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Freitag, 19.03.2010
GOCE nimmt die Erde ins Visier
Neuer ESA-Forschungssatellit startet vom russischen Kosmodrom Plessezk aus ins All
Ein neuer Forschungssatellit der Europäischen Weltraumorganisation ESA nimmt künftig die Oberfläche und den Kern der Erde ins Visier. Eine russische Rockot-Trägerrakete wird GOCE (Gravity field and steady-state ocean circulation explorer) am 10. September 2008 um 16.21 Uhr MESZ vom rund 800 Kilometer nördlich von Moskau gelegenen Kosmodrom Plessezk aus in eine niedrige Erdumlaufbahn befördern. Der Satellit soll das Schwerefeld der Erde genauer als je zuvor untersuchen.

GOCE
GOCE
© ESA / ESOC - AOES Medialab GOCE
Hochauflösende Karte des Geoids
GOCE, der rund eine Tonne auf die Waage bringt, führt sechs hochmoderne Präzisions-Beschleunigungssensoren zur Messung der Bestandteile des Schwerefelds entlang aller drei Achsen mit. Die erfassten Daten werden eine Karte des Geoids, der Bezugsfläche der Erde, und von Anomalien des Schwerefelds in bisher unerreichter Auflösung liefern.

Eine solche Karte wird nach Angaben der ESA nicht nur unser Wissen über die inneren Strukturen der Erde erheblich erweitern, sondern auch als weitaus verbesserte Referenz für Ozean- und Klimastudien einschließlich Veränderungen des Meeresspiegels, der Ozeanströmungen und Untersuchungen der Dynamik der Eiskappen dienen. Die europäische Weltraumorganisation rechnet zudem mit einer Vielzahl von Anwendungen in Klimaforschung, Ozeanografie und Geophysik oder Geodäsie.

Große technische Herausforderung
Um diese Mission auf den Weg zu bringen, hatten die ESA, ihre 45 Partner aus der Industrie und zahlreiche Wissenschaftler eine gewaltige technische Herausforderung zu meistern. Sie mussten einen Satelliten entwerfen, der seine Kreise so erdnah zieht, dass er hochgenaue Daten des Schwerefelds sammeln kann, gleichzeitig jedoch auch in der Lage ist, die durch die Restatmosphäre in seiner Umlaufbahn in nur 260 Kilometer Höhe verursachten Störungen herauszufiltern.

Satellit GOCE
Satellit GOCE
© ESA / ESOC - AOES Medialab Satellit GOCE
Dabei herausgekommen ist ein schlanker, pfeilspitzenförmiger künstlicher Himmelskörper von fünf Metern Länge, ausgerüstet mit Niedrigleistungs-Ionentriebwerken, mit denen der atmosphärische Widerstand ausgeglichen werden kann.

Fünf weitere Geo-Missionen bis 2013
GOCE ist die erste Kernmission des Erdforschungsprogramms, das die ESA 1999 in die Wege geleitet hat. Ziel ist es, die Untersuchung der Atmosphäre, der Biosphäre, der Hydrosphäre, der Kryosphäre und des Inneren unseres Planeten voranzutreiben. Zudem sollen die Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Teilsystemen und die Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten auf diese Naturprozesse näher analysiert werden.

In den nächsten Jahren stehen insgesamt fünf weitere Satelliten-Starts und damit eine ganze Reihe neuer Erdforschungsvorhaben an. Bei zwei Missionen ist die Entwicklung sogar bereits angelaufen: Es handelt sich um ADM-Aeolus zur Erforschung der Dynamik der Atmosphäre im Jahr 2010 und um EarthCARE zur Untersuchung der Strahlungsbilanz 2013.

Darüberhinaus wird es drei weitere kleinere Missionen geben: Cryosat 2 zur Messung der Dicke der Eisschichten (2009), SMOS zur Untersuchung der Bodenfeuchtigkeit und des Salzgehalts der Ozeane (2009) und Swarm zur Erforschung der Entwicklung des Magnetfelds (2010).

Achtung Terminänderung
Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kurzfristig mitteilte, muss der Start des Europäischen Erdbeobachtungssatelliten GOCE verschoben werden. Ursprünglich geplant für Mittwoch, den 10. September 2008, 16.21 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) vom Kosmodrom in Plesetsk (Russland), wird der Start nun nicht vor dem 5. Oktober 2008, 16.21 Uhr MESZ, stattfinden.

Wegen einer Anomalie im Führungs- und Navigationssystem der Trägerraketen-Oberstufe stoppte die zuständige "Eurockot Launch Services GmbH" die Vorbereitungen am Sonntag, den 7. September 2008. Die betroffene Einheit muss nun unter Reinraum-Bedingungen ausgetauscht werden. Dazu muss die Rakete von der Startrampe zunächst wieder in die Integrationshalle gebracht werden. Der Satellit selbst ist in einwandfreiem Zustand, so der DLR. Die Missionsziele sind von der Startverschiebung nicht betroffen.
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