Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Größter Ammonit der Welt ist Fossil des Jahres 2008
Paläontologische Gesellschaft wählt 80 Millionen Jahre alten Kopffüßer aus Westfalen
80 Millionen Jahre alt, 3,5 Tonnen schwer und fast zwei Meter im Durchmesser: Mit diesen Maßen beeindruckt der größte vollständige Ammonit der Welt die Besucher des LWL-Museums für Naturkunde im westfälischen Münster. Grund genug für die Paläontologische Gesellschaft Parapuzosia seppenradensis zum Fossil des Jahres 2008 zu wählen. Die Auszeichnung wurde dem Giganten heute an seinem Heimatstandort verliehen.

Parapuzosia seppenradensis
Parapuzosia seppenradensis
© LWL-Museum für Naturkunde in Münster Parapuzosia seppenradensis
„Abgüsse des 3,5 Tonnen schweren und 180 Zentimeter großen ausgestorbenen Meerestieres Parapuzosia seppenradensis sind in nahezu allen großen Naturkundemuseen der Welt ausgestellt“, beschreibt Professor Jes Rust vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn und Präsident der Paläontologischen Gesellschaft die Bedeutung des Fossils. Nachdem das außergewöhnliche Exponat fast zehn Jahre lang hinter einer Wand des Münsteraner Museums verschwunden war, zogen schließlich im Jahre 2006 schwere Spezialfahrzeuge den Riesenammoniten millimeterweise in das Foyer.

Entdeckt vor mehr als 100 Jahren
Riesenammoniten kurz nach seiner Bergung
Riesenammoniten kurz nach seiner Bergung
© LWL-Museum für Naturkunde in Münster Riesenammoniten kurz nach seiner Bergung
Bereits vor über einem Jahrhundert wurde der Kopffüßer in einem Steinbruch bei Seppenrade im südlichen Münsterland ausgegraben. 1895 erreichte dann ein Telegramm mit der Nachricht von dem Sensationsfund den Direktor des Westfälischen Provinzialmuseums – für 125 Goldmark erwarb er das heutige Wahrzeichen des LWL-Museums für Naturkunde.

„Der größte vollständige Ammonit der Erde ist als Steinkern erhalten: Der ursprüngliche Hohlraum ist mit Sediment ausgefüllt und das kalkige Gehäuse wurde bis auf wenige Reste weggelöst“, erklärt Dr. Lothar Schöllmann vom LWL-Museum für Naturkunde in Münster. Von diesem Steinkern hat die komplette linke Seite mit insgesamt vier Windungen die Jahrmillionen überdauert. Die Grundform des Gehäuses ist eine aufgerollte Spirale, von außen sind die Trennwände als so genannte Lobenlinien deutlich zu erkennen. Sie stellen ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der verschiedenen Ammonitenarten und Gruppen dar.

Riesenammonit
Riesenammonit
© LWL-Museum für Naturkunde in Münster Riesenammonit
„Die Schale ist in zwei Bereiche unterteilt, die Wohnkammer und den gekammerten Auftriebskörper. Dessen Kammern waren beim lebenden Tier hauptsächlich mit Gas gefüllt. Durch das Ein- beziehungsweise Auspumpen von Kammerflüssigkeit konnte der Riesenammonit im Wasser auf- oder absteigen“, erläutert Schöllmann.

Größe als Schutz
Ammoniten sind eine in der Erdgeschichte außergewöhnlich erfolgreiche Tiergruppe. Sie existierten vom Unterdevon (vor 417 Millionen Jahren) bis zum Ende der Kreidezeit (vor 65 Millionen Jahren). Die Größe der Schale ausgewachsener Tiere lag meist im Bereich von Zentimetern, Parapuzosia seppenradensis gehört mit vermutlich bis zu zwei Metern Durchmesser zu den Giganten.

Solche Riesenformen bevölkerten vor allem während der Kreidezeit die Weltmeere. Nach einem starken globalen Meeresspiegelanstieg konnten sich die Kopffüßer in weitläufigen Flachwasserbereichen ansiedeln. Ihre Größe brachte den Tieren Vorteile wie Schutz vor Fressfeinden und wahrscheinlich ein höheres Lebensalter.

Der Riesenammonit ist ganzjährig im LWL-Museum für Naturkunde in Münster zu sehen.

