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Donnerstag, 09.02.2012
Spurensuche vor Westafrika
Forscher erforschen Sauerstoffminimum-Zone im Atlantik
Ein Meeresgebiet vor der Küste Westafrikas in dem Sauerstoff ungewöhnlich knapp ist, steht im Mittelpunkt einer neuen Expedition, zu der das deutsche Forschungsschiff MARIA S. MERIAN am 1. November 2008 von den Azoren aus aufgebrochen ist. Die Wissenschaftler wollen im Rahmen ihrer 5-wöchigen Reise unter anderem die Zirkulation und die Vermischung im Ozean näher untersuchen.

Forschungsschiff MARIA S. MERIAN
Forschungsschiff MARIA S. MERIAN
© IFM-GEOMAR Forschungsschiff MARIA S. MERIAN
Der Verdacht erhärtet sich: Erwärmung, Meeresspiegelanstieg und Versauerung der Ozeane sind nicht die einzigen Auswirkungen, die der Klimawandel auf die Ozeane hat. Immer mehr Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass auch Gebiete, in denen dem Wasser lebenswichtiger Sauerstoff fehlt, deutlich größer werden.

Sauerstoffminimum-Zone im Visier
Eine dieser so genannten Sauerstoffminimum-Zonen befindet sich im Atlantik auf der Höhe des Senegals und Guineas. Sie ist derzeit das Ziel von Kieler Meeresforschern an Bord des Forschungsschiffes MARIA S. MERIAN. „Im tropischen Nordatlantik können wir idealtypisch die Entwicklung derartiger Sauerstoffminimumzonen beobachten, die eine bisher unterschätzte und kaum erforschte Gefahr für die Ozeane darstellen“, sagt Professor Martin Visbeck vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), der Fahrtleiter der Expedition.

Sobald die Wissenschaftler im Untersuchungsgebiet eintreffen, begeben sie sich zunächst auf die Suche nach ihren eigenen Spuren. Schon im April 2008 hatte eine Kieler Expedition südlich der Kapverdischen Inseln gearbeitet. Damals hatten die Forscher mit einem Spezialgerät, dem Ocean Tracer Injection System (OTIS), eine ungiftige, chemische Markersubstanz in circa 300 Metern Tiefe ausgebracht.

Turbulenzen in der Wassersäule?
Während der aktuellen Forschungsfahrt wollen die Ozeanographen herausfinden, wohin diese Substanz in den vergangenen sieben Monaten getrieben wurde. Das lässt nach Angaben der Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Vermischung der Wasserschichten, auf Strömungen und damit auch auf Nährstoff- und Sauerstofftransporte zu. Weitere Messungen mit einer fallenden Mikrostruktursonde sind ebenfalls geplant und sollen Aufschluss über Turbulenzen in den oberen 400 Metern der atlantischen Wassersäule geben.

Die zehnte Forschungsreise der MERIAN endet dann am 6. Dezember 2008, wenn das Schiff im Hafen von Mindelo auf den Kapverdischen Inseln festmacht.

Ocean Tracer Injection System
Ocean Tracer Injection System
© M. Müller /IFM-GEOMAR Ocean Tracer Injection System
Dritte Forschungsreise
Die aktuelle Expedition ist die dritte Ausfahrt des Kieler Sonderforschungsbereiches „Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean“. Wissenschaftler des IFM-GEOMAR und der Universität zu Kiel (CAU) wollen in dem Programm unter anderem klären, wie tropische Sauerstoffminimum-Zonen (SMZ) auf Änderungen in der Ozeanzirkulation und Ventilation des tiefen Ozeans reagieren beziehungsweise welche Konsequenzen veränderte Sauerstoffgehalte für die Nährstoffversorgung und somit für das marine Leben im tropischen Ozean haben.

Beteiligt an der Expedition ist auch der Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“. In ihm forschen rund 120 Wissenschaftler aus 26 Instituten der Universität Kiel, dem IFM- GEOMAR, dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) und der Muthesius Kunsthochschule. Ziele des Exzellenzclusters sind, den Ozeanwandel weiter zu erforschen, um so ein weltweites Management der Ozeane und mariner Ressourcen zu entwickeln.
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