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Im Dienste der Wissenschaft
Karin Lochte im Interview
Prof. Dr. Karin Lochte wurde vor wenigen Tagen zur Vorsitzenden der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates berufen, dem sie seit zwei Jahren angehört. Der Wissenschaftsrat ist das höchste wissenschaftliche Beratungsgremium des Bundes und der Länder. Die biologische Ozeanographin arbeitet als einzige Professorin am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel, wo sie die Abteilung Biologische Ozeanographie leitet. In diesem Interview gibt sie Auskunft zu ihrer wissenschaftspolitischen Arbeit sowie zu ihrer eigenen Forschung.
Karin Lochte
Karin Lochte
© IFM Geomar
GeoUnion: Frau Lochte, welche Aufgaben nehmen sie als Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates wahr?

Lochte: Zum einen bereite ich die Sitzungen der Wissenschaftlichen Kommission vor und leite sie. Zum anderen bin ich eingebunden in verschiedene Arbeitsgruppen des Wissenschaftsrates, die grundlegende Stellungnahmen als Empfehlungen an die Länder und die Bundesregierung ausarbeiten. Dies umfasst sowohl die strategische Entwicklung der Hochschullandschaft in Deutschland als auch Begutachtungen und konkrete Empfehlungen für Hochschulen und Institute. Dadurch kann ich indirekt Einfluss nehmen auf die Entwicklungen in der deutschen Hochschullandschaft und Wissenschaft. Dies ist eine spannende und wichtige Aufgabe, die ich gern übernommen habe.


GeoUnion: Sie sind Mitglied in einer Vielzahl verschiedener Gremien Beiräte und Kommissionen. Was möchten Sie mit dieser wissenschaftspolitischen Arbeit zu bewegen, insbesondere auch für die Meereswissenschaften?

Lochte: Zurzeit bin ich aktiv in 6 verschiedenen Gremien. Die Senatskommission für Ozeanographie beschäftigt sich mit dem wissenschaftlichen Einsatz der Forschungsschiffe, möglichen Neubauten von Schiffen und die wissenschaftlichen Themen, die auf den Seereisen bearbeitet werden. Um Klimaforschung und Global Change geht es in anderen Gremien. Ich betone in Diskussionen stets die Bedeutung des Ozeans für unser Klima, die Probleme aufgrund der Nutzung der Küstenzonen und die sich weiter verschärfenden Eingriffe der Fischerei in das Ökosystem. Dadurch werden Meeres bezogene Themen in die Rahmenplanungen der Global Change Programme aufgenommen und auf konkrete Probleme fokussiert.


Karin Lochte
Karin Lochte
© Lochte
GeoUnion: Kommen Sie noch zu Ihrer eigenen Forschung und zur Publikation?

Lochte: Es ist leider immer weniger möglich, selbst eigene Forschung durchzuführen. In Zusammenarbeit mit Kollegen, Doktoranden und Diplomanden werden die Forschungen jedoch durch gemeinsame Projektanträge weitergeführt. Meine Hauptaufgabe dabei ist die Entwicklung neuer Ideen und der Projektanträge, und schließlich die Diskussion der Ergebnisse.


GeoUnion: Was verbirgt sich hinter der Biologischen Ozeanographie?

Lochte: Die Biologische Ozeanographie untersucht Organismen und biologische Prozesse im Ozean sowie ihre Beziehung zu den chemischen und physikalischen Umweltbedingungen. Wichtige Aspekte sind hierbei auch die biologischen Umsätze wichtiger Elemente (wie Kohlenstoff und Stickstoff) im Ozean, die durch diese Organismen geleistet werden. In unserer Forschungseinheit beschäftigen wir uns vorwiegend mit den Organismen und Prozessen in der Wassersäule.


GeoUnion: An welchen Themen forschen Sie zurzeit?

Lochte: Wir untersuchen, welche Rolle das Spurenmetall Eisen im offenen Ozean spielt. In vielen Ozeanregionen ist es Mangelware, und Zufuhr von Eisen kann die biologische Produktivität steigern. Im tropischen Atlantik werden durch Staub aus der Sahel Zone und Sahara diese Spurenmetalle in den offenen Ozean getragen. Wir versuchen im Labor und auf See festzustellen, wie sich das Phytoplankton (mikroskopische Algen im Ozean) verändert, wenn es unter Eisenmangel oder mit viel Eisen wächst. Ein anderes Thema ist die Produktion von organischen Spurengasen durch Phytoplankton. Man kennt verschiedene organische Spurengase, deren Quelle im Ozean liegt. Aber in vielen Fällen ist völlig unklar, wie sie produziert werden, auch wenn man in einigen Fällen eine biologische Produktion vermutet. Dies wird jetzt durch Experimente mit verschiedenen Algen untersucht.


Sahara-Sande über den Kanarischen Inseln
Sahara-Sande über den Kanarischen Inseln
© NASA/GSFC Sahara-Sande über den Kanarischen Inseln
GeoUnion: Was ist die spannendste Entdeckung der letzten Jahre in ihrem Feld und warum?

Lochte: Meine Kollegen Matt Mills, Julie LaRoche und andere stellten in Versuchen im tropischen Atlantik überraschender Weise fest, dass trotz der großen Mengen an Staub aus der Sahara, die Eisen in den tropischen Atlantik liefern, dennoch Eisen für bestimmte Prozesse limitierend ist. So konnte die Stickstofffixierung durch Zugabe von Eisen oder von Saharastaub gesteigert werden. Durch die Stickstofffixierung wird neuer Stickstoff für Pflanzenwachstum in den Ozean gebracht. Diese Beobachtung liefert viel Stoff zum Nachdenken, denn was passiert, wenn sich der Staubtransport durch Klimaänderung oder Wandel der Vegetation an Land verändert?
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