Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Grönland-Gletscher beschleunigt sich
Photogrammetrische Analyse des Bewegungsverhaltens des Jacobshavn Isbræ Gletschers in Westgrönland
Der Jacobshavn Isbræ ist einer der schnellsten und produktivsten Gletscher der Welt. Er wies über lange Zeit eine in etwa konstante Fließgeschwindigkeit von circa 20 Metern pro Tag auf und erzeugte dabei jährlich Eisberge im Gesamtvolumen von 30-40 Kubikkilometern. In den letzten Jahren konnten Wissenschaftler jedoch eine starke Erhöhung der Fließgeschwindigkeit beobachten. Gleichzeitig hat sich die Gletscherfront innerhalb von nur drei Jahren um zehn Kilometer zurück gezogen, wodurch eine Gesamtfläche von circa 100 Quadratkilometern verloren ging.

Jacobshavn Isbræ Gletscher in Grönland
Jacobshavn Isbræ Gletscher in Grönland
© TU Dresden Jacobshavn Isbræ Gletscher in Grönland
Um das geänderte Bewegungsverhalten zu analysieren, haben das Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung sowie das Institut für Planetare Geodäsie der TU Dresden im Sommer 2004 eine Messkampagne am Jacobshavn Isbræ Gletscher durchgeführt. Im Rahmen der Messkampagne wurden von den Wissenschaftlern Bildsequenzen einer hochauflösenden Digitalkamera aufgenommen und ausgewertet. Diese Bildsequenzen zeigen in eindrucksvoller Weise das Bewegungsverhalten des Gletschers. Durch automatische Verfahren der photogrammetrischen Bildanalyse konnten die Dresdener Forscher aus den Bildsequenzen räumlich-zeitlich aufgelöste Geschwindigkeitsfelder im Bereich der Gletscherzunge bestimmen. Erstmals wurde dabei in Geschwindigkeitsmessungen am Jacobshavn Isbræ auch die Höhenkomponente der Gletscherbewegung erfasst.

Gletscherfront 2001/2004
Gletscherfront 2001/2004
© TU Dresden; Landsat Gletscherfront 2001/2004
Durch subpixelgenaue Messoperatoren können Bewegungen von wenigen Zentimetern in einer Entfernung von mehreren Kilometern zur Kamera aufgelöst werden. Bei einem aufgenommenen Gletscherausschnitt von circa zwei Kilometern Länge kann die tägliche Bewegung von Strukturen der Gletscheroberfläche mit einer Genauigkeit in der Größenordnung von 0,1-0,2 Prozent der Länge des Bewegungsvektors bestimmt werden, wobei die Genauigkeit vor allem durch die extreme Topographie der Gletscheroberfläche und den Einfluss von Schattenwurf limitiert wird.

Bewegungsmuster einzelner Gletscherpunkte
Bewegungsmuster einzelner Gletscherpunkte
© TU Dresden Bewegungsmuster einzelner Gletscherpunkte
Aus einer 24-Stunden Bildsequenz wurden an 1500 über die Gletscherzunge verteilten Punkten Bewegungsvektoren in halbstündigen Intervallen bestimmt. Die Resultate der Bildsequenzanalyse zeigen eine Fliessgeschwindigkeit von 35-40 Metern pro Tag im Bereich der Gletscherzunge, was beinahe einer Verdoppelung der Fliessgeschwindigkeit gegenüber Messungen der 90er Jahre entspricht. Damit werden Messungen der NASA aus dem Jahr 2003 bestätigt und fortgeführt. Aus den Messreihen ergibt sich zudem eine sehr deutliche Abhängigkeit der Höhenkomponente der Gletscherbewegung von den Meeresgezeiten. Damit wird erstmals bewiesen, dass die Gletscherzunge auf dem Fjord aufschwimmt.

Links:
Institut für Photogrammetrie der TU-Dresden
Gletscherbewegung (avi, 7 MB)
Maas, H.-G. Dietrich, D., Schwalbe, E., Bäsler, M., Westfeld; P., 2005: Photogrammetrische Bestimmung räumlich-zeitlich aufgelöster Bewegungsfelder am Jakobshavn Isbræ Gletscher in Grönland. Tagungsband DGPF-Jahrestagung, Rostock
Artikel drucken    zum Archiv
Nach verwandten Themen suchen:
Photogrammetrie, Vermessung, Gletscher, Grönland, Foto, Fließgeschwindigkeit
Photogrammetrie - Mai 2006
Dieser Artikel ist Teil des GeoUnion-Monatsschwerpunkts "Photogrammetrie". Weitere Meldungen finden Sie unter folgenden Links oder sind in Vorbereitung:
Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser
Photogrammetrie hilft bei der Verbesserung der Hochwasservorhersage an der Elbe
Ein Tempel in 3-D
Photogrammetrie und Laserscanning helfen bei der Objektdokumentation des Repittempels
3D-Stadtmodelle im Aufwind
Von Matthias Merian zum Laserscanning
Grönland-Gletscher beschleunigt sich
Photogrammetrische Analyse des Bewegungsverhaltens des Jacobshavn Isbræ Gletschers in Westgrönland
Suche
Erweiterte Suche
GeoUnion
Logo GeoUnion
Dossiers zum Thema
Gletscher
Weiße Riesen auf dem Rückzug
Eiszeiten
Die frostige Vergangenheit der Erde...
Klimawandel
Bringt der Mensch das irdische Klima aus dem Gleichgewicht?
Feuer und Eis
Die Gletschervulkane Islands
Eisberg ahoi!
Vergängliche Kolosse der Polarmeere
Antarktis
Am eisigen Ende der Welt
Meereis
Wimmelndes Leben in salzigen Kanälen
GeoBasics - Artikel
Kein Regen ohne Eiskeim
Starthilfe für den Golfstrom
Ein fliegendes Labor für Klimaanalysen
Antarktis: Meeresströmung trotzt Klimawandel
Ein Frühwarnsystem für das Mekong-Delta
Wasserversorgung und Wasserverschmutzung in Guangzhou
Peru: Klimawandel verschärft Wassermangel in Lima
Ältestes Eis der Antarktis im Visier
Polarstern umrundet Nordpol
Klimabüro für Polargebiete eröffnet
Arktis: Eisschmelze erreicht fast Rekordniveau
Kopernikus macht Erde sicherer
Europas modernstes Wetterradar überwacht Deutschland
Waldbrände beeinflussen Arktis-Atmosphäre
GOCE nimmt die Erde ins Visier
Spuren von Europa in der kanadischen Arktis entdeckt
Erste geologische Weltkarte im Internet
Vietnam verliert Küste
Erdbeben haben Grenzen
Meteoriten in der Falle
Steine des Himmels
Neues Mineral in Kometenstaub entdeckt
Gefahr aus dem All
Mit Mikrofossilien auf Erdöl-Jagd
Mit Fossilien der Evolution auf der Spur
Archiv
GeoSchwerpunkt
Themen, Fakten, Hintergründe ...mehr
GeoAngewandt
Aus Forschung und Wissenschaft ...mehr
GeoKöpfe
Persönlichkeiten im Profil ...mehr
GeoVorOrt
Geotouristische Highlights ...mehr
GeoSchon gewusst?
Interessant und Wissenswert ...mehr