Weitere Informationen gibt es unter:
www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de und www.palaeo.de/palges/
Artikel drucken    zum Archiv
Nach verwandten Themen suchen:
Ammonit, Fossilien, Kopffüßer, Kreidezeit, Erdgeschichte, Steinkern
Mehr zum Thema im GeoUnion-Newsportal
Bizarre „Schneeflocken“ aus dem Meer (31.12.2007)
Fossil des Monats im Goldfuß-Museum der Universität Bonn
Pilze „räuberten“ schon in der Kreidezeit (24.12.2007)
Seltener Einblick in ein 100 Millionen Jahre altes Ökosystem im Bernstein gelungen
Fossile Wunderwelt in grauem Kalk (30.11.2007)
Flora und Rekonstruktion des Ökosystems der Crato-Formation Brasiliens
Spurensuche im Hornstein (23.11.2007)
Wie Mutter Natur Ökosysteme für Millionen Jahre konserviert
Bernstein als Fenster in die Vergangenheit (16.11.2007)
Fossile Harze geben Einblicke in Millionen Jahre alte Lebenswelten
Momentaufnahmen eines uralten Ökosystems (09.11.2007)
Die fossile Flora und Fauna von Rhynie
Versteinerte Wälder erzählen Erdgeschichte (02.11.2007)
Chemnitz als El Dorado für Paläobotaniker
Fossilen Blaualgen auf der Spur (24.05.2007)
Roger Summons forscht mithilfe des Humboldt Forschungspreises neun Monate in Bremen
Fossilien zum Leben erwecken (10.04.2007)
Präparatoren des „Dinoraeum“ im Interview
Urpferdchen on Tour (27.03.2007)
Wanderausstellung zum UNESCO-Weltnaturerbe-Denkmal Grube Messel
Dino-Spuren in Norddeutschland (12.03.2007)
Als wären sie gerade vorbeigeschlendert …
Wie gut flog Archaeopteryx? (27.12.2006)
Sonderausstellung „Der 10. Urvogel - Es begann mit einer Feder“
Fischsaurier starben durch Methaneruption (22.08.2006)
Ausstellung "In einem Meer vor unserer Zeit“ gibt Einblicke in das Jurameer
Fossilienschatz als Zeitmaschine (24.03.2006)
Kobra, Waran und Gecko im Burgenland vor über acht Millionen Jahren
Fossiler Farnwedel (21.02.2006)
Schätze aus dem Buntsandstein
„Krokodiljagd“ im Plattenkalk (17.06.2005)
Fast vollständiger Geosaurus entdeckt
Fossilien auf virtueller Reise (03.06.2005)
Hominiden Südostasiens im Netz
Suche
Erweiterte Suche
GeoUnion
Logo GeoUnion
Dossiers zum Thema
Lebende Fossilien
Überlebenskünstler oder Auslaufmodelle der Evolution?
Von Urpferden und Flugmäusen
Die Ausgrabungen in Messel und Stöffel
Bernstein
Fenster zur Vergangenheit
Treibhaus Kreidezeit
Klimawandel in der Erdgeschichte
Riesen im Tierreich
Erfolgsrezept oder Laune der Natur?
Massenaussterben
Katastrophale "Unfälle" der Evolution?
Dinosaurier
Giganten der Urzeit
Mammuts
Eiszeitgiganten zwischen Mythos und Wiedergeburt
Der Streit um den Neandertaler
Anmerkungen zur Evolution des Menschen
Spurensuche im Dinoreich
Neues über T.rex, Brachiosaurus & Co
Quallen
Faszinierende Überlebenskünstler der Ozeane
Tintenfische
Intelligente Anpassungskünstler unter Wasser
Diaschauen zum Thema
Fossilien
Klimaforschung Kreidezeit
GeoVorOrt - Artikel
Wie groß ist die Gefahr aus dem All?
Ein "Tigerauge" der Superlative
Terra mineralia – eine mineralogische Reise um die Welt
Steine in der Stadt
Tsunami-Training auf der Weser
Unter unseren Füßen – Lebensraum Boden
Geobotschafter machen Schule
Erdsystem-Management im Visier
Planet Erde im Visier
Mikrofossilien als Umwelt- und Klimaindikatoren
Flugroboter erforschen Klima der Antarktis
Korallenfriedhöfe im Atlantik
Antarktis: Stöbern im Klimaarchiv geht weiter
Und Steine leben doch
Startschuss für das Internationale Jahr des Planeten Erde 2008
Peru: Spurensuche am Carancas-Krater
Bald mehr Strom aus Erdwärme
Größter Ammonit der Welt ist Fossil des Jahres 2008
Bizarre „Schneeflocken“ aus dem Meer
CO2 - Ein Stoff und seine Geschichte
Atemberaubendes Gestein
Eine neue Allianz für die Klimaforschung
Katastrophenvorsorge im Klimawandel
Antarktisstation live
Klimaforschung: Tiefflüge über der Jülicher Börde
Archiv
GeoSchwerpunkt
Themen, Fakten, Hintergründe ...mehr
GeoAngewandt
Aus Forschung und Wissenschaft ...mehr
GeoKöpfe
Persönlichkeiten im Profil ...mehr
GeoVorOrt
Geotouristische Highlights ...mehr
GeoSchon gewusst?
Interessant und Wissenswert ...mehr