Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 09.02.2010
Vorsichtige Renaissance
Die jüngsten Entwicklungen in der Gentherapie

Inzwischen sorgt die Gentherapie vereinzelt auch wieder für Erfolgsmeldungen, vor allem Fortschritte in Labor- und Tierversuchen mit neuen oder modifizierten und damit weniger riskanten Genfähren lassen hoffen.

So haben Forscher der amerikanischen Stanford University eine Methode entwickelt, bei der ein bestimmtes Enzym, die Integrase, dafür sorgt, dass die von viralen Genfähren eingebauten neuen Genbausteine nicht mehr irgendwo im Erbgut der zu therapierenden Zelle landen, sondern an einer definierten Stelle. Das Risiko von unkontrollierten Erbgutänderungen und damit beispielsweise das zufällige Auslösen einer Krebserkrankung soll damit verringert werden. Zumindestens an Mäusen hat sich das neue Verfahren inzwischen bewährt, klinische Tests stehen noch aus.

Andere Wissenschaftler wollen in Zukunft ganz auf Viren als Genfähren verzichten und arbeiten an künstlichen Transfervehikeln. Forschern der Case Western University und der Copernicus Therapeutics in Cleveland ist es gelungen, DNA in winzige, nur 25 Nanometer große Peptidbällchen zu verpacken. In Liposomen in die Wirtszellen eingeschleust sind diese winzigen Gentaxis klein genug, um ihre Genfracht durch die Poren der Kernhülle zum Erbgut der Zelle zu transportieren. In Zellkulturen und im Tierversuch hat sich diese Methode bereits als effektiv erwiesen.

Für den Genforscher French Anderson gibt es jedoch auch im Bereich der klinischen Tests einen Grund zu vorsichtigem Optimismus: "Wir scheinen das Tal durchquert zu haben und es gibt eine Reihe von klinischen Tests, die beginnen, Erfolge zu zeigen."

Als Musterbeispiel gelten dabei vor allem die 1999 am Pariser Hospital Necker begonnenen Gentherapieversuche mit Kindern, die an der angeborenen Immunschwäche X-SCID leiden. Die so genannten "Bubble-Babys" besitzen wegen eines Gendefekts keine weißen Blutkörperchen und können daher nur in einem sterilen Zelt, abgeschirmt von allen Krankheitserregern, überleben. Der Arzt Alain Fischer und sein Team behandeln die Kinder, indem sie ihnen Stammzellen aus dem Knochenmark entnehmen und diesen im Labor das fehlende Gen mittels einer retroviralen Genfähre einimpfen. Anschließend erhalten die Kinder ihre genetisch "reparierten" Stammzellen mittels Infusion wieder zurück. Schon bald entwickeln sie funktionsfähige weiße Blutkörperchen und können ihre sterilen Zelte verlassen - die Therapie schlägt an.

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA kommentiert den Erfolg fast erleichtert: "Die Ereignisse in Frankreich zeigen, dass, wenn man die richtigen Krankheit hat und das richtige Gen einschleusen kann, man gute Ergebnisse erzielen kann." Und noch im Frühjahr 2002 berichtet eine Reportage im Magazin Geowissen ausführlich über Alain Fischers X-SCID-Kinder und die "Renaissance einer Hoffnung" in der Gentherapie.

Doch die neu aufkeimende Hoffnung erhält wenig später einen empfindlichen Dämpfer...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtgste in Kürze
Artikel zum Thema
Gentherapie
Hybris oder Heilsbringer?
Heiler der Gene
Auf dem Weg zu einer neuen Medizin?
Körper ja - Keimbahn nein?
Die ethischen Aspekte der Gentherapie
Ein Mädchen wird zum Meilenstein
Ashanti und die erste Gentherapie
Tod durch Gentherapie
Der Fall Jesse Gelsinger
Stich ins Schlangennest
Was führte zum Tod von Jesse?
Das Ende der Unschuld
Gentherapeuten im Kreuzfeuer der Kritik
Vorsichtige Renaissance
Die jüngsten Entwicklungen in der Gentherapie
Außer Kontrolle...
Rückschlag mit Retroviren
Taxi gesucht
Genfähren und andere Sorgen
Von Alzheimer bis X-SCID
Welche Krankheiten sind "in Arbeit"?
Meilensteine...
Die wichtigsten Daten der Gentherapie im Überblick
Top-Diaschauen
Asteroid Apophis
2012 und die Maya
Erdbeben
Urahnen des Menschen
Bienen in Bedrängnis
Aktuelle Dossiers
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen
Klima: Letzte Chance Kopenhagen
Der 15. Weltklimagipfel: Klimaschutz wohin?
Die Erde nach uns
Was bleibt von der menschlichen Zivilisation?
Der Friedhof der Fischsaurier
Eine paläontologische Spurensuche im chilenischen Nationalpark Torres del Paine
Mustererkennung
„Mustergültige Erkenntnis“ in Astrophysik, Musik und Medizin
Mythos „2012“
Die Maya, der 21. Dezember 2012 - und die Fakten
Stahl ganz neu
Rezepte für das Autoblech von morgen