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Freitag, 10.02.2012
Gletscherschmelze im Modell
Wie Wasser- zu Wirtschaftsproblemen werden können
Durch die globale Erwärmung schmelzen nicht nur die Polkappen langsam ab, sondern auch die Hochgebirgsgletscher gehen zurück. Dies bringt jedoch nicht nur Veränderungen im globalen Wasserhaushalt mit sich, sondern hat auch schwerwiegende Auswirkungen auf die regionale Land- und Wasserwirtschaft. Diese Probleme werden nun durch das neue EU-Projekt „Brahmatwinn“ unter Leitung der Universität Jena erforscht. Im Fokus der Wissenschaftler stehen die Wirtschaftsräume entlang der Flüsse Donau und dem indischen Brahmaputra.

Gletscherschmelze in den Alpen: Pasterze
Gletscherschmelze in den Alpen: Pasterze
© Harald Frater
Der Rückgang von Gletschermassen ist kein lokales Problem, sondern in allen Hochgebirgsregionen der Erde zu verzeichnen, erklärt Wolfgang-Albert Flügel von der Universität Jena. „Im Himalaya liegt er inzwischen bei circa 30 Prozent“, ergänzt Flügels Mitarbeiter Klaus Bongartz. Diese Veränderungen des Wasserhaushalts haben zum Teil schwerwiegende Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. So müssen sich beispielsweise indische Bauern ebenso wie die Schweizer Energiewirtschaft auf eine veränderte Abflussdynamik der Schmelzwässer einstellen. Beide Wirtschaftszweige hängen sowohl von der Menge als auch von der geographischen und zeitlichen Verteilung der „Wasserspenden“ aus dem Gebirge ab.

Um diese dynamischen Veränderungen besser vorhersagen zu können, entwickelt nun ein internationales Team im Rahmen des EU-Projekts „Brahmatwinn“ ein Integriertes Wasserwirtschaftsmanagementsystem (Integrated Water Resources Management System, IWRMS). Mithilfe dieses Modells sollen zukünftig verschiedene Szenarien möglicher hydrologischer Veränderungen „durchgespielt“ werden und somit Entscheidungshilfen für eine angepasste Wasserwirtschaft liefern. An dem Projekt sind 17 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft beteiligt und wird durch die EU mit rund 2,9 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre gefördert.

Donau und Brahmaputra im Modell
Modellrechnung
Modellrechnung
© Scheere/FSU- Fotozentrum
Das Projekt "Brahmatwinn" nutzt als Grundlage für die Entwicklung des IWRMS die vergleichbaren Flusseinzugsgebiete der Donau und des Brahmaputra, „die beide an der globalen Erwärmung leiden“, so Flügel. Hierfür müssen die Wissenschaftler nicht nur Messdaten und Geoinformationen sammeln, sondern diese auch in einem Modell verarbeiten. Dieses muss zum einen die hydrologischen Gegebenheiten widerspiegeln und zum anderen die möglichen Veränderungen des Wasserhaushalts vorhersagen.

Im September soll die erste Geländekampagne zur Sammlung von Daten am Brahmaputra starten. Nach der Analyse müssen die Daten in ein Informationssystem integriert, Klimaprognosen erstellt und Abflussmodellierungen durchgeführt werden. Schließlich werden „Was wäre, wenn“-Szenarien erstellt, welche die Auswirkungen bei veränderbaren Systemparametern für die Entscheidungsträger anschaulich machen. All diese Arbeiten müssen in einem System vereint werden, von dem am Projektende ein Prototyp vorgelegt wird, der für die Zielgruppen der Anwender in Europa und Asien beherrschbar ist. Daher gehört zu den Aufgaben des Teams, zu dem neben Geowissenschaftlern auch Meteorologen, Ingenieure, Sozialwissenschaftler, Ökologen und Juristen gehören, ebenfalls die Ausbildung des Bedienungspersonals für das IWRMS.

Bisher existieren bereits Systemkomponenten, etwa in München, Venedig und Jena, die einzelne Aspekte des Prototyps realisieren. Jetzt müssen diese Komponenten „in nur drei Jahren weiterentwickelt und in einem Gesamtsystem integriert werden“, beschreibt Flügel einen Part, der zu einer der Aufgaben des Teams in Jena gehört. Am Ende wird ein flexibles System stehen. „Wir bieten keine fertigen Lösungen an“, betont der Geoinformatiker von der Uni Jena, „sondern ein System, Lösungen für eine angepasste Wasserbewirtschaftung zu finden“. Nur so werden die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen sein.
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