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Freitag, 10.02.2012
Auf den Spuren der feurigen Vergangenheit des Vogelsbergs
Kernbohrung soll neue Erkenntnisse über das Vulkangebiet liefern
Um den inneren Aufbau des größten geschlossenen Vulkangebietes Mitteleuropas zu erforschen, führt das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) zurzeit im Hohen Vogelsberg südöstlich des Hoherodskopfs eine Kernbohrung durch.

Kernbohrung
Kernbohrung
© HLUG Kernbohrung
"Umfangreiche Untersuchungen im Bohrloch, an den gewonnenen Bohrkernen und im Umfeld der Bohrung in Kooperation mit verschiedenen Hochschulinstituten sowie dem Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben in Hannover werden den Kenntnisstand über das Vulkangebiet des Hohen Vogelsbergs wesentlich voranbringen", betonte der Präsident des HLUG, Dr. Thomas Schmid bei der Vorstellung des Projektes. Das Vulkangebiet war vor 14 bis 17 Millionen Jahren aktiv.

Die Bohrung dient unter anderem der Unterstützung der geologischen Kartierung von Bl. 5521 Gedern, das zu dem vom HLUG herausgegebenen Geologischen Kartenwerk von Hessen gehört. Das Blatt Gedern ist eines der letzten so genannten "weißen Blätter", das heißt ein Gebiet, das noch nie geologisch im Maßstab 1:25.000 kartiert wurde.

Überbleibsel hochexplosiver Vulkanausbrüche
Die Bohrung setzt laut HLUG in einer im Vogelsberg bisher unbekannten vulkanischen Gesteinsabfolge an. "Diese so genannte trachytischen Tuffablagerungen sind das Produkt hochexplosiver Vulkanausbrüche, die verheerende Glutlawinen (Block- und Aschenströme) zur Folge hatten", beschreibt der für den Vogelsberg zuständige Landesgeologe des HLUG, Dr. Dieter Nesbor die Situation vor Ort. Vergleichbare Vorgänge haben in historischer Zeit bis hin zur Gegenwart weltweit immer wieder stattgefunden, so beispielsweise auf verschiedenen Karibikinseln oder in Japan.

Vor dem damaligen Ausbruch stieg aus einer Magmakammer unter dem Vogelsberg eine über 700° Celsius heiße Gesteinsschmelze an die Erdoberfläche auf. Dieses Trachyt-Magma war wegen seines hohen Kieselsäuregehalts extrem zähflüssig und bildete im Vulkankrater einen Lavadom, eine so genannte Staukuppe. Durch nachströmende Gesteinsschmelze füllte diese den Krater langsam auf und schob sich über den Kraterrand hinaus, bis die überhängenden Teile abbrachen.

Gefährliche Glutlawinen
Glutlawinen aus heißer Asche und bis zu mehrere Kubikmeter großen glühenden Gesteinsblöcken flossen mit Geschwindigkeiten von über 100 Kilometer pro Stunde die Hänge des Vulkans hinunter. Bevorzugt folgten sie dem Verlauf von Tälern und füllten diese auf - wie hier südöstlich des heutigen Hoherodskopfs.

Unter dem damaligen subtropischen Klima verwitterten die Aschenanteile der Tuffablagerungen zu hellgrauem Ton. Wegen seiner Undurchlässigkeit fungiert dieser als Wasserstauer und ist daher für die Beurteilung der hydrogeologischen Verhältnisse in diesem Raum von besonderem Interesse - zumal das Grundwasser des Vogelsbergs einen wichtigen Beitrag sowohl zur regionalen als auch zur überregionalen Wasserversorgung leistet.
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