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Freitag, 10.02.2012
Rohstoffjagd in der Tiefsee
Forscher sind „Meeresschätzen“ auf der Spur
Die Tiefsee gilt noch immer als „Neuland“, als weitgehend unerforschte Welt. Erst langsam erkennt der Mensch das ganze Ausmaß der „Meeresschätze“, die dort verborgen sind – auch im Bereich der Rohstoffe. Neben Diamanten, Mineralsanden oder seltenen Mineralien haben vor allem Manganknollen das Interesse der Wissenschaftler geweckt. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat am 19. Juli 2006 sogar eine Lizenz zur Erkundung der „Kartoffeln der Tiefsee“ erworben. Nach intensiver Vorarbeit ist nun im Jahr 2008 die erste Seekampagne geplant.

Manganknollen
Manganknollen
© BGR Manganknollen
Durch die rechtzeitige Erforschung dieser neuen, bislang nicht genutzten Rohstoffquelle will die BGR einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Rohstoffsicherung unseres Landes leisten.

Mehr als nur Mangan…
„Manganknollen beinhalten neben Mangan- und Eisenverbindungen die wertvollen Buntmetalle Kupfer, Nickel und Kobalt. Außerdem sind in ihnen Spuren weiterer wirtschaftlich bedeutender Metalle wie Molybdän und so genannte elektronische Metalle (insbesondere Tellur, Selen, Wismut) gespeichert“, beschreibt Dr. Michael Wiedicke-Hombach von der BGR die enorme Bedeutung der Tiefseephänomene.

Lizenzgebiet
Lizenzgebiet
© BGR/ International Seabed Authority Lizenzgebiet
Die Erforschung der Manganknollen dient daher der Untersuchung einer möglichen zukünftigen Metall-Lagerstätte. Denn im Zentralpazifik, wo das Lizenzgebiet liegt, ist der Tiefseeboden in 4.000 bis 5.000 Meter Wassertiefe dicht von den schwarzbraunen, nur wenige Zentimeter großen Knollen bedeckt.

Das Lizenzabkommen mit der Internationalen Meeresbodenbehörde der Vereinten Nationen (ISA) sichert Deutschland dort für 15 Jahre einen 75.000 Quadratkilometer großen „Claim“ – ein Gebiet größer als Niedersachsen und Schleswig-Holstein zusammen genommen. „Die Gesamtmenge der dort vorhandenen Manganknollen wird auf etwa 900 Millionen Tonnen geschätzt. Der Anteil an Buntmetallen liegt bei etwa 25 Millionen Tonnen“, sagt der Rohstoffexperte.

Renaissance für Manganknollen
Schon vor rund 30 Jahren waren die Manganknollen erstmals ins Visier von Forschung und Wirtschaft geraten, nachdem man sie als möglichen Metallrohstoff erkannt hatte: In den 1970er Jahren untersuchten die BGR sowie verschiedene internationale Industriekonsortien, eines unter Führung der PREUSSAG, und nationale marine Forschungsinstitute den Manganknollen-Gürtel im zentralen Pazifik intensiv. Die Exploration wurde jedoch in den 1980er Jahren wegen sinkender Rohstoffpreise wieder eingestellt.

Vision des Meeresbergbaus
Vision des Meeresbergbaus
© BGR Vision des Meeresbergbaus
Die neue Initiative der BGR rückt nun diesen extrem lebensfernen Teil der Erde erneut ins Blickfeld des geologischen Interesses. „Die Marktsituation hat sich in den letzten Jahren grundsätzlich geändert. Die Nachfrage nach Metallrohstoffen ist beständig gestiegen und die Preise vor allem auch für Buntmetalle sind in die Höhe geschnellt“, schildert Wiedicke-Hombach den Grund für diese Entwicklung. „Spurenelemente stehen zudem als elektronische Metalle im Fokus der rohstoffverarbeitenden Industrie und sind aus unseren hochtechnologischen Anwendungen nicht mehr wegzudenken.“

Aufgrund der globalen Entwicklung mit stark wachsenden Märkten in Ländern wie China und Indien geht der BGR-Wissenschaftler auch mittel- bis langfristig von einer steigenden Nachfrage aus.

Weitere mineralische „Meeresschätze“ im Visier
Rohstoffexperten weltweit erforschen aber nicht nur Manganknollen, sondern auch andere potenzielle mineralische Tiefseerohstoffe. Dazu gehören untermeerische Massivsulfide und Kobalt-reiche Mangankrusten. In den letzten Jahren hat sich dabei besonders im Südwest-Pazifik eine rege Erkundungstätigkeit mit Beteiligung großer Rohstoff-Firmen entwickelt. Gesellschaften wie die kanadische Nautilus Minerals mit ihrem Solwara-Projekt vor der Küste Papua-Neuguineas oder Neptune Resources im Kermadec Inselbogen zwischen Neuseeland und Tonga planen in den nächsten Jahren sogar bereits den Abbau Bunt- und Edelmetall-reicher Erze.

Wie erfolgreich ein möglicher zukünftiger Tiefseebergbau sein wird, hängt von den Rohstoffkonzentrationen vor Ort und der weiteren Marktentwicklung ab. Eine entscheidende Rolle spielen aber auch geeignete moderne Technologien. „Die Entwicklung effizienter Erkundungssysteme und umweltschonender Förderkonzepte ist zugleich Herausforderung und Chance auch für die deutsche Wirtschaft“, so Wiedicke-Hombach.

Links:
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Internationale Meeresbodenbehörde
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Ressourcen - März 2008
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