Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Tiefseeroboter taucht ab
"KIEL 6000" absolviert erfolgreich ersten Praxistest
Der weltweit modernste Tiefseeroboter "KIEL 6000" des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) hat im Westpazifik den Praxistest erfolgreich bestanden. Bei seinem ersten Tauchgang besuchte "KIEL 6000" einen Unterwasservulkan vor der Küste Neuseelands und entdeckte dabei sogar bereits Lavaflüsse am Meeresboden sowie Anzeichen von Heißwasserquellen.

ROV Kiel 6000 an Bord von FS Sonne
ROV Kiel 6000 an Bord von FS Sonne
© T. Kuhn, IFM-GEOMAR ROV Kiel 6000 an Bord von FS Sonne
Die Spannung an Bord des Forschungsschiffes Sonne war groß, als der neue ferngesteuerte Tiefseeroboter das Zeichen zum ersten Einsatz erhielt. Sogar Chefpilot Thomas Kuhn und Fahrtleiter Professor Colin Devey vom IFM-GEOMAR bekamen trotz großer Erfahrung mit solchen Geräten feuchte Hände beim Navigieren mit dem Joystick. "Auch wenn alle Systeme im Trockenlauf einwandfrei funktionieren, ist ein Tiefseetest doch eine echte Feuerprobe", so Devey.

"Brothers“ als erstes Ziel
Aber trotz unruhiger See gelang es den Wissenschaftlern zusammen mit Mitarbeitern der Herstellerfirma Schilling Robotics, das so genannte ROV - Remotely Operated Vehicle - sicher in die Tiefe des Pazifischen Ozeans zu schicken. Die Reise ging in die Caldera des aktiven Vulkans "Brothers", circa 180 Seemeilen vor der Ostküste Neuseelands. In 1.850 Meter Tiefe führten die Forscher erste Systemchecks ohne technische Mängel durch und kartierten anschließend einen Teil der inneren Calderawand per Video.

Kontrollraum des ROV
Kontrollraum des ROV
© T. Kuhn, IFM-GEOMAR Kontrollraum des ROV
Dabei gaben Lavaflüsse am Meeresboden sowie Anzeichen von Heißwasserquellen deutliche Hinweise auf die andauernde Tätigkeit des Vulkans. Der Tauchgang dauerte insgesamt acht Stunden. "Das ROV lässt sich auch unter schwierigen Bedingungen hervorragend navigieren", erzählt Kuhn. "Mit Hilfe seiner sonargestützten Bodenerkennung kann der Roboter auch an nahezu vertikalen Hängen zentimetergenau manövriert werden", so der Meeresforscher weiter.

Weitere Tests folgen
Zur Beobachtung und Dokumentation setzen die Wissenschaftler dabei sowohl High Definition (HDTV) als auch Standard-TV-Kameras ein. Das hoch auflösende Sonar späht Objekte in bis zu 400 Meter Entfernung aus, noch aus 30 Meter Entfernung erkennt es Objekte in Fußballgröße. "Diese Instrumente erlauben uns eine exzellente Kartierung des Untersuchungsgebietes", erklärt Kuhn.

In den nächsten Tagen wollen die Forscher noch einige Tauchgänge mit "KIEL 6000" durchführen. Dabei sollen weitere Instrumente des ROV getestet werden. Insbesondere die Probennahme mit den elektrohydraulischen Greifarmen sowie Tests des Laservermessungssystems stehen dann im Vordergrund. Der erste „richtige“ Forschungseinsatz des ROV ist im Oktober 2007 am Mittelatlantischen Rücken geplant.
Artikel drucken    zum Archiv
Nach verwandten Themen suchen:
Roboter, Tiefsee, Tauchen, Meeresboden, Vulkan, Laser
Suche
Erweiterte Suche
GeoUnion
Logo GeoUnion
Dossiers zum Thema
Geheimnisvolle Tiefsee
Von Mythen, Monstern und Manganknollen
Asphaltvulkane
Bizarrer Lebensraum auf Salz und Bitumen
Geheimnisvolle Manganknollen
Rohstoffjagd in Neptuns Reich
Schlammvulkane
Matschfontänen aus der Tiefe
Vulkanismus
Die brodelnde Gefahr
Black Smoker
Expedition zu den Geysiren der Tiefsee
Kaltwasserkorallen
Das „Great Barrier Reef“ des Nordens
Roboter auf dem Vormarsch
Lernfähig und der Natur abgeschaut...
Ein Roboter mit Köpfchen
Wie lernen künstliche neuronale Netze?
Lebensretter aus Silizium und Stahl
Roboter im Katastropheneinsatz
Diaschauen zum Thema
Methanhydrat
Kaltwasserkorallen
GeoVorOrt - Artikel
Wie groß ist die Gefahr aus dem All?
Ein "Tigerauge" der Superlative
Terra mineralia – eine mineralogische Reise um die Welt
Steine in der Stadt
Tsunami-Training auf der Weser
Unter unseren Füßen – Lebensraum Boden
Geobotschafter machen Schule
Erdsystem-Management im Visier
Planet Erde im Visier
Mikrofossilien als Umwelt- und Klimaindikatoren
Flugroboter erforschen Klima der Antarktis
Korallenfriedhöfe im Atlantik
Antarktis: Stöbern im Klimaarchiv geht weiter
Und Steine leben doch
Startschuss für das Internationale Jahr des Planeten Erde 2008
Peru: Spurensuche am Carancas-Krater
Bald mehr Strom aus Erdwärme
Größter Ammonit der Welt ist Fossil des Jahres 2008
Bizarre „Schneeflocken“ aus dem Meer
CO2 - Ein Stoff und seine Geschichte
Atemberaubendes Gestein
Eine neue Allianz für die Klimaforschung
Katastrophenvorsorge im Klimawandel
Antarktisstation live
Klimaforschung: Tiefflüge über der Jülicher Börde
Archiv
GeoSchwerpunkt
Themen, Fakten, Hintergründe ...mehr
GeoAngewandt
Aus Forschung und Wissenschaft ...mehr
GeoKöpfe
Persönlichkeiten im Profil ...mehr
GeoVorOrt
Geotouristische Highlights ...mehr
GeoSchon gewusst?
Interessant und Wissenswert ...mehr