Bakterien eingegangen, die ein Antibiotikum produzieren. Dieses Antibiotikum schützt nun den anderen Symbiosepartner, den kultivierten Pilz, vor der Ausbreitung seiner Konkurrenten.

Diese Methode der Kultivierung scheint den Blattschneiderameisen große Erfolge zu bescheren. Immerhin erreichen ihre Kolonien eine gewaltige Größe von mehreren Millionen Arbeiterinnen. Der angebaute Pilz ist dabei völlig domestiziert. Ohne die Symbiose zu den Ameisen ist er nicht in der Lage, sich selbstständig über Sporenbildung zu vermehren.

Wird eine neue Kolonie gegründet, so nimmt die Königin vor ihrem Hochzeitsflug einige der Pilzfäden in ihrer Mundtasche auf. Nach der Begattung bilden diese Fäden dann den Grundstock für eine neue Zucht. Die Königin bringt beträchtliche Opfer auf, um dem Pilz zu raschem Wachstum zu verhelfen. Bis die ersten Arbeiterinnen schlüpfen, düngt die Königin den Pilz mit ihrem Kot. Sie selber ernährt sich von ihren eigenen Eiern, auch die Larven werden mit Eiern gefüttert. Dabei verliert sie ständig an Gewicht. Sie steht sozusagen in einem Wettlauf zwischen dem Verhungern und der Aufzucht einer genügend großen Gruppe von Arbeiterinnen, die ihr Überleben sichert.

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