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Freitag, 10.02.2012
Erdwärme-Boom in Deutschland
Im Frühjahr wird erstmals die Gigawatt-Grenze überschritten
Die Nutzung der Erdwärme boomt: Allein im Jahr 2006 wurden 24.000 neue Anlagen in Privathäusern, Gewerbebauten und öffentlichen Einrichtungen installiert – immerhin doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor. Damit ist auch erstmals ein Rekord in Reichweite gerückt: Noch in diesem Frühjahr wird in Deutschland voraussichtlich mehr als ein Gigawatt Wärme aus geothermischen Ressourcen gewonnen.

Geothermie-Pilotanlage in Groß-Schönebeck
Geothermie-Pilotanlage in Groß-Schönebeck
© A. Saadat, GFZ Potsdam Geothermie-Pilotanlage in Groß-Schönebeck
„Das sind Zahlen wie wir sie vor einigen Jahren so noch nicht erwartet hätten“, erklärt Simone Probst, Präsidentin des Bundesverbandes Geothermie (GtV-BV). „Eine Steigerung um 100 Prozent, das muss eine Branche auch erst einmal verkraften. Geht die Entwicklung so weiter, ist die Geothermie auf dem besten Weg, mittelfristig Deutschlands wichtigste Wärmequelle zu werden“, schätzt Probst die Zukunft der Erdwärmenutzung ein.

Fachkräftemangel als Hemmschuh?
Doch noch ist es nicht soweit. Denn vor allem den Bohrunternehmen bereitet derzeit der eklatante Mangel an Fachkräften große Sorge. Allein für den Bau von Erdwärmesonden werde Personal in vierstelliger Größenordnung gesucht, erklärt Ralf Schramedei. Der Leiter der Sektion „Oberflächennahe Geothermie“ des GtV-BV erläutert, dass die Branche verstärkt in neue Bohrgeräte investieren müsse, um die Nachfrage aus der Bevölkerung überhaupt bedienen zu können. Der GtV-BV geht davon aus, dass im Bereich der oberflächennahen Geothermie derzeit über 100.000 Anlagen installiert sind. Monatlich kommen mindestens 2.000 neue dazu. Die Tendenz ist steigend. Fast 80 Megawatt Leistung werden außerdem aus geothermischen Fernwärmenetzen bereitgestellt. Auch hier zeigt der Trend nach oben.

So werden in diesem Jahr drei neue geothermische Kraftwerke in Bruchsal, Landau/Pfalz und Unterhaching in Betrieb gehen, bei denen neben der Stromerzeugung auch zugleich eine Wärmenutzung vorgesehen ist. Zudem muss das Geothermische Heizwerk in Erding wegen der starken Nachfrage seine Kapazitäten verdoppeln. Im brandenburgischen Neuruppin entsteht im Zusammenhang mit einem Hotel- und Freizeitkomplex eine weitere Anlage. „Steigende Energiepreise und hohe Versorgungssicherheit machen die tiefen Ressourcen immer interessanter“, freut sich Horst Kreuter, Leiter der Sektion „Tiefe Geothermie“. „Auch in diesem Bereich werden dringend weitere leistungsfähige Bohrgeräte benötigt. Diese sind aber weltweit stark gefragt. Zum Glück gibt es bei uns innovative Maschinenbauer, die mit zukunftsweisenden Anlagenkonzepten auf den Markt gekommen sind“, so Kreuter.

Verbesserte Technik hat ihren Preis
Technische Neuentwicklungen haben in den letzten Jahren dazu geführt, die Gesamteffizienz der Erdwärmesysteme deutlich zu verbessern. „Mit ihnen kann man sich weitgehend und auf Dauer unabhängig von den steigenden Kosten für fossile Energieträger machen“, betont Schramedei. Allerdings müssten die Kunden darauf achten, die Anlagen entsprechend dem Stand der Technik errichten zu lassen. „Darauf kann man gar nicht deutlich genug hinweisen. Billig wird da oft schnell teuer“, so der Geothermie-Experte. Beim GtV-BV ist daher eine kostenlose Broschüre „Erdwärmesonden - Tipps für Häuslebauer“ erhältlich, in der sich die wichtigsten grundlegenden Informationen dazu finden.
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